Chat Daten sichern Meldung

Die test-Experten Marcus Pritsch (links) und Henning Withöft.

Fotos, Musik, Rechnungen – der Computer ist voller unersetz­barer Daten. Umso wichtiger: regel­mäßige Daten­sicherung. Das geht online, aber auch auf CD, DVD, Blu-ray, USB-Stick oder externer Fest­platte. Welche Vor- und Nach­teile haben die einzelnen Methoden, wie sicher sind die Daten? Die test-Experten Marcus Pritsch und Henning Withöft beantworteten Ihre Fragen zum Thema Daten­sicherung im Chat auf test.de. Hier lesen Sie das Transkript des Chats.

Daten sichern

Moderator: Herzlich willkommen beim test-Expertenchat zum Thema „Daten sichern“ mit unseren test-Experten Marcus Pritsch und Henning Withöft.

So, es ist jetzt 13 Uhr. Hier im Chat begrüße ich jetzt Marcus Pritsch und Henning Withöft. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatterinnen und Chatter beantworten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Henning Withöft: Ja, wir können starten!

Marcus Pritsch: Erste Frage ...?

Die Top 3-Fragen

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Leserinnen bereits die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die TOP 1 Frage aus dem Pre-Chat:

Datenträger: Was halten Sie denn von den neuen Cloud-Angeboten, kann man denen hinsichtlich Datenschutz bzw. Verlässlichkeit vertrauen?

Marcus Pritsch: In technischen Publikationen wird das Internet als „Wolke“ (Cloud) dargestellt. Die Wolke definiert ein Netzwerk, von dem man nicht sehr viele Eigenschaften kennt. Datensicherung in der Cloud bedeutet, dass ich meine Daten auf Festplatten in der Wolke ablege. Diese können in Deutschland, aber auch in Amerika oder sonst wo im Internet stehen. Man hat damit definitiv nicht mehr die volle Kontrolle über diese Daten.

Marcus Pritsch:Cloud-Dienste sollte man deshalb nur verschlüsselt benutzen.

Henning Withöft: Nutzer sollten ihre Daten daher selbst verschlüsseln, dafür gibt es kostenlose Programme, zum Beispiel TrueCrypt.

Moderator: Und hier die Top 2-Frage:

Oumard: Welches Speichermedium ist derzeit das sicherste und langlebigste, um große Datenmengen für den persönlichen Gebrauch zu speichern?

Marcus Pritsch: Für den persönlichen Gebrauch sollte man immer die Langlebigkeit hinterfragen. Im Moment gibt es nur Erfahrungen, die 20 Jahre alt sind: über CDs und DVDs. Ob sie wirklich 30, 40 Jahre halten, wissen wir dann erst später. Daher sollte man alle 3 bis 4 Jahre alle Daten auf ein neues Medium kopieren. Gleichzeitig sollte man auch auf den Dateityp achten. Vor zehn Jahren wurden andere Textverarbeitungsprogramme benutzt als jetzt, und bei diesem Umkopieren sollte man dann gleichzeitig auch die Daten umkodieren.

Henning Withöft: Für besonders große Datenmengen sind DVDs und CDs eher nicht geeignet, da sie nur begrenzt Speicherplatz zur Verfügung stellen. Hier empfehlen sich externe Festplatten.

Marcus Pritsch: Allerdings sollte man da auf die Schnittstelle achten: Große Datenmengen mit USB 2.0 zu kopieren kann Stunden, wenn nicht Tage dauern. Da sollte man dann auf USB 3.0 oder ESATA ausweichen. Gleichzeitig sollte man darauf achten, nicht nur eine Kopie zu haben, sondern mehrere. Experten raten, drei Kopien zu haben. Um ganz sicher zu gehen, sollte man sie auch an verschiedenen Orten aufbewahren. Zum Beispiel bei der Oma auf dem Dachboden. ;)

Moderator: Und die Top 3-Frage:

JohnTom13: Welche Lebensdauer-Beschränkungen haben die einzelnen Medien: CD , DVD, Blue-ray, USB-Flash? Wodurch wird die Lebensdauer beeinflusst?

Henning Withöft: CDs, DVDs und Blu-rays sind anfällig für Kratzer, besonders CDs und DVDs sind zudem lichtempfindlich und Blu-ray-Discs eher wärmeempfindlich. Diese sind bei guter Aufbewahrung ca. zehn Jahre haltbar. Aufbewahren sollte man sie nicht in Ordnern, sondern am besten einzeln verpackt im Jewelcase, das sind die herkömmlichen CD- und DVD-Verpackungen aus Plastik. Noch dazu sollten sie im Dunkeln und eher kühl gelagert werden. Das heißt, gleich bleibende Temperaturen sind wichtig und das Vermeiden von großen Temperaturunterschieden.

USB-Sticks, Speicherkarten und externe Festplatten

Mecki: Wie sicher sind die Daten auf einem USB-Stick?

Henning Withöft: Daten auf einem USB-Stick halten ebenfalls etwa zehn Jahre. Man kann sie allerdings leicht verlieren, liegen lassen oder gar mitwaschen.

Marcus Pritsch: Wir haben das mal ausprobiert und mehrere USB-Sticks in einer Hose mit verschiedenen Temperaturen mitgewaschen und geschleudert – sie haben danach noch problemlos funktioniert. Allerdings sollte man sie vorher trocknen, weil Wasser in USB-Sticks problematisch werden kann (Ausfall), aber das gilt für alle Elektrogeräte: Erst trocknen und dann die Batterie einlegen oder einschalten. Wer Angst vor Diebstahl hat, sollte seinen USB-Stick zusätzlich mit einem Passwort absichern.

Moderator: Eine Nachfrage aus dem Livechat:

Marco Michel: Welche Lebensdauer haben SD-Karten aus beispielsweise Kameras? Die Karten sind günstig und haben mittlerweile hohe Kapazitäten. Eine Alternative?

Henning Withöft: Auch Speicherkarten haben eine Haltbarkeit von bis zu zehn Jahren und unterscheiden sich damit nicht wesentlich von den USB-Speichern. Die vermutlich langlebigste Speicherart werden DVDs haben.

Snufi: Was halten Sie von Network –Attached-Storage-Systemen (NAS-Systemen) zur Datensicherung? Bei denen man die Festplatten wechseln kann.

Marcus Pritsch: NAS-Systeme sind Festplatten, die ich in meinem Netzwerk ohne Computer anschließe. Alle unsere Aussagen für externe Festplatten gelten sowohl für NAS-Systeme als auch für USB-Festplatten.

Marco Michel: Lohnt sich für den Privatgebrauch ein Festplatten-Raid-System?

Marcus Pritsch: Ein Raid-System ist schon etwas für sehr stark interessierte Nutzer, es kann viel Arbeit abnehmen, muss aber auch erst mal eingerichtet werden. Eine externe Festplatte oder ein USB-Stick reichen für den persönlichen Gebrauch vollständig aus.

Software zur Datensicherung und -rettung

Peter: Welche SW sollte man zur Sicherung verwenden?

Henning Withöft: In einem etwas älteren Test von 2009 war Norton Ghost der Testsieger. Die weiteren Plätze belegte Avanquest Perfect Image und Paragon Drive Backup. Mit diesen Programmen kann auch der Laie Daten sichern. Wichtig ist aber, dass man sich mit diesen Programmen vertraut macht und vor allem das Wiederherstellen der Daten aus einem Backup sollte man mal geübt haben. Im Katastrophenfall braucht man eine gewisse Routine, um den Schaden zu beheben.

Marcus Pritsch: Man muss unterscheiden zwischen Image und Datei-Backup: Bei einem Datei-Backup werden nur einzelne Dateien gesichert, bei einem Image wird der komplette Festplatten-Inhalt gesichert inklusive Programmen und Einstellungen. Das kann auch bei einem Virenbefall helfen, das System ohne Viren wiederherzustellen.

HAR: Vor ungefähr zehn Jahren gab es von Maxtor eine Platte mit der Bezeichnung „One Touch Backup“, bei der man nach dem Einschalten nur eine Taste drücken musste, um ein sehr schnelles Incremental Backup zu erhalten. Heute gibt es auch Platten mit der Bezeichnung „One Touch Backup“, bei denen das aber viel komplizierter ist bzw. gar nicht funktioniert. Gibt es eine Software, mit der man das auch heute genauso einfach machen kann? Robocopy und Total Commander sind einfach nicht genug.

Marcus Pritsch: Heutige Festplatten installieren eine Software, die auf den Knopf auf der Festplatte „One Touch“ reagiert und ein Datei-Backup initiieren. In unserem damaligen Test hat sich gezeigt, dass die oben genannten Backup-Programme das ähnlich gut – wenn nicht besser – realisiert haben. Als Hardware würde ich immer eine einfache externe Festplatte empfehlen in Verbindung mit einem dieser Backup-Programme. Unser Test „Externe Festplatten“ hat zudem gezeigt, dass die Platten in der Qualität sehr ähnlich sind und daher jede externe Festplatte für solche Zwecke zu nutzen ist. Meist sind dieselben Festplatten bei den verschiedenen Herstellern verbaut worden.

leser: Verschlechtert sich die Qualität von Daten insbesondere von Bild­dateien wenn diese ständig (für Backup) von A nach B kopiert werden?

Marcus Pritsch: Wir sprechen hier von digitalen Daten, die nur aus Nullen und Einsen bestehen. Eine Null kann immer als Null kopiert werden und eine Eins kann immer als Eins kopiert werden. Früher in der analogen Zeit war das ein Problem, in der digitalen Zeit ist dies nicht mehr so. Einschränkungen gibt es nur, wenn ich die Datei öffne und das Programm dabei Veränderungen (Drehen, Farbveränderungen) vornimmt: Dann kann es schlechter werden.

Daten auf mobilen Geräten und in der Cloud

salsoli: Wie kann man am einfachsten die Daten von einem Android Smartphone sichern? Wie kann man diese gesicherten Daten auf ein neues Android Smartphone übertragen?

Zabo: Welcher Datenträger bietet die beste Datensicherung für ein iPad?

Henning Withöft: Die Datensicherung generell bei Smartphones und Tablets funktioniert auf zwei Wegen. Entweder ich sichere die Daten auf meinem Computer und mache dann ein Backup, oder ich greife auf das automatische Backup des Betriebssystems zurück. Dieses wird in der Regel online in der Cloud abgelegt. Sowohl bei Android von Google als auch beim iOS von Apple kann der Nutzer auf Wunsch eine automatische Datensicherung einstellen. Auch die Wiederherstellung funktioniert dann automatisch.

Marcus Pritsch: Bei den Cloud-Diensten sollte man allerdings darauf achten, dass man die Datensicherung im Internet vornimmt. Da gelten unsere gleichen Bedenken wie aus der ersten Frage. Allerdings habe ich keine Möglichkeit, die Daten zu verschlüsseln. Da haben wir wieder das typische Problem: Sicherheit gegen Komfort. Außerdem funktioniert die Wiederherstellung der Daten nur mit einer bestehenden Internetverbindung über WLAN oder Mobilfunk.

b1tchnow: Welcher Cloud-Service ist Ihrer Ansicht nach sicher und empfehlenswert?

Henning Withöft: Wir raten generell dazu, Anbieter zu wählen, die ihre Server ausschließlich in Deutschland oder in Europa stehen haben, nur hier gibt es klare Datenschutzrichtlinien. US-Amerikanische Anbieter sind aufgrund des Patriot Act dazu verpflichtet, alle Daten, die auf ihren Servern lagern, auf Anfrage den amerikanischen Ermittlungsbehörden zur Verfügung zu stellen.

Marcus Pritsch: Aber nicht nur der Patriot Act ist ein Problem, sondern generell die fehlenden Datenschutzvorschriften in den Vereinigten Staaten. Es ist immer noch nicht vollständig geklärt, ob die Vereinigten Staaten ein sicherer Datenhafen sind.

Moderator: Kommen wir zu unserer letzten Frage im heutigen Chat.

k.: Wie sichern Sie ihre Daten?

Henning Withöft: Als Privatmann mit einer externen Festplatte und Norton Ghost.

Marcus Pritsch: Ich habe mehrere externe Festplatten und nutze auch ein Backup-Programm mit Image-Funktion. Ganz wichtige, einzelne Dateien habe ich auch noch auf einem USB-Stick.

Moderator: Die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen Sie noch ein kurzes Schlusswort an die User richten?

Marcus Pritsch: Daten sichern ist ein ganz wichtiges Thema, leider beschäftigt man sich meistens erst dann damit, wenn es schon zu spät ist. Unter Experten gilt: Kein Backup, kein Mitleid. Jeder sollte sich damit beschäftigen und es auch durchführen. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Auch sollte man die Dateien regelmäßig überprüfen, nichts ist schlimmer, als ein nicht funktionierendes Backup wiederherstellen zu wollen oder alte, nicht funktionierende Dateien den Kindern zeigen zu wollen.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beantworten konnten. Vielen Dank auch an Marcus Pritsch und Henning Withöft, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nachlesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

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