Chat Auslands­reise-Kranken­versicherung Meldung

Die Finanztest-Expertinnen Birgit Brümmel (links) und Simone Weidner.

Die Hälfte der Bundes­bürger hat ihren Urlaub für 2014 schon geplant. Ob Familien­urlaub in Spanien, Karibik-Kreuz­fahrt oder Städtetrip nach New York: Eine Auslands­reise-Kranken­versicherung gehört mit ins Reisege­päck. Was es beim Abschluss einer solchen Police zu beachten gibt, erklären die Finanztest-Expertinnen Birgit Brümmel und Simone Weidner. Hier das Protokoll des Chats von Mitt­woch, den 21. Mai 2014.

Die drei Top-Fragen aus dem Pre-Chat

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top-1-Frage ausdem Pre-Chat..

posemu­ckel: Haben Sie auch getestet, wie gut die Abwick­lung im Schadens­fall ist? Denn was nützt mir eine güns­tige Versicherung mit theoretisch guten Versicherungs­bedingungen, die im Schadens­fall praktisch nicht zahlt?

Birgit Brümmel, test.de: Den tatsäch­lichen Schadens­fall zu testen, ist leider nicht möglich. Dazu müsste ja ein Schaden fingiert werden. Allerdings befragen wir dazu immer wieder auch unsere Leser, so auch im Jahr 2012. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage war, dass 70 % mit ihrem derzeitigen Auslands­reise-Kranken­versicherer sehr zufrieden sind. Häufig erfolgte die Abwick­lung im Schadens­fall schnell und unkompliziert. Mehr dazu finden Sie in unserer Meldung Kunden zufrieden mit Reiseversicherern. Außerdem wissen wir aus dem Bericht des Ombuds­mannes für private Kranken­versicherungen, dass nur 0,5 % der dort einge­henden Beschwerden die Auslands­reise-Kranken­versicherungen betreffen. Das ist, im Hinblick auf die Vielzahl der Verträge in diesem Bereich, ein guter Wert.

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

Deutsch­hofer: Die gesetzliche Kranken­versicherung R+V BKK bietet seit Jahren eine kostenlose Auslands­reise-Kranken­versicherung an. Leider schreibt die StiWa dennoch, eine Auslands­reise-Kranken­versicherung gebe es bei keiner gesetzlichen Kasse gratis. Möchte die StiWa von der R+V BKK abraten?

Simone Weidner, test.de: Richtig ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen vor einiger Zeit vom Bundes­versicherungs­amt, das ist die Aufsichts­behörde vieler gesetzlicher Kassen, aufgefordert wurden, den kostenlosen Auslands­reise-Kranken­versicherungs­schutz nicht mehr anzu­bieten. Die meisten Krankenkassen haben darauf­hin die Koope­ration mit einem privaten Auslands­reise-Kranken­versicherer einge­stellt. Einige wenige Krankenkassen, darunter auch die R+V BKK, haben gegen den Bescheid der Aufsichts­behörde geklagt. Die Klage hat aufschiebende Wirkung, das heißt, das Verfahren ist noch nicht abge­schlossen. Bis dahin heißt es für die Versicherten: Die kostenlose Auslands­reise-Kranken­versicherung bleibt in diesen Ausnahme­fällen bis zu einer endgültigen Entscheidung bestehen.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

Antefix: Senioren sind unfall­risikoscheu und gehen eine Auslands­reise generell viel abwägender und gesundheitlich besser vorbereitet an. Sie sind heut­zutage im Schnitt auch deutlich „rüstiger“ als noch vor zwanzig, dreißig Jahren. Welche Versicherer haben sich nach StiWa-Erfahrung bei der Alters­frei­stellung in ihren Versicherungs­kriterien immer noch nicht angepasst, sondern „diskriminieren“ Lebens­alter durch Ausschluss oder besonders hohen Tarif?

Birgit Brümmel: Höchst­alters­grenzen für die Aufnahme von Neukunden bei Einzel­verträgen sehen Nürn­berger, Deutscher Ring und Gothaer vor. Bei anderen, wie der LVM, ist ab einem bestimmten Alter die Aufnahme nur noch mit Gesund­heits­prüfung möglich oder bei der Signal Iduna zu anderen Bedingungen. Alters­zuschläge erheben alle Versicherer, außer der Debeka, deren sehr gutes Angebot (Tarif AR) Jung und Alt zum gleichen Preis offen steht (siehe den aktuellen Test von Auslandsreise-Krankenversicherungen in Finanztest 6/2014).

Wann sich ein Wechsel lohnt

bla: Ich habe eine sich auto­matisch verlängernde Jahres-Versicherung der Hanse-Merkur [VB-KV2009 (RKJ)] „am Laufen“. Lohnt sich ein Umstieg auf einen neueren Tarif?

Birgit Brümmel: Ein Neuabschluss kann sich jeder­zeit lohnen. Viele Versicherer haben in der Zwischen­zeit ihre Bedingungen verbessert.

Walli: Wenn ich vor der Wahl einer neuen Auslands­reisekranken­versicherung stehe, welches ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Punkt, auf den man achten sollte? Ist es der Rück­trans­port?

Simone Weidner: Wichtig ist, dass Sie gegen­über existenziellen Risiken abge­sichert sind, dazu gehören sicherlich schwere Erkrankungen, schwere Unfälle, längere Kranken­haus­auf­enthalte und vor allem ein Krankenrück­trans­port nach Deutsch­land. Alle getesteten Tarife bieten hier notwendigen Schutz. Es gibt natürlich Abstufungen und Unterschiede in der Leistungs­höhe. Manche Versicherer, vor allem die sehr guten, bieten mehr als den Stan­dard­schutz.

Versicherungs­schutz für die ganze Familie

klobi: Gibt es AKVs, die Familien­mitglieder (Kinder oder Ehepartner) unkompliziert mit einschließen – also dass nur eine Versicherung für eine Familie oder ein Paar abzu­schließen ist?

Birgit Brümmel: Wir haben aktuell sowohl Tarife für Einzel­personen als auch für Familien getestet. Bei den Jahres­verträgen für Familien haben wir geprüft, bis zu welchem Alter Kinder mitversichert sind. Einige Anbieter bieten zum Beispiel Versicherungs­schutz bis zum 25. Geburts­tag an, andere nur bis zum Erreichen der Voll­jährigkeit. Für Familien kann auch interes­sant sein, ob Versicherer „Rooming-In-Kosten“ erstatten. Dann kann im Notfall eine Begleit­person beim Kind im Kranken­haus bleiben. Manche Versicherer über­nehmen hier sämtliche Kosten. Für Familien ist auch wichtig, dass die Kinder gut betreut werden, wenn ein Eltern­teil im Kranken­haus liegt. Manche Versicherer organisieren zum Beispiel eine begleitete Rück­reise oder eine Notfall­betreuung vor Ort. In unserer Tabelle haben wir diese Zusatz­leistungen dargestellt. Interes­sant für Familien ist auch, dass jedes Familien­mitglied auch bei Einzel­urlauben versichert ist. Zum Beispiel, wenn ein Eltern­teil wandern geht oder das Kind mit Freunden auf einen Segeltörn.

Versicherungs­schutz für längere Auslands­auf­enthalte

Moderator: Eine Frage, die uns über Twitter erreichte.

Twitter: Ich suche eine güns­tige AKV für Kanada, wo ich ein Jahr Work and Travel machen werde. Welche empfehlt ihr?

Simone Weidner: Sie sprechen das Thema Versicherungs­schutz für längere Auslands­auf­enthalte an. Einen Test dazu finden Sie in Finanztest 9/2013, Gute Policen für lange Reisen. Hier haben wir Tarife auch für einjährige Urlaube erhoben. Es gibt Versicherer, die sogar spezielle Tarife für Teilnehmer an Work & Travel-Programmen anbieten.

Stipe: Für einen längeren Auslands­auf­enthalt habe ich eine Auslands­reisekranken­versicherung abge­schlossen, die ich danach bis heute nicht mehr gebraucht habe. Eine frist­gerechte Kündigung habe ich mehr­mals verpasst. Gibt es Versicherungen, die auto­matisch auslaufen, ohne diese schriftlich kündigen zu müssen?

Simone Weidner: Es gibt vereinzelt so genannte Ablauf­verträge, aber die meisten Verträge verlängern sich auto­matisch und müssen ein oder drei Monate vor Ablauf gekündigt werden. Um den Termin nicht zu verpassen, kann man die schriftliche Kündigung zu jedem Zeit­punkt losschi­cken, zum Beispiel jetzt.

hedwig: Die meisten Reisekranken­versicherungen sind auf etwa 45 Tage je Reise beschränkt. Unser 16-jähriger Sohn geht jedoch für 11 Monate an eine Highschool im Ausland. Welche Kranken­versicherungen gibt es für Jugend­liche im Auslands­schul­jahr? Auf was sollte man achten? Mit welchen Beiträgen muss man rechnen für ein Jahr? Gibt es darauf spezialisierte Anbieter?

Simone Weidner: Gerade für Highschool-Aufenthalte in den USA gibt es besondere Bestimmungen. So muss der Versicherer über eine Vertretung in den USA verfügen und dort zugelassen sein. Die meisten Austausch-Organisationen haben da sehr strenge Vorgaben und bieten in der Regel einen Vertrag mit einem Partner-Versicherer an. Sie können über den Versicherungs­schutz häufig nicht individuell entscheiden.

Berufliche Reisen

klobi: Ich bin selbst Vielreiser (geschäftlich wie auch privat). Gibt es zufäl­lig eine AKV, die man über das ganze Jahr abschließen kann, die mehrere Länder abdeckt und nicht enorm viel kostet?

Simone Weidner: In unserem aktuellen Test haben wir Tarife untersucht, die welt­weit gelten und das ganze Jahr über gelten. Beliebig viele Reisen im Jahr, mit einer Höchst­dauer von meist jeweils 6 bis 8 Wochen, sind dabei versichert. Meistens gelten diese Versicherungen neben Urlaubs­reisen auch für berufliche Reisen.

Timo: Welche Besonderheiten muss ich bei beruflichen Reisen beachten? In Ihrem Test gibt es ein Feld „auch berufliche Reisen“: Sind NUR bei diesen Versicherungen berufliche Reisen abge­deckt? Ich bin bisher davon ausgegangen, dass der Anlass der Reise (privat oder beruflich) keinen Unterschied auf die Leistungen meiner ARK macht. Ist dem nicht so?

Birgit Brümmel: Bei manchen Anbietern sind ausdrück­lich nur Urlaubs­reisen versichert. Bei anderen Anbietern ist der Schutz für über­wiegend beruflich bedingte Reisen auf 10 oder 14 Tage beschränkt. Darüber gibt der von Ihnen erwähnte Filter in der test.de-Tabelle oder die Tabellenspalte „Schutz auch für berufliche Reisen“ im Finanztest-Heft 6/2014 Auskunft.

Sport­liche Aktivitäten versichern

Michael Z.: Ich fahre jedes Jahr für 2–3 Wochen in die Alpen zum Renn­rad- und Mountain­bikefahren. Gibt es spezielle Versicherungen, die vorwiegend den sport­lichen Aspekt einer Urlaubs­reise versichern?

Birgit Brümmel: Eines unserer Test­kriterien war auch der Schutz bei Verletzungen durch sport­liche Aktivitäten. Bei einigen Versicherern ist die Leistung ausgeschlossen, wenn es sich um Berufs­sportler handelt oder wenn mit der Teil­nahme an Wett­kämpfen Geld verdient werden soll. Aber darum handelt es sich in Ihrem Fall scheinbar nicht. Für Frei­zeit­sportler sieht nur der Deutsche Ring einen Ausschluss, bei vereins­mäßig organisierten Sport­wett­kämpfen und dazu­gehörigem Training, vor. Sonst ist uns bei den getesteten Jahres­tarifen kein Ausschluss für Frei­zeit­sportler begegnet.

Reise-Voll­schutz-Pakete

Condoleeza Reis: Manche Reisebüros bieten „Voll­schutz-Pakete“ (Reiser­ücktritt, Reisekranken­schutz, Gepäck, ...) an? Ist es aus Ihrer Sicht sinn­voller, die Reisekranken­versicherung separat abzu­schließen?

Simone Weidner: Oft erhalten Sie Auslands­reise­schutz in Kombination mit anderen Versicherungen wie Reisege­päck-, Reiseunfall- oder Reisehaft­pflicht­versicherungen. Über­legen Sie genau, ob Sie diesen Schutz wirk­lich brauchen. Private Unfall- und Haft­pflicht­versicherungen, die Sie in Deutsch­land abge­schlossen haben, gelten meist welt­weit – auch auf Reisen. Bei den Reisege­päck­versicherungen wissen wir von Leserre­aktionen, dass Reisende häufig keinen oder sehr wenig Schaden­ersatz bekommen haben. Auch viele Gerichts­urteile belegen, dass Versicherte oft mit ihrem Versicherer über den Verlust streiten. Rund um den Versicherungs­schutz auf Reisen können Sie sich auf unserer Themenseite Reiseversicherung informieren.

Reisekranken­versicherung über die Kreditkarte

Moderator: Uns haben mehrere Fragen zu Auslands­reise-Kranken­versicherungen, die zum Kredikartenpaket dazu­gehören, erreicht:

Pipapo: Manche Kranken­zusatz­versicherungen enthalten auch einen Auslands­schutz. Entsprechen die dortigen Bedingungen denen der jeweiligen Einzel-Policen derselben Anbieter? Und wie sieht es denn mit entsprechenden Angeboten von Kreditkarten­anbietern aus?

Stuggi: Was halten Sie von Auslands­reise-Kranken­versicherungen, die gemein­sam mit einer Kreditkarte angeboten werden, z.B. der Barclay-Card-Visa? Haben Sie solche Angebote auch getestet?

Holger K.: Wie sieht es mit den bei Kreditkarten enthaltenen Reisekranken­versicherungen aus? Kann man die Ergeb­nisse mit den anderen vergleichen? Meine Kreditkarte (Visa-Gold) von der Post­bank beinhaltet z. B. eine Versicherung von der Allianz.

M.H.: Ich habe durch meine goldene ADAC-VISA/MASTERCARD-Kreditkarte auto­matisch eine Auslands­kranken­versicherung für die ganze Familie. Sollte ich dennoch zusätzlich eine „bessere“ Versicherung abschließen? Vielen Dank!

Birgit Brümmel: Unsere bisherigen Tests zeigen, dass die Zusatz­versicherungen über Kreditkarten meist nicht ausreichen. Häufig gibt es Ober­grenzen für die Erstattung, einen Selbst­behalt und manchmal auch Alters­grenzen für den Versicherungs­schutz. Manchmal ist nur der Karten­inhaber versichert. In einigen Fällen muss außerdem die Reise mit der Kreditkarte bezahlt worden sein, damit der Versicherer einspringt. Einen Test über Zusatz­versicherungen bei Kreditkarten finden Sie in Finanztest 7/2011, 42 Kreditkarten-Angebote im Test. Den Auslands­schutz, der in manchen privaten Kranken­zusatz­versicherungen enthalten ist, haben wir nicht getestet.

Kosten abrechnen

charlyd: Auf Reisen muss ich privat die Kosten vorstre­cken – bei einem Kranken­haus­besuch wegen Unfall kann das sehr teuer sein. Was mache ich, wenn ich nicht so viel Geld direkt bereit­stellen kann?

Birgit Brümmel: Kleinere Ausgaben, wie zum Beispiel für Arzt­besuche oder Medikamente, verauslagen Sie in der Regel selbst. Sie reichen dann die entsprechenden Belege nach dem Urlaub beim Versicherer zur Erstattung ein. Bei einem Kranken­haus­auf­enthalt empfiehlt es sich, so früh wie möglich Kontakt mit dem Versicherer aufzunehmen. Viele Versicherer geben in solchen Fällen eine so genannte Kosten­über­nahme­erklärung gegen­über dem Kranken­haus ab. Damit ist gesichert, dass Sie behandelt werden, ohne hohe Kosten im Voraus selbst zahlen zu müssen. Die Abrechnung mit dem Kranken­haus erfolgt in der Regel direkt über den Versicherer. Ergänzend zur Abrechnung mit dem Versicherer: Wenn Sie in Vorleistung treten, achten Sie darauf, dass auf den Rechnungen Ihr Name, genaue Angaben über Diagnose, Therapie und Arznei­mittel stehen.

mabo: Die Kosten für einen eventuellen Rück­trans­port können laut Ihrem Artikel bis zu 70 000 Euro betragen. Ist gewähr­leistet, dass die Versicherung diese Kosten direkt mit dem Unternehmen abrechnet, welches den Rück­trans­port vornimmt, und dass man nicht erst in Vorleistung gehen muss?

Birgit Brümmel: In der Regel werden diese Kosten vom Versicherer direkt mit dem Trans­port­unternehmen abge­rechnet. Setzen Sie sich bei einem notwendigen Rück­trans­port in jedem Fall mit Ihrem Versicherer in Verbindung. Dieser veranlasst alles Notwendige. Kleiner Tipp: Die Kommunikation mit dem Versicherer ist das A und O. Wenn Sie Zweifel haben, ob Sie sich mit Ihrem Versicherer in Verbindung setzen sollen, gilt: Lieber ein Anruf mehr als einer zu wenig.

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