Chat Auslands­reise-Kranken­versicherung Meldung

Die Finanztest-Expertinnen Romy Philipp, Simone Weidner und Birgit Brümmel.

Bald werden Urlaubs­koffer gepackt. Das Wich­tigste benötigt nicht viel Platz: Eine Ver­sicherung, die bei Krankheit oder Unfall im Ausland einspringt. In vielen Ländern ist sie ein Muss. So bekommen gesetzlich Versicherte etwa in den USA oder Thai­land keine Kosten bei Krankheit erstattet. Und auch in Europa hat der Stan­dard­schutz oft Lücken. Die Expertinnen der Stiftung Warentest haben sich Ihren Fragen im Chat auf test.de gestellt. Hier lesen Sie die Antworten.

Die Top 3-Fragen

Moderator: Herz­lich will­kommen beim test.de-Expertenchat zum Thema Auslands­reise-Kranken­versicherung mit unseren Finanztest-Expertinnen Romy Philipp, Simone Weidner und Birgit Brümmel.
Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten.
Hier die TOP-1-Frage aus dem Pre-Chat:

Florian: Ich habe eine ADAC Auslands­kranken­versicherung, welche vor etwa 4 Jahren abge­schlossen wurde. Haben sich die Bedingungen allgemein stark gebessert, sodass sich ein Neuabschluss lohnt? Liefert die Finanztest einen Test der ADAC Auslands­kranken­versicherung nach, sobald die neuen Konditionen verfügbar sind?

Simone Weidner: In unserem aktuellen Test hat der ADAC wegen einer Bedingungs­umstellung nicht teil­genommen. Im Test im vergangenen Jahr schnitten die Tarife des ADAC sowohl für Mitglieder als auch für Nicht­mitglieder mit dem Test­urteil „befriedigend“ ab. Wer sich für die neuen Tarife des ADAC interes­siert, sollte sich direkt an den ADAC wenden und sich die dann neu über­arbeiteten Bedingungen aushändigen lassen.

Birgit Brümmel: Sie können ja anhand von „So haben wir getestet“ über­prüfen, ob sich die Bedingungen verändert haben. Unseren Test können Sie unter www.test.de/reisekrankenversicherung herunter­laden.

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

Henry I: Wie versichere ich mich bei längeren Auslands­auf­enthalten? Da ich nicht mehr berufs­tätig bin möchte ich auch mal länger verreisen – die meisten Versicherungen haben Befristungen. Welche Versicherung empfehlen Sie, wenn man im Süden über­wintern will, und welche speziell dabei für Rentner?

Romy Philipp: Die meisten Auslands­reisekranken­versicherer bieten auch spezielle Tarife für lange Reisen an. Dazu gab es im Finanztest 8/2012 den letzten Test. Diesen finden Sie unter www.test.de/reisekrankenversicherung-lang.

Simone Weidner: Bei den meisten Versicherern kann man Reisen bis zu einem Jahr versichern, bei einigen auch zwischen 2 und 5 Jahren.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

d5e5f5: Ich habe eine Kreditkarte von Barcleycard. Diese Visa Gold verfügt als kostenlose Zusatz­leistung auch noch über eine Reise­versicherung inkl. Auslands­reise-Kranken­versicherung. (siehe http://www.barclaycard.de/index.php?page=Barclaycard_Reise­versicherung_kompakt) Wie ist diese/solche Zusatz­leistung zu bewerten? Sollte ich besser eine separate Auslands­reise-Kranken­versicherung abschließen?

Birgit Brümmel: Unsere Tests zeigen, dass die Zusatz­versicherungen über Kreditkarten meist nicht ausreichend sind. Häufig gibt es Ober­grenzen für die Erstattung, einen Selbst­behalt und manchmal auch Alters­grenzen für den Versicherungs­schutz. In einigen Fällen muss außerdem die Reise mit der Kreditkarte bezahlt worden sein, damit der Versicherer einspringt. Einen Test über Zusatz­versicherungen bei Kreditkarten finden Sie unter „Kreditkarten-42 Angebote im Test“ (Finanztest 07/2011).

Wann zahlt der Versicherer den Krankenrück­trans­port?

Löwe99999: Wie wird von den Versicherungen beim Krankenrück­trans­port der Begriff „medizi­nisch sinn­voll“ interpretiert?

Romy Philipp: Im Unterschied zum medizi­nisch notwendigen Rück­trans­port, bei dem nur die medizi­nische Versorgung im Land beur­teilt wird, spielen bei der Einschät­zung, ob ein Rück­trans­port medizi­nisch sinn­voll und vertret­bar ist, auch andere Gründe eine Rolle. Zum Beispiel, ob der Patient die Sprache in dem Land versteht, ob ein längerer Auslands­auf­enthalt für ihn zumut­bar ist oder ob er in seinem gewohnten Umfeld schneller genesen kann.

Romy Philipp: Medizi­nisch notwendig ist der Rück­trans­port beispiels­weise dann, wenn im Urlaubs­land eine Behand­lung nicht nach deutschem Stan­dard erfolgen oder eine notwendige Operation gar nicht durch­geführt werden kann.

Klausklaus: In den vergangenen Tests hat die Stiftung Warentest meiner Meinung nach die Bedingungen bezüglich des Krankenrück­trans­ports überbewertet. Solange man zivilisierte Länder wie die USA, Kanada, Japan oder Israel bereist, halte ich einen Rück­trans­port für unnötig, da hervorragende Ärzte und Krankenhäuser vor Ort zur Genüge vorhanden sind. Sehen Sie das auch so?

Birgit Brümmel: Die Tarife, die die Stiftung Warentest untersucht hat, gelten welt­weit. Es stimmt, in vielen Ländern haben Sie einen hohen medizi­nischen Stan­dard. Ist absehbar, dass Sie z.B. mehrere Monate in den USA in einer Klinik liegen, ist es manchmal auch im Interesse des Auslands­reisekranken­versicherers, Sie zurück­zufliegen, denn die Behand­lungs­kosten in den USA sind sehr hoch. Manchmal kann es der Genesung des Erkrankten auch zuträglich sein, am Heimat­ort weiterbe­handelt zu werden. Hier springen die Versicherer ein, die einen Rück­trans­port auch schon dann über­nehmen, wenn er medizi­nisch sinn­voll und vertret­bar ist bzw. wenn abzu­sehen ist, dass der Kranken­haus­auf­enthalt länger als 14 Tage dauern wird.

Chro­nische Erkrankungen

Bekannte: Eine Bekannte leidet unter MS und möchte mit Ihrem Freund im Juli nach Ägypten reisen. Welche Auslands­reise-KV versichert dieses Risiko? Welche Alternativen gibt es?

Birgit Brümmel: Generell gilt: Reisekranken­versicherer bezahlen keine vorhersehbaren Behand­lungen. Der Schutz ist auf akute Notfälle wie eine plötzlich eintretende schwere Erkrankung oder einen Unfall beschränkt. Deshalb können z. B. MS-Erkrankte nicht unbe­dingt davon ausgehen, dass der Reise­versicherer die Kosten über­nimmt, da die Erkrankten jeder­zeit mit einer Verschlechterung der Erkrankung rechnen müssen.

Simone Weidner: Wenn Sie inner­halb Europas verreisen, müssen Sie sich aber keine Sorgen machen, denn als gesetzlich Versicherte können Sie die Behand­lungs­kosten über die Krankenkasse abrechnen. Allerdings gelten hierbei die Stan­dards des jeweiligen Reise­landes.

Romy Philipp: Außer­halb Europas springt die Krankenkasse nicht ein. Chro­nisch Kranke können trotzdem welt­weit verreisen, sie müssen die Reise aber unbe­dingt vorher mit der Krankenkasse besprechen, denn für 6 Wochen im Jahr kommt die Kasse welt­weit für Behand­lungs­kosten von Chronikern auf. Die Kasse über­nimmt nicht auto­matisch die Kosten. Was Sie dabei beachten müssen, können Sie unter www.test.de/chronisch-auslandsreise nach­lesen.

Lohnt sich der Neuabschluss?

Anonym: Habe eine Auslands-Kranken­versicherung die bereits seit ca. 10 Jahren läuft. Damals fragte niemand nach einer chro­nischen Krankheit. Ich habe ein Anfalls­leiden, allerdings bin ich seit 1990 in Behand­lung, hatte nur einen einzigen Anfall und bekomme seither Medikamente. Heißt das also, meine Auslands-Kranken­versicherung ist für mich gar nicht zuständig sondern die KK? Ich frage natürlich nicht nach, denn für andere Versicherungen muss/müsste ich sowieso schon mehr zahlen. Danke für Ihren Rat!

Birgit Brümmel: Wenden Sie sich erst einmal an Ihren Arzt und lassen Sie sich dort ein Attest geben, dass Sie gesundheitlich stabil sind und eine medizi­nische Behand­lung derzeit nicht absehbar ist. In jedem Fall empfehlen wir aber eine vorherige Kontakt­aufnahme mit der Krankenkasse, ob sie gegebenenfalls die Kosten der chro­nischen Erkrankung über­nehmen würde, die der Auslands­reisekranken­versicherer nicht abdeckt. Natürlich zahlt der Auslands­reisekranken­versicherer, wenn Sie aus anderen Gründen erkranken oder einen Unfall haben. Deshalb lohnt sich auf jeden Fall der Abschluss einer Reisekrankenversicherung.

Hans E.: Ich habe vor ein paar Jahren einen Vertrag für den damals von Finanztest mit sehr gut bewerteten Tarif RKJ bei der Hanse-Merkur abge­schlossen. In der aktuellen Bestenliste taucht er nicht mehr auf. Ist er weiterhin zu empfehlen? Sollte ich ihn laufen lassen oder besser zu Hanse-Merkur / DAKplus wechseln? Mal abge­sehen davon, dass das gering­fügig güns­tiger wäre.

Birgit Brümmel: Die HanseMerkur bietet einen neuen Tarif (JRV) an, der in diesem Jahr das Test­urteil „gut“ bekommen hat. Mitglieder der Krankenkasse DAK können bei der HanseMerkur den Tarif „DAKplus Reise“ abschließen, dieser hat im aktuellen Test mit „sehr gut“ abge­schnitten.

Romy Philipp: Es lohnt sich immer wieder, die aktuellen Test­ergeb­nisse zu verfolgen, weil viele Versicherer ihre Bedingungen in der Zwischen­zeit verbraucherfreundlicher gestaltet haben.

Muss ich spezielle Zusatz­versicherungen abschließen?

Moderator: Und eine aktuelle Frage:

Persona non Grata: Ist es sinn­voll, im EU-Ausland eine extra Versicherung für zahn­ärzt­liche Notfall-Unter­suchungen abzu­schließen?

Romy Philipp: In unserem Test sind bei allen Versicherern medizi­nisch notwendige Zahnbe­hand­lungen welt­weit mitversichert. Das umfasst Notbe­hand­lungen, schmerz­stillende Mittel und – bei einigen Anbietern – provisorischen Zahn­ersatz. Sie können nicht für eine gezielt geplante Sanierung Ihren Auslands­reisekranken­versicherer in Anspruch nehmen.

Moderator: Hier eine aktuelle Frage:

Rudibert: Ich möchte als gesetzlich Versicherter eine Dschungelsafari in Afrika machen. Sollte ich vorher zusätzliche Versicherungen gegen Malaria o.ä. abschließen?

Simone Weidner: Wenn Sie außer­halb der EU verreisen, sollten Sie unbe­dingt eine Auslands­reisekranken­versicherung abschließen, denn die gesetzliche Krankenkasse springt nur inner­halb der EU und in Ländern ein, mit denen Deutsch­land ein Sozial­versicherungs­abkommen geschlossen hat. Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse und lassen Sie sich über wichtige Reiseimpfungen für Ihr Urlaubs­land beraten.

Welchen Versicherungs­schutz brauchen Privatversicherte und lohnen sich Reise­versicherungen im Paket?

Moderator: ... und noch eine aktuelle Frage:

Langer46: Ich bin beihilfeberechtigt und privat versichert. Empfiehlt sich dabei eine Reise­versicherung?

Simone Weidner: Auch manche privat Kranken­versicherte sollten über den Auslands­reisekranken­schutz nach­denken, denn der Schutz bei Urlaubs­reisen außer­halb Europas kann auf einen Monat oder 3 Monate begrenzt sein. Bei längeren Reisen muss dann der Versicherer informiert werden. Außerdem sollten Privatversicherte prüfen, ob ein Krankenrück­trans­port finanziell abge­sichert ist, das ist manchmal ausgeschlossen.

Simone Weidner: Sinn­voll kann der Zusatz­schutz für Privatversicherte auch sein, um einen Anspruch auf Beitrags­rück­erstattung nicht zu gefährden.

Moderator: ... und noch eine aktuelle Frage:

Torben-Hendrik: Wie beur­teilen sie die Reise­schutz­pakete die teil­weise von Fluggesell­schaften bei der Buchung direkt mit angeboten werden?

Romy Philipp: Dieses spezielle Versicherungs­paket haben wir nicht geprüft. Oft erhalten Sie Auslands­reise­schutz in Kombination mit anderen Versicherungen wie Reisege­päck-, Reiseunfall- oder Reisehaft­pflicht­versicherungen. Über­legen Sie genau, ob Sie diesen Schutz wirk­lich brauchen. Private Unfall- und Haft­pflicht­versicherungen, die Sie in Deutsch­land abge­schlossen haben, gelten meist welt­weit – auch auf Reisen. Dann ist der Zusatz­schutz über­flüssig.

Simone Weidner: Oft werden auch Reisege­päck­versicherungen angeboten. Aus Leser-/User-Reaktionen wissen wir, dass Reisende, die den Verlust ihres Gepäcks beim Versicherer gemeldet haben, häufig keinen oder sehr wenig Schaden­ersatz bekommen haben. Auch viele Gerichts­urteile belegen, dass Versicherte oft mit ihrem Versicherer über den Verlust streiten.

Über die Kundenfreundlich­keit der Versicherer

ABN: Wurden auch die tatsäch­lichen Assistenz­leistungen und das Regulierungs­verhalten der Versicherer von Ihnen getestet ? Nach dem letzten Test weiß ich zwar, bei welcher Gesell­schaft ich für welchen Beitrag welche Ansprüche habe – aber ob die 24h-Notrufhotline tatsäch­lich etwas taugt, ob einge­reichte Arzt­rechnung anstands­los erstattet werden – dies ist mir nicht bekannt.

hallo1: Mein Bekannter ist aktuell in Thai­land, er hatte einen Sonnenbrand und musste zum Arzt. Die Rechnung: 7200 Bhat also ca. 200 €. Zahlt das eine Stan­dard-Auslands­reisekranken­versicherung?

Simone Weidner: An ABN: Zu diesem Thema hat die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr rund 600 Menschen befragt. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage: Über 70 % sind mit ihrem Versicherer sehr zufrieden. Häufig erfolgte die Abwick­lung im Schadens­fall schnell und unkompliziert. Mehr dazu unter www.test.de/umfrage-auslandsreise.

Romy Philipp: An hallo1: Wenn Ihr Bekannter eine Auslands­reisekranken­versicherung hat, soll er den Versicherer anrufen und diesen möglicher­weise zusätzlich per E-Mail informieren. Außerdem sollte er die Rechnung über die Behand­lung und notwendigen Medikamente so schnell wie möglich beim Kranken­versicherer zur Erstattung einreichen.

Psychische Erkrankungen und einge­schränkte Leistungen

Matthias: In Begleit­text zu Ihrem Test schreiben Sie, dass die Allianz nun bei psychischen Erkrankungen bezahlt. In den Bedingungen des R32 lese ich aber, einen Ausschluss von „psycho­analytischen und psycho­therapeutischen Behand­lungen“. Können Sie mir das erklären?

Birgit Brümmel: In unserem Test haben wir unter „So haben wir getestet“ erläutert, dass im Ausland auch akute psychische Erkrankungen behandelt werden. Vom Versicherungs­schutz ausgenommen sind Psycho­therapie und Psycho­analyse. Bei Psycho­therapie und Psycho­analyse handelt es sich in der Regel um lang­fristige, geplante Behand­lungen.

Matthias: Wieso liegt den Versicherungs­unterlagen der Allianz (R32) eine Karte mit einer Telefon­nummer bei, über die Ärzte in den USA vor Behand­lung heraus­finden sollen, ob die Leistungen auch über­nommen werden. Ist das praktikabel? Wie schränkt die Allianz die Leistungen in den USA ein, bzw. schränken sie diese mehr ein als andere Versicherungen?

Romy Philipp: Wenn Sie im Ausland erkranken, sollten Sie immer sofort die Notfall­nummer Ihres Versicherers anrufen. Wie der Versicherer im Detail die Abwick­lung regelt, kann unterschiedlich sein. Insgesamt können wir sagen, dass wenige Versicherte Probleme bei der Schadens­regulierung schildern. Das zeigt unsere Umfrage zu diesem Thema. Die entsprechende Notfall­rufnummer des Versicherers sollte man bei Auslands­reisen immer parat haben.

Moderator: Die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen Sie noch ein kurzes Schluss­wort an die User richten?

Simone Weidner: Die Auslands­reisekranken­versicherung kostet im Jahr rund 10 Euro für Einzel­personen. Unser Test hat gezeigt, es gibt viele sehr gute Tarife für wenig Geld.

Romy Philipp: Wir wünschen Ihnen einen sonnigen Urlaub...

Birgit Brümmel: ...und bleiben Sie gesund!

Moderator: Das waren 60 Minuten test-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beant­worten konnten. Vielen Dank auch an Romy Philipp, Simone Weidner und Birgit Brümmel, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Tran­skript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nach­lesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

...zum Test Auslandsreise-Krankenversicherung

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