Chat Apotheken Meldung

Oft werden Kunden in Apotheken nicht ausreichend beraten: Apotheker weisen etwa nicht auf Wechsel­wir­kungen von Medika­menten hin. Das zeigt der aktuelle Test. Die test-Experten Katrin Andruschow und Carl-Friedrich Theill beantworteten Fragen zum Thema im Online-Chat.

Medikamente zur Selbstmedikation billiger

Moderator: Katrin Andruschow und Carl-Friedrich Theill von der Stiftung Warentest sind jetzt bei uns eingetroffen, der Chat kann also pünktlich beginnen. Können wir anfangen?

Katrin Andruschow und Carl-Friedrich Theill: Gerne, wir freuen uns auf die spannenden Fragen.

Moderator: Vor dem Chat hatten die Nutzer bereits einige Tage Zeit, Fragen zu stellen und darüber abzustimmen, welche heute den Chat eröffnen. Hier ist die erste:
Claude: Würden Sie sagen, es lohnt sich, in Apotheken nach Preisnachlass zu fragen? Kann man handeln?

Carl-Friedrich Theill: Es lohnt sich auf jeden Fall. Der Gesetzgeber hat im Jahr 2004 die Preisbindung für Selbstmedikationsmittel aufgehoben, um für mehr Preiswettbewerb zu sorgen. In den unmittelbaren Folgejahren ist man in Apotheken allerdings bei den Preisen, die die Hersteller empfehlen, weitgehend geblieben.
In unserem aktuellen Test haben wir allerdings festgestellt, dass in den Vor-Ort-Apotheken zunehmend Selbstmedikationsmittel preiswerter angeboten werden. Häufig wird bereits in den Schaufenster mit Angeboten geworben. Die logische Konsequenz wäre, dass Kunden auch gezielt nach Preisnachlässen fragen, bei Mitteln, die vielleicht noch nicht preiswerter angeboten werden. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass der Apotheker sich auf ein Feilschen einlässt. Er wird aber gegebenenfalls ein preiswerteres Mittel, ein Generikum, anbieten.

Versandapotheken zeigen Schwächen in der Beratung

Harald53: Wie gut ist die Beratung in Versandapotheken?

Katrin Andruschow: Die Beratung in den Versandapotheken ist leider nicht zufriedenstellend, wie unser Test zeigt. Keine einzige Versandapotheke schneidet mit „gut“ ab und keine einzige Versandapotheke hat zum Beispiel unsere drei Testfälle zu den Wechselwirkungen von Medikamenten gelöst. Auch in den anderen Beratungsfällen zeigten die Versender Mängel, z.B. waren sieben Versandapotheken bei der Beratung zu einem Inkontinenz-Problem „mangelhaft“, obwohl sich gerade das Gespräch am Telefon für eine anonyme Beratung zu einem solch sensiblen Thema eignet.

Harry Hirsch: Sind Apotheker für gesundheitsgefährdende Fehlauskünfte haftbar zu machen?

Carl-Friedrich Theill: Apotheker haben einen verantwortungsvollen Beruf und sind natürlich bei Fehlinformationen, die zu gesundheitlichen Folgen führen, haftbar zu machen: Es gibt auch Versicherungen, die solche Fälle abdecken und sich speziell an Apothekenbetriebe wenden. In der Realität wird es allerdings immer schwierig sein, entsprechende Zusammenhänge nachzuweisen – und es handelt sich immer um einen individuellen Fall. Sehr häufig sind solche Vorgänge wohl nicht.

Der Kunde hat mehr Auswahl

quacksalber: Stichwort Wettbewerb: Wieviel Wettbewerb gibt aus ihrer Meinung nach auf dem Deutschen Apothekenmarkt?

Katrin Andruschow: Es gibt Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt, denn die Apothekendichte in Deutschland ist sehr hoch. Zudem gibt es seit 2004 Versandapotheken und es gibt auch Versandapotheken, die z.B. mit Drogeriemärkten zusammenarbeiten und dort rezeptfreie Medikamente vertreiben. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, sind inzwischen zwei Drittel aller deutschen Apotheken Mitglied in Apothekenkooperationen. Das heißt, sie nutzen Service-Leistungen dieser Kooperationen, z.B. beim Marketing, oder nutzen die Einkaufsgemeinschaft, um Medikamente preiswerter an den Kunden abzugeben. Für den Kunden stellt sich dieser Wettbewerb letztendlich als eine Vielfalt dar, die auch seine Wahlmöglichkeiten erweitert.

Um Arzneimittelläden in Fernost großen Bogen machen

fromoutspace: Kann ich günstigere Medikamente aus Online-Stores ausländischer Apotheken bestellen, oder gibt es da Zoll- oder andere Einfuhrbestimmungen?

Carl-Friedrich Theill: Das ist ein schwieriges Feld, denn wir unterscheiden zwischen Internet- und Onlineapotheken und Arzneimittelläden in Fernost, wo beispielsweise Schlankheitsmittel oder Sexualtonika gekauft werden. Wir haben immer Internetapotheken aus dem europäischen Umland empfohlen, deren Rechte den Deutschen entsprechen und die z.B. auch rezeptpflichtige Mittel nur gegen Vorlage eines Rezeptes abgeben.

Vor den sogenannten Arzneimittelläden kann man nur warnen. Die Stiftung Warentest hat einmal solche Einrichtungen getestet, in Zusammenhang mit Schlankheitsmitteln. Wir haben festgestellt, dass es Warenunterschiebungen gibt, dass Mittel mit riskanten Wirkstoffen verkauft werden und dass beispielsweise Waren angeliefert wurden ohne Beipackzettel und Patienteninformationen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass von bestimmten Versandapotheken auch Medikamente angeboten werden, deren Patentzeit abgelaufen ist. Diese Medikamente dürfen aber nicht in Deutschland angeliefert und verwendet werden, wenn in Deutschland das Patent noch nicht abgelaufen ist. Das wäre ein Fall, der strafrechtlich verfolgt werden müsste.

7 Versandapotheken haben bei Beratung völlig versagt

in: Sind Online Apotheken gut in der Beratung „peinlicher“ Beschwerden?

Katrin Andruschow: Wie unser Test gezeigt hat, sind Versandapotheken bei der Beratung von sensiblen Themen nicht besser als Vor-Ort-Apotheken. Im Gegenteil, gleich sieben Versandapotheken haben bei der Beratung unserer Testkundin zu einem Inkontinenz-Problem vollkommen versagt, obwohl die Produkte wie Einlagen zu ihrem Sortiment gehören und sich das Telefon für eine anonyme Beratung eignet.

peter: Ist die Gewinnmarge bei Online-Apotheken anders als in den herkömmlichen Apotheken?

Carl-Friedrich Theill: Die Gewinnmargen können individuell gestaltet werden. So sind sie sicherlich an den Umsatz gekoppelt. Wenn man beispielsweise an Saisonprodukte wie Grippemittel denkt, hier gibt es eine Gestaltungsmöglichkeit für den Verkäufer.

Wechselwirkungen von Medikamenten müssen sitzen

Moderator: Viele User wünschen sich eine bessere Beratung in Apotheken. Dazu stellvertretend diese Frage:

RoadRunner: Wie können Mindestqualitätsstandards geschaffen werden? Muss das Apothekenpersonal sich regelmäßig fortbilden?

Katrin Andruschow: Apotheker und Apothekerinnen sollten sich regelmäßig fortbilden. Dazu gibt es auch Angebote der Apothekerkammern und der Apothekenkooperationen, in denen die Apotheker Mitglied sind. Beratungsstandard sollte es aus unserer Sicht sein, dass Computerprogramme, die in den Apotheken vorhanden sind, genutzt werden, um beispielsweise die Wechselwirkung von gewünschten Medikamenten zu prüfen. Nicht jede Wechselwirkung steht im Computerprogramm, z.B. nicht die zwischen rezeptpflichtigen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Aber diese Wechselwirkung sollte der ausgebildete Pharmazeut auch ohne ein entsprechendes Programm erkennen können.

Wenn das Apothekenpersonal unsicher ist

Hoetvillter: Woran erkenne ich, ob eine Apotheke eine ordentliche Beratung anbietet? Sollten Zertifikate eingeführt werden, die kompetente Beratung ausweisen?

Katrin Andruschow: Es gibt Apotheken, die mit einem Qualitätsmanagementsystem arbeiten und kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Qualität arbeiten. Diese Qualitätsmanagementsysteme sind für den Kunden aber nicht sichtbar (z.B .in Form eines Zertifikates) und auch nicht immer eine Garantie für eine gute Beratungsqualität im Einzelfall. Deshalb ist unser Rat an den Kunden, aktiv Wechselwirkungen z.B. zu hinterfragen und wenn deutlich wird, dass z.B. Computerprogramme nicht genutzt werden – oder wenn zu spüren ist, dass das Apothekenpersonal unsicher ist in der Beratung – auch eine weitere Apotheke aufzusuchen und dort ebenso um Rat zu fragen.

Den Apotheker fragen

Captain Amer: Wie kann ich den Apotheker auf seine Kompetenz testen?`Welche gewiefte Frage kann ich ihm stellen, um rauszukriegen wie gut er ist?

Carl-Friedrich Theill: Es gibt sicherlich nicht die eine Frage mit der man die Qualität eines Apothekers und seines Personals prüfen kann. Man kann sich an den Test-Fragen orientieren, die wir verwendet haben. Es hat uns auch erstaunt, dass z.B. die Frage nach Wechselwirkung durch Johanniskraut-Präparate falsch beantwortet wurden, obwohl sie schon zum Standardrepertoire gehört und in unserem letzten und vorletzten Test auch schon vorgekommen ist. Es geht darum, das Personal aktiv nach Wechselwirkungen zu fragen und den Satz „Fragen Sie den Arzt oder Apotheker“ ernst zu nehmen, und auch den Arzt einmal zu fragen. Auch sollte man sich im Vorfeld informieren, um die richtigen Fragen stellen zu können. Hier bietet die Stiftung Warentest unter www.medikamente-im-test.de gute Informationsmöglichkeiten.

Hoetvillter: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“? Grenzt dieser Satz angesichts Ihrer Testergebnisse nicht an versuchte Körperverletzung?

Katrin Andruschow: Der Pharmazeut bleibt der Ansprechpartner bezüglich der Wechselwirkungen von Medikamenten und deren Nebenwirkungen. Ein Arzt kann Auskunft geben bezüglich der Medikamente, die er verschreibt und die sein Fachgebiet betreffen – aber nicht alle Wechselwirkungen zwischen Medikamenten aus verschiedenen Fachgebieten prüfen und kennen. Darüber hinaus kombinieren viele Menschen rezeptpflichtige Medikamente mit rezeptfreien Medikamenten und konsultieren diesbezüglich nicht den Arzt. Deshalb bleibt die Verantwortung des Apothekers, hier eine fachlich richtige Auskunft zu geben. Und es bleibt in der Verantwortung des Kunden, das Zusammenwirken der Medikamente, die er einnimmt, prüfen zu lassen.

quacksalber: Sollte ich auf einer Beratung durch einen Apotheker bestehen oder schneiden die PTAs auch nicht besser / schlechter ab?

Katrin Andruschow: Die Beratungsqualität ist unabhängig davon, ob der Apotheker selber berät oder eine Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA). In unseren Testfällen haben wir festgestellt, dass sowohl Apotheker als auch PTAs richtig oder falsch beraten. Insofern bleibt der Rat: Wenn zu spüren ist, dass eine unsichere Antwort gegeben wurde, diese Frage in einer anderen Apotheke noch einmal zu stellen.

Allein um dem Preis geht es in der Apotheke nicht

Emilio: Wenn die Apotheker schon so mies sind: Sollte man den Medikamentenhandel nicht völlig liberalisieren, um den Konkurrenzkampf zu erhöhen?

Carl-Friedrich Theill: Das wäre sicherlich der falsche Weg und auch die falsche Idee. Unabhängig davon, dass dies eine politische Frage ist, mit der sich die Stiftung Warentest nicht beschäftigt, muss festgestellt werden, dass Medikamente eine beratungsintensive Ware sind, keine Ware wie jede andere, und dass es gerade die Aufgabe und Pflicht des Apothekers und seines Personals ist, darüber zu informieren. Diese Informationen sollen dem Patienten nützlich sein und Schaden abwenden. Es geht also keinesfalls darum, nur mehr oder minder preiswert etwas zu verkaufen.

fritz: Was ist bei Re-Importen zu beachten?

Katrin Andruschow: Reimporte sind Arzneimittel, die in Deutschland hergestellt wurden, ins Ausland exportiert und dann wieder eingeführt wurden. Sie sind im Schnitt im Preis günstiger als die Originalprodukte, was auf die unterschiedlichen Preisniveaus der EU-Länder zurückzuführen ist. Re-Importe gibt es sowohl in Vor-Ort-Apotheken als auch in Versandapotheken und sind für den Kunden nicht immer zu erkennen. Insofern hat der Kunde eine geringe Handhabe, um zu prüfen, ob es sich möglicherweise um eine Medikamentenfälschung handelt. Das heißt, hier ist von staatlicher und pharmazeutischer Seite sicherzustellen, dass der Reimport ordnungsgemäß funktioniert. Zuweilen kann man Geld sparen, wenn man gezielt nach Reimporten fragt.

Zahl der Apotheken ist leicht gestiegen

Michel Voss: Köln-Mülheim, Frankfurter Str.: Ein Kilometer, zehn Apotheken; Wäre es nicht besser, diese würden sich mehr im Stadtviertel verteilen, so wie aktuell bei den Haus-Ärzten zumindest in Ansätzen kleinräumigere Zulassungsbezirke diskutiert werden?

Carl-Friedrich Theill: Diese Frage schematisch zu lösen, würde nicht unbedingt zu einem besseren Ergebnis der Information oder Versorgung der Patienten und Kunden führen. Natürlich siedeln sich Apotheken gern dort an, wo viel Laufkundschaft ist und die Umsatzerwartungen erfüllt werden können. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor in Wohnbezirken kleinere Apotheken. Das große Apothekensterben, das wegen der wachsenden Konkurrenzsituation immer wieder an die Wand gemalt worden ist, ist bislang nicht eingetreten. Die Zahl der Apotheken ist in Deutschland konstant geblieben und sogar leicht gestiegen.

Stavro: Gibt es eine Preisbindung/Maximalpreise für Apotheken?

Katrin Andruschow: Die Preisbindung bei rezeptfreien Medikamenten ist seit 2004 in Deutschland aufgehoben, das heißt jeder Inhaber einer Apotheke kann den Preis selber festlegen und muss sich nicht an die Preisempfehlung des Herstellers halten. Bei unserem Preisvergleich haben wir festgestellt, dass die Preisflexibilität dahin geht, die Medikamente unter dem Herstellerpreis anzubieten, aber auch in einigen seltenen Fällen das Medikament über dem Herstellerpreis abgegeben wird.

Nacht- und Wochenendnotdienste funktionieren

Anonymous: Mit welchen Auswirkungen müssen wir langfristig, bei weiterem Umsatzzuwachs der Versandapotheken, in Bezug auf die örtliche Apothekenabdeckung und vor allem auch in Bezug auf die Sicherstellung von Nacht- und Wochenendnotdiensten der Apotheken rechnen?

Katrin Andruschow: Seit 2004 besteht die Möglichkeit, in Deutschland für jeden Apotheker eine Versandhandelserlaubnis zu bekommen. Über 2000 Apotheker haben dies bisher in Anspruch genommen. Jedoch: Nur ein geringer Teil betreibt dies im marktrelevanten Umfang. Bisher hat sich gezeigt, dass der Versandhandel keine Auswirkung auf die Apothekenabdeckung in Deutschland hat. Wir haben ca. 21.600 Apotheken in Deutschland. Diese Zahl ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren relativ konstant. Die Sicherstellung des Nacht- und Wochenendnotdienstes wird nach wie vor primär über die Vor-Ort-Apotheken abgedeckt, wobei auch einige Versender ein Nottelefon bereithalten. Dies ist aber eher die Ausnahme.

Zima: Ich kenne mich mit Versandapotheken nicht so aus – ruft man dort zur Beratung an oder schreibt eine Mail?

Katrin Andruschow: Bei den Versandapotheken kann man in unterschiedlicher Form Kontakt aufnehmen. Ich kann über das Internet eine Bestellung aufgeben, kann dies aber auch per Post oder per Fax tun. Bei Rezepten muss ich den Postweg wählen, um das Originalrezept an die Versandapotheke zu schicken. Nur bei wenigen Versandapotheken ist es notwendig, diese Bestellung auch online zu dokumentieren. Wenn eine Beratung gewünscht wird, sollte ich die Versandapotheke telefonisch kontaktieren. Eine gute Versandapotheke sollte die telefonische Beratung deutlich sichtbar auf ihrer Website anbieten. Das ausschließliche Angebot einer Email-Beratung halten wir für nicht ausreichend.

Zwei Drittel aller Apotheken sind in Kooperationen

Huraa: Was halten Sie von Apothekenkooperationen? Sind die preislich besser oder schlechter als Einzelkämpfer?

Katrin Andruschow: Zwei Drittel aller Apotheken in Deutschland sind inzwischen Mitglied in Apothekenkooperationen, jedoch nicht alle verbinden damit gegenüber dem Kunden einen Qualitätsanspruch. In unserem Test waren Apotheken einbezogen, die Mitglied in solchen Kooperationen sind, dies über die Nutzung eines Markenlogos deutlich machen und damit auch bestimmte Qualitätsansprüche verbinden. Der Test hat gezeigt, dass die Mitgliedschaft in solchen Kooperationen bisher noch keine Auswirkungen auf die fachliche Qualität hat, das heißt, der Inhaber einer Apotheke und sein Personal stehen immer noch für die fachliche Qualität. Bezüglich der Preisgestaltung haben wir hingegen festgestellt, dass Apothekenkooperationen hier etwas am Markt bewegen. So wurden bei unserem Preisvergleich in easy-Apoptheken und farma-plus-Apotheken Medikamente fast immer unter dem Herstellerpreis abgegeben und auch in DocMorris-Apotheken und Guten-Tag-Apotheken wurden die Medikamente häufig unter dem Herstellerpreis angeboten.

VicodinJunkie: Wie kann ich eine Apotheken-“Kette“ erkennen? Welche gibt es?

Katrin Andruschow: Es gibt in Deutschland keine Apotheken-“Ketten“, d.h. auch wenn der Apotheker Mitglied in einer Kooperation ist, bleibt er rechtlich eigenständig. Ob er Mitglied in einer Apothekenkooperation ist, die auch bestimmte Qualitätsansprüche gegenüber dem Kunden formuliert, kann ich daran erkennen, ob er mit Markenelementen in seiner Apotheke arbeitet, zum Beispiel ob von der Apothekenkooperation ein Logo im Schaufenster zu erkennen ist, ein Aufsteller in der Apotheke steht oder Werbemittel wie Tüten etc. genutzt werden.

Einfache Testfragen nicht beantwortet

Otto: Welches Ergebnis hat Sie im Test besonders erstaunt?

Carl-Friedrich Theill: Uns hat erstaunt, dass nach wie vor so häufig Wechselwirkungen nicht erkannt und benannt wurden. Man muss dazu sagen, dass unsere Testmodelle nicht besonders schwer waren. Dass beispielsweise Johanniskraut die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinträchtigen kann, ist heute auch vielen Laien bekannt. Wir haben auch diese Frage in den beiden zurückliegenden Tests schon gehabt und jeder Apotheker und sein Personal hätte sich für die Zukunft vorbereiten können. Dies ist nicht geschehen und es wurden keine konkreten Auskünfte gegeben, obwohl dies notwendig gewesen wäre. Dies hat uns sehr überrascht. Wir werden in Zukunft sehen, ob sich die Situation verbessert oder ob man bei diesem Mangel verharrt.

Alfred: Wann werden Sie das nächste Mal Apotheken testen?

Katrin Andruschow: Über den Zeitpunkt unserer Tests geben wir grundsätzlich keine Auskunft, denn wir testen im Sinne des Verbrauchers ja verdeckt. Die Apotheken sind jetzt gerade im Fokus gewesen, wir werden den Markt und die Qualitätsentwicklung weiter beobachten – und werden zu gegebener Zeit entscheiden, ob wir einen neuen Apothekentest durchführen.

legolas: Wie haben die Apotheken eigentlich auf Ihren Test reagiert?

Katrin Andruschow: Die Apotheken haben sehr unterschiedlich auf den Test reagiert. Wir werden wie nicht nur bei diesem Test nach der Veröffentlichung der Ergebnisse vielfach mit der Frage konfrontiert, wo es im Einzelnen im Argen lag, um Qualitätsverbesserungen herbeizuführen. Es gibt aber auch Reaktionen, wo der Test und seine Methodik in Frage gestellt wird. Beiden Anfragen stellen wir uns.

Karl: Was sagen Sie zu der Kritik von Seiten des Apotheker-Verbands, der Ihnen ein unwissenschaftliches Vorgehen vorwirft?

Katrin Andruschow: Wir haben das so nicht gehört. Eine solche Reaktion des Apotheker-Verbandes ist uns nicht bekannt. Nach unserem vorangegangenen Test hat sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände intensiv mit den Ergebnissen beschäftigt und unsere kritischen Ergebnisse auch zum Anlass genommen, weiter an Qualitätsverbesserungen in Apotheken zu arbeiten. Eine unwissenschaftliche Arbeitsweise kann der Stiftung nicht vorgeworfen werden. Wenn die Kritik dahin geht, dass unsere Untersuchung nicht repräsentativ ist, so können wir dem nur entgegnen, dass wir dies auch nie behauptet haben. Die Stiftung ist eine Verbraucherschutzorganisation und testet im Sinne des Kunden und für diesen kann jede falsche Beratung fatal sein.

Apotheker soll freundlich sein und aktiv beraten

Schütting: Was erwarten Sie von einer wirklich guten Apotheke?

Carl-Friedrich Theill: Wir erwarten von einer Apotheke, zunächst einmal eine freundliche Bedienung. Wir erwarten von ihr, dass der Apotheker und sein Personal aktiv beraten, also nicht nur auf Fragen reagieren, sondern auf den Kunden und Patienten zugehen. Im Test haben wir festgestellt, dass es z.B. schwierig ist, in Apotheken individuell beraten zu werden, weil es z.B. keine Beratungsecken gibt oder einen Diskretionsabstand, der auch Gespräche über z.B. Inkontinenzprobleme möglich machen würde. Hier ist also einiges zu tun. Darüber hinaus ist nicht überall eine Barrierefreiheit gegeben, manchmal fehlen sogar Sitzplätze. Bei der Qualität der fachlichen Beratung sind alle gefordert – auch der Kunde und Patient, der aktiv nachfragt, wenn er etwas nicht verstanden hat. Der Apotheker und sein Personal sollten nicht nur auf Fragen reagieren, sondern selbst aktiv auf den Kunden und Patienten zugehen, und sich im Übrigen durch Nachfragen vergewissern, ob alles verstanden worden ist.

Moderator: Kommen wir zur letzten Frage. Viele User halten die Preise für Medikamente in Deutschland zu hoch.

generiko: Wann werden Medikamente in Deutschland endlich billiger?

Carl-Friedrich Theill: Medikamente sind in Deutschland zum Teil schon wesentlich billiger geworden. In erster Linie betrifft das Mittel der Selbstmedikation, hier gibt es Generika, also Wirkstoff- und baugleiche Nachahmerpräparate. Es ist durchaus möglich, Schmerztabletten für wenige Cent zu erhalten und wenn man nur eine kleine Menge braucht, ist es auch nicht erforderlich, bei einer Versandapotheke ein preiswertes Mittel zu bestellen. Dies bekommt man auch in der Vor-Ort-Apotheke. Ein Problem ist die Preisgestaltung bei rezeptpflichtigen Mitteln, die noch unter Patentschutz stehen und bei Präparaten, die zu den sogenannten Innovationen gehören und hierzulande recht teuer verkauft werden, auch im Vergleich zum Ausland. Hier ist die Politik gefordert und wird auf die steigenden Kosten entsprechend reagieren müssen, wie dies in zahlreichen Gesundheitsreformen auch schon geschehen ist.

Moderator: Das waren 60 Minuten Expertenchat zum Thema Apotheken. Vielen Dank an alle Nutzer für die Fragen und natürlich an Frau Andruschow und Herrn Theill für die Antworten. Leider konnten aufgrund der Kürze der Zeit nicht alle Fragen gestellt werden, dafür bitte ich um Verständnis. Bis zum nächsten Chat mit dem Team der Stiftung Warentest!

Aktueller Test: 27 Vor-Ort-Apotheken und 23 Versandapotheken

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