Chance für unglücklich Versicherte Meldung

Wer sich vor dem Jahresende wegen der Steueränderungen noch schnell zum Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung hat überreden lassen, kann oft noch vom Vertrag zurücktreten. Eine Gesetzesänderung machts möglich: Oft lässt sich der Vertrag noch bis zu ein Jahr nach Zahlung der ersten Prämie verlustfrei rückgängig machen. test.de erklärt, wie Widerspruchs- und Rücktrittsrecht funktionieren.

Bis zu 30 Tage Frist

Für Versicherungsverträge generell gilt: Der Versicherte kann bis 14 Tage nach Erhalt aller Unterlagen Widerspruch einlegen. Bei Lebens- und Rentenversicherungsverträgen beträgt die Frist jetzt sogar 30 Tage. Wenn der Versicherer nicht korrekt auf das Widerspruchsrecht hingewiesen hat, bleibt noch mehr Zeit. Die Frist beginnt erst zu laufen, wenn alle Unterlagen samt einer Belehrung über das Widerspruchsrecht vorliegen. Spätestens ein Jahr nach Zahlung der ersten Prämie allerdings ist der Vertrag nicht mehr angreifbar. Einzige Ausnahme: Wenn bei Vertragsschluss bereits alle erforderlichen Unterlagen und Belehrungen vorlagen, gibts kein Widerspruchsrecht. Aber das dürfte selten sein.

Belehrung ist Pflicht

Folgende Unterlagen müssen vorliegen, bis die Frist für den Widerspruch beginnt:

  • der Versicherungsschein.
  • die Versicherungsbedingungen und vollständige und richtige Verbraucherinformationen nach Maßgabe des Versicherungsaufsichtsgesetzes.

Hinzu kommt: Bei Aushändigung des Versicherungsscheins muss der Versicherer den Kunden schriftlich auf das Widerspruchsrecht hinweisen. Die Anforderung an die Belehrung sind hoch: Sie muss klar lesbar sein und über alle wesentlichen Punkte informieren. Den Zugang sämtlicher Unterlagen beim Kunden muss der Versicherer beweisen.

Anruf reicht nicht

Folge der hohen Hürden für den Beginn der Widerspruchsfrist: Viele der kurz vor Auslaufen der Steuerfreiheit zum Jahresende abgeschlossenen Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträge lassen sich noch stoppen. Der Widerspruch ist per Brief, E-Mail oder Fax möglich. Ein Anruf genügt nicht.

Auch Rücktritt möglich

Speziell bei Abschluss einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung bleibt die Chance zum Rücktritt, wenn ein Widerspruch nicht oder nicht mehr möglich ist. 30 Tage lang gerechnet vom Vertragsschluss an kann der Versicherte vom Vertrag zurücktreten. Auch hier gilt: Die Frist beginnt nur, wenn der Versicherer korrekt über das Rücktrittsrecht informiert hat. Spätestens 30 Tage nach Zahlung der ersten Prämie allerdings erlischt das Rücktrittsrecht.

Hilfe von Verbraucherzentralen

Zusätzliche Chancen zum Stopp eines unliebsamen Vertrats können sich ergeben, wenn der Vertrag per Internet abgeschlossen wurde. Im Zweifelsfall bieten die Verbraucherzentralen Hilfe an. Ihre Versicherungsberater prüfen anhand der Vertragsunterlagen, ob und wie lange Widerspruch und Rücktritt noch möglich sind und es sonst Chancen gibt, den Vertrag noch zu stoppen. Auch gerichtlich zugelassene Rechtsberater in Versicherungsangelegenheiten bieten diesen Service an.

Besondere Chancen durch Gesetzesänderung

Dabei bringt die Änderung der Versicherungsvertragsgesetzes noch besondere Chancen. Sie trat am Mittwoch, 8. Dezember, in Kraft. Bei vielen in den Wochen vor und nach diesem Tagen abgeschlossenen Verträgen dürften die Belehrungen über Widerspruchs- und Rücktrittsrecht falsch sein. Automatische Folge: Der Vertrag kann bis ein Jahr nach Zahlung der ersten Prämie gestoppt werden.

Zwischen Chance und Risiko

Hintergrund: Die Erträge aus bis zum Jahreswechsel abgeschlossenen Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträgen sind bei einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren steuerfrei. Bei seit Jahresbeginn unterschriebenen Verträgen müssen die auf Zinsen und Überschussbeteiligungen entfallenden Auszahlungen voll versteuert werden. Bei einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren und Auszahlung an mindestens 60-jährige ist die Hälfte der Erträge zu versteuern. Mit Hinweis auf die Steueränderung haben die Versicherer und ihre Vertreter gegen Ende des vergangenen Jahres Tausende von Verträgen unters Volk gebracht. Doch auch mit steuerfreien Erträgen sind Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträge in vielen Fällen keine gute Wahl. Ihr Pluspunkt: Das Geld ist sicher. Doch die Renditeaussicht ist mäßig und die Flexibilität gering. Banksparpläne sind genau so sicher, aber sehr viel flexibler und bieten kaum weniger Rendite. Fondsparpläne sind ebenfalls flexibel und warten je nach Fondstyp, in den investiert wird, mit mehr oder weniger hohen Renditechancen auf. Allerdings können auch Verluste entstehen.

Informationen zur Vorsorge

Hier finden Sie Informationen für die Suche nach der richtigen Vorsorge:

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