Cellulitemittel und -gerät Test

Der Traum vom wirkungsvollen Anti-Cellulite-Mittel muss weiter geträumt werden. Ohne Eigeninitiative wird sich an den ungeliebten Hubbelchen nichts ändern.

Wenn die Zeit der kurzen Röcke und Bikinis naht, steigt alljährlich auch die Nachfrage nach Anti-Cellulite-Mitteln rapide an. Denn die Cellulite, auch Matratzenphänomen, Orangenhaut oder medizinisch korrekt Dermopanniculosis deformans genannt, gehört zu den Hautveränderungen, die Frauen gern schamhaft verstecken und mühevoll zu bekämpfen versuchen. Die ungeliebten Hubbelchen und Dellen treten meist an den weiblichen Problemzonen rund um Po, Bauch und Schenkel auf. Manchmal haben bereits sehr junge, zu Übergewicht neigende Frauen Kummer mit der Cellulite. Doch mit den Jahren und schwächer werdendem Bindegewebe trifft es dann fast jede Frau. Anfangs lassen sich die Hautveränderungen nur im Kneiftest feststellen, wenn man die Haut zwischen den Fingern zusammendrückt. In späteren Jahren sind die Fettpölsterchen meist auch ohne Kneifen nicht mehr zu übersehen. Kein Wunder also, dass Frauen sehr empfänglich für alle möglichen Verfahren sind, die versprechen, der Cellulite auf die Pelle zu rücken. Die Angebote reichen von speziellen Miederhöschen und Schuhen über Wickel- oder Gleitwellenmassagen bis hin zu den Anti-Cellulite-Mitteln, die die Kosmetikindustrie für ihre weibliche Kundschaft bereithält. Jedes Jahr aufs Neue preisen die Anbieter „innovative“ Produkte an, als Creme, Gel, Serum oder Spray – oft in ganzseitigen Anzeigen, häufig mit wissenschaftlich-bedeutsamem Tenor.

In der Vergangenheit brachten unsere Tests von Cellulitemitteln nur enttäuschende Ergebnisse. An den typisch weiblichen Wellen und Dellen änderte sich auch nach wochenlanger Behandlung nichts. Deshalb urteilten wir auch durchweg „mangelhaft“. Doch die Angebote ändern sich und wir waren neugierig, ob mittlerweile nicht vielleicht doch ein Kraut gegen Cellulite gewachsen ist. So nahmen wir jetzt erneut sieben Anti-Cellulite-Mittel in die Testmangel, zusätzlich ein spezielles Massagegerät von Philips. Billig sind die Produkte nicht. Sie kosten pro 100 Milliliter zwischen 5,50 (L`Oréal) und 23 Euro (Galénic). Das Massagegerät bekommt man für 80 Euro.

Es hat nicht gewirkt

Und wieder mussten wir ernüchtert feststellen: Weder Creme, Gel, Serum oder Spray noch das Massagegerät haben einen positiven Einfluss auf die welligen Pölsterchen. Nach wie vor gilt: Schlanker wird nur das Portmonee. Dabei klingt die Werbung der Anbieter so verheißungsvoll. Alle versprechen einen Effekt auf das weibliche Fettgewebe, Dior nennt sein Anti-Cellulite-Spray gar „Appetitzügler für die Fettzellen“. Darüber hinaus wird zum Beispiel mit „innovativen Wirkstoffkomplexen“ geworben, mit „aktivem“ Koffein, Mäusedorn oder natürlichem Apfelbaum-Extrakt. Und manchmal soll eine Verbesserung der Orangenhaut schon nach 14 Tagen sichtbar sein. Leider Fehlanzeige.

Auch wenn jede Firma auf ihr ganz spezielles Geheimrezept zur Verschönerung des weiblichen Hautbildes schwört, gemeinsam ist diesen Produkten oft, dass sie Koffein enthalten. Diese Substanz unterstützt vermeintlich den Abbau von Gewebswasser und kann nach Einschätzung von Medizinern die Durchblutung leicht fördern. Und gut durchblutete Haut wirkt straffer. Dieser Effekt ist allerdings genauso gut auch mit Wechselduschen oder regelmäßigen Bürstenmassagen zu erreichen.

Gekniffen und gemessen

Alle Testerinnen waren zwischen 30 und 50 Jahre alt und hatten an den Oberschenkeln zumindest im Kneiftest deutlich sichtbare Cellulite. Zu Beginn des Tests mussten sie eine gründliche Anamnese über sich ergehen lassen. Die Testleiterinnen und ein Hautarzt begutachteten die Schenkel im Kneiftest und maßen den Umfang.

Die Testerinnen verpflichteten sich, während der Prüfungen ihre Lebensgewohnheiten und sportlichen Aktivitäten sowie ihr Essverhalten unverändert beizubehalten. Acht Wochen lang erprobten sie dann die Mittel beziehungsweise das Gerät zu Hause. Jeweils 20 Frauen nahmen dabei ein Produkt unter die Lupe, natürlich stets genau die jeweiligen Anbieterempfehlungen beachtend. Ohne dass sie es wussten, prüften sie dabei auch die Wirkung eines Placebos mit, einer Standardemulsion mit guten hautpflegenden Eigenschaften, die aber keinerlei Einfluss auf Cellulite verspricht.

Zwei Monate später kamen die Probandinnen wieder ins Prüfinstitut. Dort wurden sie erneut begutachtet, vermessen und befragt. Testleiterinnen, Hautarzt und die Probandinnen selbst beurteilten das Hautbild und die Cellulite aufs Neue. Aus all diesen Einzelparametern setzte sich das Urteil für die Wirksamkeit gegen Cellulite zusammen.

Wie bereits gesagt, die Beurteilungen waren keine Empfehlung für die Produkte: Die Testerinnen kamen durchweg zu dem Ergebnis, dass die Anti-Cellulite-Mittel keinen oder kaum nennenswerten Einfluss auf die Cellulite haben. Stellten sie überhaupt einmal eine positive Veränderung fest, bekam oft das wirkstofffreie Placebo ebenso gute Noten. Manchmal wurde es sogar als besser empfunden als das Spezialprodukt.

Auch wenn sich manche Haut nach der wochenlangen Pflege mit Gel, Creme, Spray oder Serum glatter, also gepflegter anfühlte, der eindeutige Tenor der Abschlusskommentare nach der zweimonatigen Anwendungsphase lautete: „Keine Wirkung auf die Cellulite“.

Wenig Tröstliches

Zu diesem Ergebnis kamen auch die Testleiterinnen und der Hautarzt, die das Hautbild vorher und nachher begutachteten. Ihr Fazit: Ein wirkungsvoller Angriff auf das Zentrum der Cellulite, die vergrößerten Fettzellen und das weibliche Bindegewebe, findet nicht statt.

All diese negativen Beurteilungen führten zu „mangelhaften“ test-Qualitätsurteilen für die geprüften Produkte. Wobei wir die Anforderungen gewiss nicht zu hoch schraubten. Niemand rechnete damit, dass die Cellulite völlig verschwinden würde. Aber auch die versprochene Milderung oder Verbesserung der Dellen und Wellen blieb aus.

Hautärzte wird das schlechte Testergebnis nicht verwundern. Sie haben zum Thema Cellulite wenig Tröstliches beizusteuern und bezweifeln von jeher, dass der Orangenhaut mit äußerlich angewandten kosmetischen Methoden beizukommen ist.

Angenehm eingecremt

Auch wenn die Mittel gegen Cellulite nicht helfen, in der Anwendung bekamen sie durchweg „gute“ Noten. Im Allgemeinen gefielen unseren Testerinnen Konsistenz, Verteilbarkeit und Einzugsvermögen, genauso das Hautgefühl nach dem Eincremen. Nur bei dem Produkt von Roc kritisierte manche Probandin den „medizinischen“ Geruch.

In der Anwendungsprüfung kamen auch mögliche unangenehme Nebenwirkungen der Behandlung zur Sprache. Doch die Testerinnen hatten an der Verträglichkeit der Mittel wenig auszusetzen. Kurzfristige Hautrötungen waren die Ausnahme. Dermatologisch relevante Reaktionen traten nicht auf.

Doch gute Anwendungseigenschaften und Verträglichkeit sind zweitrangig, wenn die Mittel nicht die Erwartungen erfüllen, die beim Kauf erweckt werden. Und die hautpflegende Wirkung, die man den Cellulitemitteln nicht absprechen kann, ist auch mit jeder guten Creme oder Körperlotion zu erreichen, oft sogar deutlich preiswerter.

Maschinell massiert

Das Massagesystem Philips beauty Cellesse verspricht ebenfalls, die Cellulite zu verringern. Das 80 Euro teure Gerät saugt die Haut mithilfe eines Vakuums an und walkt sie dann durch. So soll Gewebsflüssigkeit, die sich in den Cellulitebereichen staut, in Bewegung geraten und über die Lymphbahnen und den Blutkreislauf abtransportiert werden. Eine Wirkung auf die Ursachen der Cellulite, die vergrößerten Fettzellen und das schwache Bindegewebe, war auch hier nicht festzustellen. Die Anschaffung dieses Geräts kann man sich also ebenfalls sparen.

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