Cellulite Meldung

Gegen Krater auf Schenkeln, Hüfte und Po ist kein Kraut gewachsen. Also vergessen Sie Anti-Cellulite-Produkte. Nur Selbstdisziplin macht ein Rubensgesäß zum Apfelpo.

Im Winter in warme Gewänder gehüllt, von der Heizungsluft ausgetrocknet und vom Sitzen erschlafft, bringen die ersten Sonnenstrahlen sie gnadenlos an den Tag: Cellulite, auch Orangenhaut oder Matratzenphänomen genannt. Wie bei einer Federkernmatratze machen sich Hubbel und Dellen bemerkbar. Doch auf der eigenen Haut sind sie ein echtes Ärgernis.

Im Frühjahr, wenn Röcke und Bikinis locken, haben Anti-Cellulite-Produkte wieder Hochkonjunktur. Aber wer sich von Spezialcremes, Reizstrom oder Body-Wrapping (Körperwickel) eine Pfirsichhaut verspricht, der ist schief gewickelt. Hautärzte sind sich einig: Solche Werbeversprechen sind einfach zu hoch gegriffen.

Angepriesene Wundermittel haben allenfalls einen Kurzzeiteffekt. Gele und Fluids sollen durchbluten und entwässern. Schmaler wird nur der Geldbeutel, als Pflege ersetzt einfache Bodylotion durchaus teure Anti-Cellulite-Cremes. Softlaser, Tiefenwärme oder Lichttherapie geben vor, den Organismus in Schwung zu bringen und Fett zu schmelzen. Aber Achtung: Manche Methode sorgt eher für Krampfadern oder Besenreißer als für die Traumfigur.

Eines ist allen gemein: An das Zentrum der Cellulite, die großen Fettkammern, kommen sie nicht heran ­ so die einhellige Meinung der Dermatologen. Auch die Ergebnisse der Stiftung Warentest bestätigen: Weder Cremes noch Massagegeräte machen aus einer Orange einen Pfirsich. Selbst Monika Ferdinand, Vorsitzende des Bundesverbands deutscher Kosmetikerinnen, spricht nur von einer unterstützenden Wirkung. "Gesunde Ernährung, viel Bewegung, frische Luft", nennt sie die Erfolgsformel für glattere Haut. In dieser Beziehung sind sich Kosmetiker und Dermatologen einig.

Gemeiner Kneiftest

Nahezu 100 Prozent aller Frauen haben mehr oder weniger stark ausgeprägte Cellulite. Nur bei extrem Schlanken ist sie kaum zu finden. Die Veranlagung wird bereits im Mutterleib durch die Ernährung bestimmt. Das fand Professor Fritz Nürnberger mit seiner Langzeitstudie für die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie heraus. Der "Urvater" der Celluliteforschung in Deutschland hat zwischen 1970 und 1980 etwa 1.000 Frauen aller Altersgruppen untersucht.

Diesem Befund stimmt auch Dr. Gisela Albrecht, Chefärztin der Klinik für Dermatologie in Berlin-Spandau, zu und tröstet: "Spätestens der Kneiftest bringt selbst bei Balletttänzerinnen Cellulite zum Vorschein." Letztlich sei alles eine Frage des gängigen Schönheitsideals. Schließlich brachte Rubens wallende Formen durchaus zum Entzücken seiner Zeitgenossen auf die Leinwand.

Wer nicht warten möchte, bis Rubensschenkel magere Models à la Kate Moss ablösen, der kann der Orangenhaut nur mit eisernem Willen und unerschöpflicher Ausdauer auf die Pelle rücken. Je weniger Cellulite zu sehen ist, desto größer die Erfolgschancen. Ob sie jemals verschwindet, ist genetisch bedingt.

Einziger Schlüssel zum Erfolg: Umstellung der Lebensgewohnheiten. Das Auto stehen lassen, auch wenn es regnet. Tee trinken, während andere mit Sekt anstoßen. Gemüse putzen, obwohl die Sahnepasta verführerisch duftet.

Das Wichtigste: Durchhalten! Sollten Sie der einen oder anderen Regel untreu werden, gönnen Sie sich doch eine schöne Creme oder eine Behandlung bei der Kosmetikerin. Denn ­ auch wenn das keinen Apfelpo zaubert ­ Balsam für die Seele ist es allemal.

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