Cellulite Test

Gibt es nun endlich etwas Wirkungsvolles gegen Cellulite? 300 Frauen haben in un­se­rem Auftrag zehn Produkte vier Wochen lang erprobt.

Eine deutliche Verbesserung von Orangenhaut nach vier Wochen verheißt das Anti-Cellulite-Gel von Christian Dior, „sicht­ba­re Ergebnisse nach 8 Tagen“ verspricht Garnier bodytonic und die Gel-Creme von Nivea trägt den Abschied von der Orangenhaut gleich selbstbewusst in ihrem Namen: „Good-bye Cellulite“.

Neue Kreationen gegen die Dellen

In jedem Frühjahr die gleiche Hoffnung, das gleiche Versprechen: Die Anti-Cellulite-Mittel mit den neuesten Inhaltsstoffen sollen nun endgültig gegen die ungeliebten Hubbelchen und Dellen wirken.

Wir wollten wissen, ob der Kosmetikin­dustrie mittlerweile der Durchbruch gelungen ist. Unser letzter Test – mit einem durchweg vernichtenden Ergebnis – liegt immerhin sechs Jahre zurück. Helfen die neuen Kreationen wirklich gegen die welligen Pölsterchen? Wir haben Gele, Gel-Cremes und ein Öl geprüft, manche mit Massageroller, andere ohne, außerdem zwei Cellulite-Geräte.

Wieder hat nichts geholfen

Doch wieder war die Enttäuschung groß: Weder Gele noch Cremes, Öl oder Spezialgeräte haben geholfen. Kein einziges Produkt hatte einen sichtbaren Einfluss auf die Cellulite. Erneut heißt es damit: test-Qualitätsurteil durchweg „mangelhaft“. Und dabei hatten unsere Probandinnen nicht einmal zu hohe Erwartungen. Niemand rechnete damit, dass die Cellulite völlig verschwinden würde. Doch auf Milderung, Reduktion oder Besserung der Orangenhaut, die durchweg versprochen wird, hatten sie schon gehofft – vergeblich.

Dabei liest es sich so eindrucksvoll, wie die Anbieter dem typisch-weiblichen Haut­phänomen auf die Pelle rücken wollen: Bei dm / Balea zum Beispiel ist es ein „Vita Kontur Komplex“, bei Dior ein „exklusiver Dermo-Ästhetik-Komplex“, bei anderen ein festigendes Figurpflege-Konzentrat, Buntnessel oder Fruchtextrakte. Jede Firma schwört auf ihr Geheimrezept zur Verschönerung der weiblichen Silhouette. Gemeinsam ist vielen, dass sie Koffein enthalten, das die Durchblutung anregen soll.

Irgendwann trifft es fast jede

Matratzenphänomen, Orangenhaut oder medizinisch korrekt Dermopanniculosis deformans – wie immer man die Cellulite (siehe Typisch weiblich) nennt, sie gehört zu den Hautveränderungen, die Frauen gern schamhaft verstecken und mühevoll zu bekämpfen versuchen. Meist treten die welligen Fettpölsterchen an den weiblichen Problemzonen rund um Gesäß, Bauch und Oberschenkel auf. Je nach Veranlagung haben manchmal schon sehr junge, dann allerdings meist übergewichtige Frauen Kummer mit der Cellulite. Doch mit zunehmendem Alter und schwächer werdendem Bindegewebe trifft es irgendwann fast jede. Anfangs lässt sich das Phänomen nur im „Kneiftest“ feststellen, wenn man die Haut zwischen den Fingern zusammendrückt. In späteren Jahren wird das Kneifen oft überflüssig, die Veränderungen sind auch so mühelos zu erkennen.

Vier Wochen im Praxistest

Die 300 Frauen, die wir zum Test baten, waren zwischen 35 und 60 Jahre alt und hatten – laut hautärztlichem Befund – deutlich sichtbare Cellulite an den Schenkeln (Stadium II und III). Die Ausgangssituation wurde auf Fotos festgehalten. Während der Prüfungen durften die Probandinnen ihre Lebensgewohnheiten, ihr Essverhalten und ihre sportlichen Aktivitäten nicht verän­dern. Über vier Wochen erprobten sie die Produkte im Praxistest an einem Oberschenkel. Immer 30 Frauen nahmen ein Produkt unter die Lupe – natürlich stets genau die Anbieterempfehlungen befolgend. Ohne dass sie es wussten, prüften sie zum Vergleich am anderen Oberschenkel ein Placebo, eine „normale“ Körperlotion, die keinerlei Einfluss auf Cellulite verspricht.

Placebo genauso gut

Vier Wochen später wurden die Testerinnen erneut hautärztlich gecheckt und fotografiert. Anhand der Vorher-nachher-Fotos sollten die Frauen ihre Einschätzung zur Ausprägung der Cellulite abgeben (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Ferner beurteilten die Probandinnen in einem ausführlichen Fragebogen Veränderungen an Hautbild und Cellulite. Das Urteil der 300 Testerinnen allerdings könnte enttäuschender nicht sein: Die Produkte hatten keinen sichtbaren Einfluss auf die Cellulite. Wurde überhaupt einmal etwas Positives bemerkt, bekam zum Teil das wirkstofffreie Placebo ebenso gute Noten. Manchmal wurde es sogar als besser empfunden als das Celluliteprodukt. Statistisch gab es keinen Unterschied.

Keine sichtbare Verbesserung

Cellulite Test

Die Cellulite hält sich in Grenzen, wenn man regelmäßig joggt oder sich anderweitig sportlich betätigt.

Auch wenn sich manche Haut nach der wochenlangen Pflege mit Gel & Co. geschmeidiger, also gepflegter anfühlte, auf die Cellulite hatte das keinen Einfluss. Zu diesem Schluss kam auch der Hautarzt, der das Hautbild vorher und nachher begutachtete: Eine sichtbare Verbesserung der Cellulite war nicht festzustellen.

Dabei waren die Testerinnen von den Anwendungseigenschaften der Mittel durchaus angetan. Geruch, Konsistenz, Verteilbarkeit und Einzugsvermögen, genauso das Hautgefühl nach dem Cremen gefielen ihnen im Allgemeinen. Auch an der Verträglichkeit gab es wenig auszusetzen. Doch was hilft das alles, wenn die Mittel nicht die vollmundig beworbenen Erwartungen erfüllen, die bei den Kunden geweckt werden?

Das fragt sich auch bei den beiden Cellulite-Geräten. Weder bei dem Reizstromgerät von ibp, das mit einem Pflaster auf der Haut befestigt wird, noch beim vibrierenden genoppten Massageroller von Lanaform ließ sich auch nur ansatzweise eine Wirkung auf die Cellulite feststellen.

Fettarm ernähren und viel bewegen

Jetzt sollte aber niemand enttäuscht aufs Sofa zurücksinken und aus Frust zur Chipstüte greifen, sondern selbst aktiv werden. Denn anerkanntermaßen helfen nur zwei Dinge, die ungeliebten Dellen in Grenzen zu halten: Bewegung und ausgewogene, fettarme Ernährung (siehe Tipps). Das gilt auch für über Vierzigjährige. Mit Disziplin und Ausdauer lässt sich so zumindest eine Verschlimmerung hinauszögern.

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