Die Auto-Kurz­zeitmiete funk­tioniert. Für Kunden stehen genug Fahr­zeuge bereit, das Buchen und Abrechnen klappt. Mängel finden sich nur im Klein­gedruckten.

Hilft Cars­haring, die Verkehrs­probleme der Zukunft zu lösen? Nein, sagt der Tüv Rhein­land, der mit zwei Part­nern eine Studie erstellt hat. Zu wenige Auto­fahrer seien bereit, auf das eigene Auto zu verzichten. Die Cars­haring-Firma DriveNow, eine Tochter von BMW, wider­spricht. Die Daten würden falsch interpretiert. In Ballungs­räumen mit einem engmaschigen Netz an öffent­lichen Verkehrs­mitteln könne Cars­haring durch­aus ein Rezept gegen den Verkehrs­infarkt sein. 37 Prozent der DriveNow-Kunden hätten ihr privates Auto abge­schafft. Auf dem Land sehe es anders aus. Dort werde das eigene Fahr­zeug „auch in fünf Jahren noch zum Alltag gehören“.

Wo Cars­haring angeboten wird, funk­tioniert es recht ordentlich. In unserem Test schneiden neun Anbieter gut ab, zwei befriedigend – wegen ärgerlicher Mängel in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen. Unsere Tester waren bundes­weit in 15 Städten unterwegs. Wir haben bei jedem Anbieter zehn Test­fahrten unternommen, zum Beispiel mit einer kurzen und einer längeren Mietdauer, wenn der Fuhr­park es ermöglicht auch mit einem Möbel­trans­port und einem Elektromobil. Zusätzlich haben wir je 30 Mal geprüft, ob für die Kunden tatsäch­lich Autos zur Verfügung standen.

Zwei Varianten

Auto öffnen. Mit der Kundenkarte. Der Auto­schlüssel liegt im Hand­schuhfach.

Als der Begriff Cars­haring aufkam, waren es vor allem Privatleute, die sich ein Auto (eng­lisch: car) anschafften und die Nutzung teilten (share). Anders die geprüften Anbieter. Sie sind Unternehmen. Sie vermieten Autos minuten- oder stunden­weise – mit so wenig Aufwand für die Kunden wie möglich. Finanziell lohnt sich Cars­haring für Menschen, die auf ein eigenes Auto verzichten und wenig fahren, nach Expertenmeinung bis etwa 5 000 Kilo­meter im Jahr.

Etabliert haben sich zwei Cars­haring-Varianten. Beim klassischen Modell stehen die Autos auf einem festen Park­platz. Nutzer holen den Wagen ab, nach der Fahrt bringen sie ihn dorthin zurück. Sie buchen über Telefon, Computer oder Smartphone-App. Eine Stunde Kleinwagen fahren kostet etwa 2 bis 5 Euro, Benzin inklusive.

Die zweite Cars­haring-Variante ist flexibler, deutlich teurer und nur in großen Städten zu finden. Eine Stunde kostet etwa 15 bis 17 Euro, Benzin und Park­kosten inklusive. Die Autos stehen irgendwo in der Stadt, frei geparkt. Das Modell heißt Free­floating. Kunden orten einen Wagen via Computer, mobile Website oder App. Nach der Fahrt stellen sie es an einem beliebigen Park­platz inner­halb des Nutzungs­gebiets ab.

Am besten beide nutzen

Beide Cars­haring-Varianten haben Vor- und Nachteile. Am besten fahren Verbraucher, die beide wechselseitig nutzen können. Das ist aber nur in Ballungs­räumen möglich. Book-n-Drive, Car2go und Stadt­mobil bieten feste Stationen und Free­floating parallel an, aber nur in wenigen Städten. Vor kurzem haben Flinkster, der größte Anbieter des Stations­modells, und der Free­floater Car2go eine Koope­ration gestartet. Kunden können nun mit einer Registrierung beide Flotten nutzen.

Kunden tanken bargeldlos auf

Wer Kunde bei einer Cars­haringfirma wird, muss meist einen Aufnahme­beitrag von bis zu 50 Euro zahlen. Stadt­mobil und Teil­auto verlangen in bestimmten Tarifen zusätzlich eine Kaution. Mit Ausnahme von Drive Cars­haring bieten alle untersuchten Unternehmen mindestens einen Tarif ohne feste Monats­gebühr an.

Ist der Nutzer angemeldet, steht der Fahrt nichts mehr im Weg – außer vielleicht ein fast leerer Tank. Das ist den Testern selten passiert und sollte auch kein Problem sein. Die meisten Cars­haring-Anbieter verlangen, dass der Fahrer tankt, wenn der Kraft­stoff­stand auf ein Viertel abge­sunken ist. „Sollte der Tank­stand mal unter 25 % fallen, kannst du das Auto mit der Tank­karte im Cock­pit nachtanken“, heißt es etwa bei DriveNow. Mit der Karte können Nutzer das Auto an Part­nertank­stellen bargeldlos auftanken. „Bitte tanken Sie nur an Shell-Tank­stellen und nur E10 Benzin“, ist bei Car2go zu lesen. Einige Anbieter bedanken sich mit Freiminuten für die Mühe. Wer das Auto mit einem zu nied­rigen Tank­stand abgibt, dem kann eine Geld­strafe drohen.

Junge sind nicht über­all will­kommen

Führer­schein-Neulinge sind nicht bei allen will­kommen. DriveNow akzeptiert Kunden erst ab dem Alter von 20, Greenwheels erst ab 24. Unter 25-Jährige können bei Flinkster und Drive Cars­haring nicht alle Fahr­zeug­typen mieten. Und Cambio verpflichtet Fahrer unter 25, die ihren Führer­schein noch keine zwei Jahre besitzen, ein Sicher­heits­paket zu buchen, das die Voll­kasko-Selbst­beteiligung auf 200 Euro senkt.

Die meisten Anbieter schi­cken ihren fahrenden Kunden alle zwei oder vier Wochen eine Rechnung, die die Kosten für jede einzelne Buchung auflistet. Beim Cars­haring mit festen Park­plätzen richten sich die Tarife meist nach Nutzungs­dauer und gefahrenen Kilo­metern. Für längere Stre­cken oder Zeiten bieten einige Vermieter güns­tigere Pauschalen an.

Die stations­unabhängigen Anbieter haben haupt­sächlich Zeit­tarife, sie rechnen pro Minute ab. Car2go bietet auch Stunden- und Tages­tarife an, längere Stre­cken werden aber teuer: Ab dem 51. Kilo­meter berechnet die Firma zusätzlich 29 Cent pro Kilo­meter. Bei DriveNow können Kunden für längere Fahrten Stundenpakete buchen: für 3, 6, 9 oder 24 Stunden.

Viele bieten Sonder­konditionen für Zeitkarten­besitzer des öffent­lichen Nahverkehrs. Studenten­tarife haben Book-n-Drive, Cambio, Citee­Car, Drive Cars­haring, Stadt­mobil und Teil­auto. Und Flinkster begüns­tigt Bahncard-Inhaber.

Gute und weniger gute Apps

Ein Auto buchen, das geht über Telefon, Computer oder – per App oder mobiler Website – über Smartphone. Greenwheels bietet nur eine App für iPhones, Drive Cars­haring gar keine. Die App von Teil­auto enttäuscht mit wenigen Funk­tionen und schlechter Karte.

Beim praktischen Test mussten wir mitunter vom Prüf­programm abweichen, weil manche Vermieter nur wenige Auto­typen bieten. Car2go hat nur Zweisitzer-Smarts, in Stutt­gart zudem nur Elektromodelle. Multicity gibt es nur in Berlin, mieten kann der Kunde ausschließ­lich Elektro­autos des Modells Citroën C-Zero. Citee­Car bietet nur zwei Fahr­zeugmodelle, Greenwheels nur drei. Beide haben keine Elektro­autos.

Meist recht nah

Auto finden. Via Computer oder App sieht der Kunde, wo freie Autos stehen.

Wenn auch nicht immer in der vorgesehenen Kategorie, waren für alle Fahrten im Test Autos verfügbar – meist recht nah, in maximal zwei Kilo­meter Entfernung. Das entspricht etwa 15 bis 20 Minuten Fußweg. Trans­porter stehen in den Flotten in der Regel seltener zur Verfügung. Da durften es im Test ein paar Kilo­meter mehr sein.

Blitzsauber waren nicht alle Autos, grobe Verschmut­zungen gab es aber selten. Auffällig viele Fahr­zeuge hatten kleine Schäden, die fast immer gemeldet waren. Im Unterschied zum voran­gegangenen Test Neun Carsharing-Flotten, test 10/2012, ließen sich diesmal alle Fahr­zeuge problemlos öffnen – meist mit der Kundenkarte, bei Car2go, DriveNow, Flinkster und Greenwheels auch über die App.

Lieber am Telefon als per Mail fragen

Wer Fragen oder Probleme hat, kann alle Cars­haring-Anbieter anrufen oder ihnen eine Mail schi­cken. Wir haben den Service getestet. Ergebnis: Am Telefon sitzen oft kompetentere Mitarbeiter, E-Mails werden nicht immer beant­wortet. Car2go und Greenwheels fallen bei der Beratung positiv auf, Drive Cars­haring negativ.

Etliche Anbieter betreiben einen Internetblog, auf dem Nutzer nach­fragen, diskutieren und Erfahrungen austauschen können. Bis auf Drive Cars­haring sind alle in sozialen Medien im Internet vertreten.

Haft­pflicht- und Kasko­versicherung

Beschädigungen. Bei Book-n-Drive müssen Kunden kleine Schäden an Blech- und Kunst­stoff­teilen nicht melden. Das heißt Faircrash und kostet 2 Euro pro Fahrt.

Straßenverkehr ist gefähr­lich, eine Haft­pflicht­versicherung, die Ansprüche von Unfall­opfern begleicht, gesetzlich vorgeschrieben. Alle getesteten Anbieter stocken die gesetzliche Mindest­deckungs­summe auf, meist auf 100 Millionen Euro. Personenschäden sind aber nur mit 8 oder 15 Millionen Euro versichert.

Für Schäden am Miet­auto kommt die Voll­kasko­versicherung auf. Sie ist bei allen Stan­dard, mit unterschiedlichen Selbst­beteiligungen. Wird das Auto durch einen selbst­verschuldeten Unfall beschädigt, muss sich der Kunde mit 500 bis 1 500 Euro an den Reparatur­kosten beteiligen. Zahlt er etwa 25 bis 90 Euro im Jahr zu, kann er die Selbst­beteiligung auf 200 bis 300 Euro senken, bei einigen auch auf null – zu höheren Kosten Testergebnisse Carsharing 7/2015.

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