Ronald Koch, 37, Pressereferent: „Cars­haring ist viel komfort­abler als ein eigenes Auto. Ich nutze sechs unterschiedliche Anbieter – je nachdem, ob ein Groß­einkauf ansteht, ich mal schnell nach­hause muss oder einen Familien­ausflug ins Umland plane. Den Stress mit Reparaturen und Versicherungen spare ich mir einfach. Einziger Kritik­punkt sind die fehlenden Kinder­sitze.“

Die Zahl der Kurz­zeit-Auto­leiher ist noch klein, wächst aber rasant. Für viele, die in einer größeren Stadt leben und nicht ständig einen Wagen brauchen, ist Cars­haring eine interes­sante Alternative.

Zwei Kinder hat Ronald Koch. Er muss große Einkäufe erledigen, viele Fahrten unternehmen. Ein Auto hat er nicht. „Ich brauche keins “, sagt der 37-jährige Berliner. Viel erledigt er mit dem Rad, oder er nimmt sich einen der Leihwagen, die über­all in der Stadt zur Verfügung stehen. Bei sechs Cars­haring-Anbietern ist er registriert. „Ich finde es spannend, je nach Bedarf die verschiedensten Autos zu testen. Den Stress mit Reparaturen und Versicherungen erspare ich mir einfach.“ Und Geld spart er als Wenigfahrer auch.

Immer mehr Deutsche denken ähnlich und entscheiden sich für Cars­haring. „Mehr als 750 000 Fahr­berechtigte setzen mitt­lerweile auf Nutzen statt Besitzen“, teilte der Bundes­verband im Februar mit. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen enormen Zuwachs von rund 67 Prozent. Was Ende der acht­ziger Jahre bescheiden begann, entwickelt sich zur Massenbewegung – vor allem in Ballungs­zentren mit ausgebautem Nahverkehrs­netz, ordentlicher Fahr­radinfrastruktur und dadurch einfach zu erreichenden Miet­stationen.

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Station, Straße und privat

Große Anbieter wie Flinkster, Car2go oder DriveNow verfügen allein schon über jeweils etwa 250 000 Nutzer. Das ergab eine Umfrage von test bei großen Cars­haring-Unternehmen. Ihre Preise und Gebührenmodelle unterscheiden sich teil­weise deutlich, ebenso Buchung und Abrechnung Tabelle: Große Carsharing Anbieter. Als einzige hat sich die Solinger Firma Drive Cars­haring geweigert, unsere Fragen zu beant­worten. Die Daten in der Tabelle stammen aus ihrem Internet­auftritt.

Auch Privatbesitzer verleihen ihre Autos gegen Geld und bedienen sich dabei der Dienst­leistung professioneller Platt­formen. Drei Cars­haring-Vermittler von Privat­autos haben wir ebenfalls nach ihren Konditionen gefragt. Alle drei arbeiten nach dem gleichen Prinzip und zu ähnlichen Bedingungen Tabelle: Vermittler von Privatautos.

Cars­haring – zu Deutsch etwa Auto­teilen oder Gemein­schafts­auto – hat sich in drei Varianten etabliert. Das älteste Modell funk­tioniert mit festen Stationen, bei denen sich Nutzer meist stunden­weise ein Auto leihen.

Neuer Markt für Auto­bauer

Auf der Suche nach Zukunfts­märkten hat die Auto­industrie Free-Floating erfunden. Bei Free-Floating werden die Wagen irgendwo auf der Straße aufgenommen und wieder abge­stellt. Der Nutzer ortet sie übers Smartphone oder Tablet. Abge­rechnet wird allein nach Zeit. Benzin und Park­kosten sind inklusive. Die Anbieter beschränken sich bei diesem Modell jeweils auf nur einen oder wenige Fahr­zeug­typen.

Die 24-jährige Huong Bui findet das vor allem nachts praktisch, „wegen der gruseligen Bahn­fahrten“ nach­hause. Oder auf Stre­cken, bei denen sie in der Stadt mit Bus und Bahn oft umsteigen müsste. „Heute bin ich viel mobiler als früher und nehme mir ein Auto, wann ich es will“, sagt sie.

Ab 29 Cent pro Minute

Free-Floating hat dem Cars­haring zu einem deutlichen Aufschwung verholfen. Pionier war Daimler. Im Jahr 2008 startete das Unternehmen zusammen mit dem Auto­vermieter Europcar in Ulm das Projekt Car2go mit zweisitzigen Smarts. Heute fahren die Fahr­zeuge in acht Städten, meist zum Minuten­preis von 29 Cent – 2 Cent güns­tiger als noch Anfang des Jahres.

Konkurrent BMW hat 2011 in Koope­ration mit der Auto­vermietung Sixt mit einem nahezu gleichen Projekt nachgezogen. Ihr Cars­haring-Angebot heißt DriveNow. Die Auswahl an Fahr­zeug­typen ist größer als bei Car2go. Den Kunden stehen verschiedene Mini- und BMW-Modelle zur Verfügung. Eine Minute kostet ab 31 Cent, Stand­zeiten beim Parken zwischen­durch sind billiger als bei der Konkurrenz.

Drei weitere Auto­bauer mischen mit einem teil­weise eng begrenzten Cars­haring-Angebot mit: Volks­wagen ist mit Quicar nur in Hannover vertreten. Multicity von Citroen setzt ausschließ­lich auf Elektro­autos und ist nur in Berlin unterwegs. Ford-Cars­haring macht beim traditionellen Teil­geschäft mit festen Ausleih­punkten mit. Ford koope­riert mit Ford-Händ­lern und mit Flinkster, dem Cars­haring-Angebot der Deutschen Bahn.

Car2go und Flinkster koope­rieren

Ab dem Sommer wollen Daimler und Flinkster Free-Floating mit einem stations­gebundenen Cars­haring verknüpfen. Kunden von Car2go und Flinkster können dann auch Fahr­zeuge des jeweils anderen Unter­nehmens nutzen. Eine doppelte Registrierung ist dann nicht mehr erforderlich. Ziel ist ein bundes­weit enges Netz mit mehr als 6 600 Autos. Dazu kommen 8 500 Fahr­räder von Call a Bike. Die Buchung soll über eine Smartphone-App möglich sein.

Tipp: In Groß­städten können Sie auch ohne einen solchen Verbund stations­gebundenes Cars­haring und Free-Floating verbinden. Doppel­mitgliedschaften müssen nicht teuer sein, denn einige Anbieter verlangen keine festen Monats­gebühren.

Flinkster mit großer Auswahl

Für Nutzer, die an unterschiedlichen Orten Kurz­zeitleiher werden möchten, ist ein großes Netz von Vorteil. Das größte bietet derzeit Flinkster. Der Cars­harer hat 351 eigene Stationen, die häufig an Bahnhöfen zu finden sind. Durch Koope­ration mit rund 20 anderen Anbietern erhöht sich die Zahl der Stationen auf 800. Flinkster-Kunden können so auf 3  100 Fahr­zeuge in 140 Städten zugreifen. Darunter sind 350 Elektrofahr­zeuge des Part­ners Multicity, die aber nur in Berlin verfügbar sind.

Neben dem bundes­weiten Tarif (Tabelle Große Carsharing Anbieter) bietet Flinkster einen Lokaltarif an: Kunden zahlen monatlich zehn Euro, dafür sind die Leih­gebühren nied­riger, die Aufnahme­gebühr entfällt.

Tipp: Wer ein Abo für den öffent­lichen Nahverkehr hat, bekommt vieler­orts Sonder­konditionen. Fragen Sie danach.

In mehr als 100 Städten

Koope­rationen sind beim Cars­haring an der Tages­ordnung. So arbeiten beispiels­weise Cambio und Stadt­mobil seit Jahren zusammen. Zudem sind sie mit vielen weiteren Anbietern im Bundes­verband Cars­haring verbunden. Kunden können so über das Internet fast 4 500 Autos in mehr als 100 Städten in Deutsch­land buchen. Die Cambio-Gruppe ist regional organisiert. Privatkunden können zwischen vier Tarifen wählen. Stadt­mobil ist ein Zusam­menschluss von sieben Regionalanbietern mit jeweils unterschiedlichen Tarifen (Preise in der Tabelle gelten für Berlin).

Tipp: Sie suchen ein Angebot in Ihrer Nähe? Sie finden es im Internet unter www.carsharing.de/cs-standorte.

Bei Greenwheels erst ab 24 Jahre

Einen guten Eindruck machte in unserem Test von Cars­haring-Anbietern Greenwheels, zum Beispiel beim tech­nischen Zustand der Autos Neun Carsharing-Flotten im Test, test 10/2012. Das nieder­ländische Unternehmen beschränkt sich jedoch auf nur zwei Fahr­zeug­typen: VW Up und Golf Variant. Und im Unterschied zu den Wett­bewerbern, die meist ein Mindest­alter von 18 Jahren verlangen, kann man bei Greenwheels erst ab 24 Jahren einsteigen.

Bei Teil­Auto, einem Cars­haring-Anbieter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, können Privatkunden zwischen drei Tarifen wählen. Einsteiger und Wenigfahrer zahlen bei Teil­Auto keine Monats­gebühr, dafür höhere Zeit- und Kilo­meter­preise als Vielfahrer. Für sie beträgt der monatliche Grund­preis 30 Euro.

Citee­car auf privaten Stell­plätzen

Citee­car spielt eine Sonder­rolle. Das luxemburgische Unternehmen ist in Deutsch­land erst 2012 an den Start gegangen – mit einem neuen Konzept und starken Sprüchen: „Deutsch­lands güns­tigstes Cars­haring“. Die Autos – es gibt nur ein Modell, den Kleinwagen Kia Rio – stehen weder auf der Straße noch an einer Station, sondern bei „Hosts“. Das sind Privatpersonen, die einen Park­platz zur Verfügung stellen und für die Sauber­keit des Autos sorgen. Citee­car belohnt sie mit Frei­fahrten. Künftig sind die Autos markiert, wenn sie eine Reinigung nötig haben. Sie können dann von allen Mitgliedern gepflegt werden. Eine Reinigung soll bis zu zehn Frei­fahrts­tunden einbringen.

Ein wichtiges Thema beim Auto­fahren ist der Versicherungs­schutz. Eine Haft­pflicht, die Ansprüche des Unfall­gegners begleicht, ist gesetzlich vorgeschrieben, auch die Mindest­deckungs­summe. Viele Cars­haring-Anbieter stocken diese Summe auf, meist pauschal auf 100 Millionen Euro. Bei Personenschäden ist die Entschädigungs­leistung je nach Versicherung aber auf 8 bis 15 Millionen Euro begrenzt.

Selbst­beteiligung senken

Für Schäden am gemieteten Auto kommt die Voll­kasko­versicherung auf. Bei allen von uns befragten Cars­haring-Anbietern gehört sie zum Stan­dard, allerdings mit unterschiedlichen Selbst­beteiligungen. Wenn das Auto beschädigt wird, beispiels­weise durch einen selbst­verschuldeten Unfall, muss sich der Kunde mit 500 bis 1 500 Euro an der Reparatur beteiligen. Durch Zuzahlung von 39 bis 99 Euro im Jahr kann er den Betrag auf erträglichere 200 bis 350 Euro senken. Eine Reduzierung der Selbst­beteiligung auf null ermöglicht DriveNow – das kostet 199 Euro pro Jahr extra. Car2go und Citee­car bieten ausschließ­lich eine Reduzierung auf 0 Euro an, für 9,90 Euro pro Monat beziehungs­weise 0,75 Euro je Miet­stunde oder 7,50 Euro pro Tag.

Tipp: Nehmen Sie die Kontrolle des Autos bei der Über­nahme ernst. Gehen Sie ums Fahr­zeug und sehen Sie es sich genau an. Melden Sie Schäden über die Hotline, wenn Sie nicht dokumentierte Kratzer oder Beulen entdecken.

Welcher Dreck ist hinnehm­bar?

Cars­harer müssen sich an Regeln halten. Ein allzu laxer Umgang mit dem Gemein­schafts­auto kann teuer werden. Discountanbieter Citee­car berechnet etwa für das Nachtanken 30 Euro, wenn das Auto mit einem Tank abge­geben wird, der weniger als ein Viertel voll ist. „Auch kommen 30 Euro Strafe dazu“, beschwert sich ein Citee­car-Kunde in einem Internetblog, „wenn man mal irgend­welchen Dreck zurück­lässt. Wer entscheidet denn, welcher Dreck hinnehm­bar ist und welcher nicht?“ Gute Frage. Richt­linien für den Grad der Verschmut­zung, ab dem Kunden zahlen müssen, nennt Citee­car auch auf Nach­frage nicht.

Teure Regel­verstöße

Auch bei anderen Anbietern drohen empfindliche Geldbußen. Car2go verlangt für eine Sonder­reinigung sogar mindestens 50 Euro. Wer den Fahr­zeug­schlüssel verliert, muss 350 Euro über­weisen. Flinkster kassiert bei einer verspäteten Rück­gabe des Fahr­zeugs bis 15 Minuten 12,50 Euro, bei längerer Über­ziehung 25 Euro.

Tipp: Halten Sie die vereinbarte Rück­gabezeit möglichst genau ein. Achten Sie auf die Tank- und Park­regelungen. Gehen Sie pfleglich mit dem Auto um.

Immer der passende Wagen

Sofern sie sich weit­gehend an die Regeln halten, sparen Wenigfahrer mit Cars­haring oft eine Menge Geld Tabelle: Große Carsharing Anbieter, Kosten. Nutzen statt Kaufen eröffnet daneben weitere Möglich­keiten. Ob Kleinwagen, Familien­auto oder Trans­porter: Cars­harer können sich für jeden Einsatz­zweck das passende Fahr­zeug aussuchen – nicht bei allen, aber doch bei vielen Anbietern.

Ersetzt vier bis acht Privat­autos

Nicht zuletzt leistet Cars­haring einen Beitrag zum Klima­schutz. Das Umwelt­bundes­amt sieht es als „umwelt­freundliche Verkehrs­form“ im Verbund mit öffent­lichem Personen­nahverkehr, mit Gehen und Radfahren. Jedes Cars­haring-Fahr­zeug ersetze im Durch­schnitt vier bis acht Privat­autos. Außerdem sind die geteilten Wagen meist neu und spar­samer als die oft ange­jahrten privaten Modelle.

Immer mehr Anbieter offerieren als freiwil­lige Zusatz­leistung die CO2-Kompensation. Das Marburger Unternehmen „Einfach mobil“ gibt an, in Zusammen­arbeit mit Myclimate schon seit 2007 mit seiner gesamten Flotte klima­neutral zu fahren.

Daimler testet neues Angebot

Cars­haring wird weiter wachsen und mit ihm das Angebot. Der Auto­bauer Daimler testet seit kurzem ein Premium-Cars­haring: Car2go black. Damit können Kunden Autos der Mercedes-B-Klasse in und zwischen Städten nutzen. Car2go black steht vor­erst nur ausgewählten Kunden in Berlin und Hamburg zur Verfügung. Die Autos können sie an mehreren festen Park­plätzen aufnehmen und abgeben. Die Abwick­lung läuft komplett übers Smartphone – von der Reser­vierung übers Öffnen des Autos bis zum Mietende.

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