Sprit und Unterhalt für ein Auto werden immer teurer. Für Fahrer, die ihren Wagen selten brauchen, ist das Auto­teilen eine Alternative.

Daniel Coenen ist ein Mobilitäts-Chamäleon. „Ich habe eine Bahncard, eine Monats­karte für den Bus, ein Fahr­rad, und die Rufnummer der Taxizentrale kenne ich auswendig“, erzählt der 37-Jährige. Er kombiniert die Verkehrs­mittel nach Bedarf: in der Stadt Bus und U-Bahn, für lange Stre­cken den Zug, im Urlaub das Flugzeug. Ein eigenes Auto will er nicht. Die hohen Fixkosten wären nur ein Klotz am Bein.

Nur manchmal ist ein Pkw doch von Vorteil: die Fahrt zu Ikea, die vielen Tüten beim Groß­einkauf, sonn­tags mal raus ins Grüne. „Von Freunden ein Auto leihen geht nicht, die haben auch alle keines“, sagt der Berliner. Seine Lösung heißt Cars­haring. Bei Flinkster, einem Angebot der Deutschen Bahn, bekommt er jeder­zeit einen Wagen. Abhol­stationen gibt es in der Innen­stadt alle paar hundert Meter. So weit laufen auch Auto­besitzer zu ihrem Pkw.

Die Idee beim Cars­haring ist, dass viele Nutzer sich ein Auto teilen. So sinken die Kosten. Daniel Coenen hat vergangenen Monat gut 40 Euro bezahlt. Damit konnte er acht kurze Fahrten in der Stadt erledigen.

Vom Cars­haring profitiert auch die Umwelt. Wenn viele Nutzer sich einen Pkw teilen, werden weniger Autos gebraucht. Und weniger Fahr­zeuge parken Straßen und Plätze zu. Der Bundes­verband Cars­haring (BCS) schätzt, dass jedes seiner Autos bis zu zehn private Pkw einspart. Je nach Anbieter kommen rund 25 bis 35 Nutzer auf einen Wagen.

Cars­haring gibt es in drei Varianten:

Klassisches Cars­haring. Der Nutzer zahlt meist einen Monats­beitrag, teils zusätzlich eine einmalige Aufnahme­gebühr oder eine Kaution, zum Beispiel 500 Euro bei Statt­auto München oder 100 Euro bei teil­Auto Leipzig. Die Miete besteht aus einem Zeit­anteil und einem Kilo­meter­preis. Fast immer stehen die Wagen an festen Stationen.

Spontanes Cars­haring. Inzwischen sind auch einige Auto­hersteller wie BMW oder Daimler einge­stiegen. Sie machen es besonders einfach. Der Kunde meldet sich einmal an und kann jeder­zeit ein Auto inner­halb des Geschäfts­gebietes nutzen. Er stellt das Auto ab, wo er es zuletzt gebraucht hat. Suchen kann er es per Handy. Es gibt keine festen Stationen. Bezahlt wird nach Zeit, bei DriveNow 29 Cent pro Fahr­minute.

Privater Auto­tausch. Mehrere Internetportale bieten sich als Vermitt­lungs­platt­form für Privat-Pkw an (siehe „Privates Carsharing“).

Hohe Zuwachs­raten

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Bisher ist Cars­haring ein kleiner Markt. Während bundes­weit 42 Millionen Pkw fahren, gab es im Jahr 2011 nur rund 190 000 Cars­harer. Doch die Nach­frage wächst. Die Zahl der Nutzer beim klassischen Auto­teilen stieg letztes Jahr um 20,3 Prozent, so der BCS. Dort sind 128 Anbieter organisiert, gut 90 Prozent der Firmen, vom Ein-Mann-Betrieb bis zur Aktiengesell­schaft. Die meisten arbeiten in nur einer Stadt, teils in Kleinst­ädten, manchmal mit nur einem Auto.

Trotzdem sind ihre Kunden nicht nur daheim mobil, sondern auch in fremden Städten. Die Anbieter im BCS ermöglichen die Quernut­zung: Wer Kunde ist, kann auch die Autos aller anderen BCS-Firmen nutzen, zu deren Konditionen. So stehen bundes­weit tausende Autos bereit. Der Cars­harer kann weite Stre­cken zum Beispiel mit der Bahn fahren und am Ziel­ort ins Auto steigen.

Viele Anbieter arbeiten mit den Verkehrs­betrieben zusammen: Kunden mit Monats­karte bekommen die Autos güns­tiger. Auch für Studenten und Azubis gibt es oft Rabatt. Doch junge Leute sind nicht die Haupt­zielgruppe. Wer unter 25 Jahre alt ist oder noch nicht sieben Jahre den Führer­schein hat, bekommt bei einigen Anbietern, wie Flinkster und Drive Cars­haring, nur die Miniklasse: Autos wie Smart oder Peugeot 107, bei Drive Cars­haring auch Fiesta und Polo.

Cars­haring ist aus den Kinder­schuhen heraus und nicht mehr allein für Umwelt­bewusste oder Studenten mit kleinem Geldbeutel attraktiv. Die meisten Nutzer sind heute im besten Auto­käuferalter: Zwei Drittel sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 811 Nutzer finden das hilfreich.