Cars­haring Test

Manchem ist das eigene Auto zu teuer oder zu umwelt­schädlich. Zumindest viele Städter kommen mit Fahr­rad, Bus und Bahn bestens zurecht. Nur manchmal wäre ein Pkw doch von Vorteil – etwa wenn es zum Möbel­haus oder ins Grüne gehen soll. Eine Lösung verspricht Cars­haring.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Carsharing.

Viele Abhol­stationen in den Citys

Carsharing: Teile und spare

Beim Cars­haring teilen sich viele Nutzer ein Auto. Es ist wie ein Mietwagen für kurze Stre­cken. Meist zahlt der Kunde einen Monats­beitrag und bekommt eine Mitglieds­karte plus Geheimzahl. Damit kann er an einer Abhol­station ein Auto öffnen und losfahren. Vorher bucht er den Wagen telefo­nisch oder per Internet. In vielen Groß­städten gibt es mehrere Abhol­stationen, in den Innen­städten liegen sie oft nur wenige hundert Meter auseinander. Nach der Fahrt bringt der Kunde den Wagen an die Station zurück.

Güns­tiger als eigener Pkw

Vor allem für Wenigfahrer ist Cars­haring güns­tiger als ein eigenes Auto. Das nämlich kostet in der Gesamt­rechnung pro Kilo­meter kaum unter 40 Cent. Selbst für Kleinwagen sind 50 Cent realistischer, wie der ADAC errechnet hat. Selbst wer möglichst günstig einen älteren Gebraucht­wagen für 5 000 Euro Kauf­preis erwirbt, landet bei 5 000 Jahres­kilometern kaum unter 200 Euro pro Monat, rechnet Finanztest vor. Würde ein Cars­harer hingegen zwei Fahrten pro Woche für eine Stunde und 10 Kilo­meter machen, dazu ­jede zweite Woche eine Fahrt über 50 Kilo­meter mit bis zu fünf Stunden und außerdem jähr­lich noch vier Fahrten zu je 700 Kilo­metern übers Wochen­ende, dann käme er mit 5 140 Jahres­kilometern zum Beispiel beim Anbieter Stadt­mobil Berlin auf 156 Euro monatlich. Das wären 36 Cent pro Kilo­meter. Dabei ist der Cars­harer aber flexibel: Er kann mal eine Kleinwagen nehmen, mal eine Familien­kutsche, einen Trans­porter oder auch ein Cabrio für den Ausflug ins Grüne.

Cars­haring nichts für Dauer­fahrer

Dagegen ist Cars­haring für Leute, die regel­mäßig ein Auto brauchen – etwa für die tägliche Fahrt zur Arbeit – wegen der langen Stand­zeiten nicht attraktiv. Auch bei längerer Mietdauer sind Mietwagen oft die preis­wertere Alternative. Finanztest hat die Preise verglichen. Das Ergebnis für einen Kleinwagen ist eindeutig: Mieten ist meist güns­tiger und kostet übers Wochen­ende im Durch­schnitt um die 50 Euro. Bei einer Woche sind es rund 100 Euro.

Mobil auch in fremden Städten

Im Bundes­verband Cars­haring (BCS) sind 128 Anbieter organisiert, gut 90 Prozent der Firmen. Die meisten arbeiten in nur einer Stadt, teils in Klein­­­­städten, manchmal mit nur einem Auto. Trotzdem sind ihre Kunden nicht nur ­daheim mobil, sondern auch in fremden Städten. Wer bei einer dem BCS ange­schlossenen Firma Kunde ist, kann auch die Autos aller anderen BCS-Firmen nutzen. So stehen bundes­weit tausende Autos bereit. Der Car­sharer kann weite Stre­cken mit der Bahn fahren und am Ziel­ort ins Auto steigen. Viele Anbieter arbeiten auch mit den Verkehrs­betrieben zusammen: Kunden mit Monats­karte bekommen die Autos dann güns­tiger. Auch für Studenten und Azubis gibt es oft Rabatt. Doch junge Leute sind nicht die Haupt­zielgruppe. Zwei Drittel der Nutzer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Wesentlicher Vorteil ist Bequemlich­keit

Als wesentlichen Vorteil empfinden viele Cars­haring-Kunden, dass sie sich um fast nichts kümmern müssen. Reparaturen, Ölwechsel, Waschen, Winterreifen – das alles erledigt der Cars­haring-Anbieter. Dass mal kein Auto zu haben ist, kommt offen­bar kaum vor. „Das wäre ja auch der Super-Gau für uns“, sagt Walter Ernst, Geschäfts­führer von Stadt­teil­auto München. Ähnliches berichten andere von Finanztest befragte Anbieter und Kunden. Allerdings sollte man an Feier­tagen und an verlängerten Wochen­enden früh­zeitig buchen.

Schutz­brief für Panne und Unfall

Die Autos sind häufig neu oder neuwertig, selten älter als vier Jahre. Zur Ausstattung gehören oft Navigations­gerät und Kinder­sitz, in der kalten Jahres­zeit Winter- oder Ganz­jahres­reifen. Nach einer Panne oder einem Unfall verständigt der Nutzer die Service­zentrale, bei Unfällen zusätzlich die Polizei. Im Regelfall sind die Fahr­zeuge über einen Schutz­brief versichert, der meist das Abschleppen, einen Ersatz­wagen und sogar kostenlose Hotel­über­nachtungen abdeckt.

Auto­hersteller steigen ins Geschäft ein

Weil immer mehr junge Leute auf das eigene Auto verzichten, mischen nun auch Hersteller wie BMW, Daimler, Peugeot und VW beim Cars­haring mit. BMW und Daimler setzen auf neue Konzepte. Bei ihnen gibt es keine festen Stationen. Vielmehr sind die Autos im Stadt­gebiet verteilt. Wer eines braucht, ortet es per Smartphone, steigt ein und lässt es nach der Fahrt am Ziel stehen. Das muss allerdings irgendwo im Stadt­gebiet sein, nicht außer­halb. Dies Konzept gibt es bisher erst in Berlin, Düssel­dorf, Hamburg, München und Ulm. In Berlin hat DriveNow von Hersteller BMW insgesamt 300 Autos, Car2go von Daimler hat in Hamburg und Ulm jeweils über 300 Smarts im Einsatz. Die Preis­gestaltung ist denk­bar einfach: Abge­rechnet wird nach Minuten: 29 Cent pro Fahr­minute. 10 Cent für Park­zeiten bei DriveNow, 9 Cent bei Car2go. Darüber hinaus gibt es auch privates Cars­haring: Mehrere Internet­portale bieten sich als Vermitt­lungs­platt­form für Privat-Pkw an, zum Beispiel Auto­netzer, Nach­barschafts­auto, tamyca oder rent’n’roll.

Finanztest mit umfassenden Informationen

Finanztest hat die wichtigsten Infos rund ums Carsharing zusammengefasst und macht die Rechnung auf:

  • Finanztest sagt, wie Cars­haring funk­tioniert und für wen es sich rechnen könnte.
  • Eine Über­sicht­stabelle zeigt exemplarisch für die Städte Berlin, Köln, Leipzig, München und Münster, was Angebote – teils auch von bundes­weiten Cars­haring-Firmen – kosten, wie es mit der Versicherung aussieht und wie viele Autos zur Verfügung stehen.
  • Dazu: Berechnungs­beispiele für kurze Stre­cken, Wochen­end­ausflüge und Fahrten über eine Woche.

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