Das Stichwort: Einlagen bei Car-Sharern

Um das Kapital für neue Autos und Logistik zu bekommen, leihen sich die meisten Car-Sharing-Organisationen Geld von ihren Kunden. Das geschieht in Form einer einmaligen Einlage von 1.000 bis 1.200 Mark, die bei der Aufnahme zu zahlen ist. Die Car-Sharer versprechen, das Geld bei Ausscheiden aus der Organisation wieder zurückzuzahlen.

Doch wie unsicher die Anlage ist, zeigte sich, als Ende Oktober 2000 die Berliner StattAuto Car Sharing AG in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Mit einem Bettelbrief musste die Geschäftsführung ihre über 8.500 eingetragenen Kunden bitten, für den Weiterbestand des Unternehmens auf ihre Kapitaleinlagen zu verzichten. Immerhin kamen so über eine Million Mark zusammen, die StattAuto das Überleben bis zum Ende des Jahres 2000 sichern.

Der knapp abgewendete Zusammenbruch zeigt die Achillesferse der alternativen Autovermieter. Die Kunden bekommen für ihr Geld keine Sicherheiten. Sie müssen auf die ordnungsgemäße Verwendung der Einlagen vertrauen.

"Am sichersten ist das Geld, solange die Gemeinschaft als e.V., also eingetragener Verein organisiert ist", sagt Michael Herbst, Vorsitzender des Bundesverbandes Car-Sharing. "Die geringe Kreditwürdigkeit von Vereinen und die vorgeschriebene Kassenprüfung machen es schwer, mehr Geld auszugeben, als da ist." Bei Genossenschaften bestimmt die Generalversammlung, was im Falle finanzieller Schwierigkeiten mit den Einlagen geschieht. Das muss nicht immer zum Vorteil der Mitglieder sein. Als im März 2000 der Car Sharing Deutschland e.G. in Frankfurt/Main das Geld ausging, beschloss sie die ordentliche Liquidation - ohne die Rückzahlung des Kapitals an die Genossen, die sogar noch 10 Prozent ihrer Einlage nachschießen müssten.

Die meisten großen Autoteiler sind aber mittlerweile als GmbH oder Aktiengesellschaft organisiert und beschaffen sich ihr Geld auf dem Kapitalmarkt. Das ermöglicht ihnen zwar, bei Neukunden auf eine Einlage zu verzichten. Benachteiligt sind aber die Altkunden, ihre Einlage ist jetzt nicht mehr als ein schwach verzinster, ungesicherter Kredit, den sie im Falle einer Pleite in der Regel abschreiben müssen.

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