Wer nur gelegentlich ein Auto braucht, kann durch Auto­teilen viel Geld sparen. Aber bekommt er den Wagen auch, wenn er ihn braucht? Nicht jede Cars­haring-Firma im Test ist gut.

Pech gehabt: Da stand unser Tester vor dem Mini und kam nicht rein. Das schicke kleine Auto der Cars­haring-Firma DriveNow ließ sich nicht mehr öffnen. Alle Versuche waren vergeblich, das Schloss blieb stur. Ausgesperrt. Ausgerechnet am falschen Ort, mitten auf dem Hof einer Prüf­stelle. Da war unser Tester hingefahren, um den tech­nischen Zustand des Wagens unter die Lupe nehmen zu lassen. In dieser verfahrenen Situation musste er die Service­hotline von DriveNow um Hilfe bitten, durfte aber nicht als Tester entlarvt werden. Dass der Mini bei der Prüf­stelle stand, hätte für Miss­trauen sorgen können. Der Fahrer meisterte die Lage mit der Ausrede, dort einen Freund abzu­holen. Das klappte, er blieb als Tester unerkannt.

Neun Flotten im Test

Verdeckte Ermitt­lungen – wir nennen es „teilnehmende Beob­achtungen“ – sind typisch für Dienst­leistungs­unter­suchungen der Stiftung Warentest. Diese Methode verhindert, dass Anbieter ihre Dienst­leistung für uns „aufhübschen“. Wir schleusten unsere Tester als normale Nutzer in neun Cars­haring-Unternehmen ein.

DriveNow über­gab jeder Test­person bei der Anmeldung einen elektronischen Chip zum Öffnen der Autos: Gegen den Kartenleser an die Front­scheibe halten und schon soll sich die Fahrertür öffnen. Tatsäch­lich erwies sich die Technik nicht nur auf dem Hof der Prüf­stelle als störrisch. In zwei weiteren Fällen stand ein Tester erwartungs­froh vor schi­cken 1er BMWs und kam nicht rein. Einmal ließ sich ein Wagen nicht mehr verschließen. DriveNow landet deshalb auf einem der letzten Plätze im Test. Unterm Strich schneidet die Firma noch befriedigend ab. Fünf der neun Cars­haring-Firmen fahren mit guten Qualitäts­urteilen voran.

Klassisch und inno­vativ

Wenn das eigene Auto streikt, ist das ärgerlicher als beim Cars­haring. Um die Reparatur kümmern sich die Service­mit­arbeiter, den Nutzer kostet das nichts extra. Meist stehen Tag und Nacht andere Fahr­zeuge der Flotte parat. In einigen Groß­städten ist das Angebot besonders üppig. DriveNow, ein Joint Venture von BMW und Sixt, bietet in Berlin 500 Autos an. Konkurrent Car2go, das Cars­haring von Daimler, ist in der Haupt­stadt mit 1 000 Smarts am Start.

Die Fahr­zeuge beider Firmen stehen nicht wie beim klassischen Auto­teilen an vergleichs­weise wenigen Miet­stationen, sondern parken inner­halb des Geschäfts­gebiets irgendwo am Straßenrand – dort, wo die letzten Nutzer sie abge­stellt haben. Mit GPS und Mobil­funk kann der nächste sie schnell aufspüren. Er zückt zum Beispiel das Smartphone und lässt sich von einer App zeigen, wo in der Nähe die nächsten freien Autos warten. Reser­vieren kann er sie bei Car2go und DriveNow nur 15 Minuten im Voraus. Alternativ zur App können die Kunden auch über die Home­page der Anbieter buchen. Bei DriveNow geht das auch telefo­nisch.

Beim klassischen Cars­haring sind die Buchungs­wege ähnlich. Die Autos lassen sich hier aber nicht nur spontan nutzen, sondern auch Wochen oder Monate im Voraus ordern. Zur vereinbarten Zeit stehen sie an der gewünschten Miet­station.

Vom Kleinwagen bis zum Kombi

Klappt das wirk­lich? Meist ja. Unsere Tester erhielten ein Auto, wenn sie es brauchten. Bei Buchungs­anfragen eine Woche vorher mussten sie manchmal Kompromisse bei der Abhol­station oder beim Fahr­zeug­typ machen. Trans­porter waren nicht immer zu den Wunsch­zeiten erhältlich.

Tipp: Reser­vieren Sie recht­zeitig, wenn Sie ein bestimmtes Fahr­zeug brauchen. Umbuchen und stornieren ist meist bis zu 24 Stunden vor Start kostenlos. Falls Sie einen Trans­porter oder kleinen Lkw fahren wollen, helfen auch die Koope­rationen mancher Anbieter mit Mietwagenfirmen. Fragen Sie nach Sonder­konditionen.

Vorteil des Cars­harings gegen­über Privatwagen ist die Fahr­zeug­vielfalt. Wer mitmacht, hat die Chance, für jeden Zweck das optimale Auto zu mieten: Kleinwagen, Kombis, sogar 9-Sitzer. Vor allem Cambio Car­sharing, Drive Car­sharing, Flinkster, Stadt­mobil, Teil­auto und Quicar bieten eine beacht­liche Palette.

45 Fahr­zeuge auf dem Prüf­stand

Das Durch­schnitts­alter der Flotten liegt oft bei ein bis zwei Jahren. DriveNow und Car2go bieten nach eigenen Angaben sogar noch jüngere Autos an. Ob die Kunden wirk­lich sicher unterwegs sind, ließen wir an je fünf Fahr­zeugen pro Anbieter kontrollieren. Wir fuhren also 45 Fahr­zeuge zu Prüf­stellen. Tech­nische Sach­verständige checkten die Bremsen, das Licht und vieles mehr. Sie fanden keinen sicher­heits­relevanten Mangel. Kleinere Mängel wie fehlendes Scheibenwisch­wasser oder ein beschädigtes Kenn­zeichen protokollierten sie bei Drive Car­sharing und Teil­auto. Am wenigsten gab es bei Car2go, Cambio, Greenwheels und Quicar zu meckern.

Tipp: Fällt Ihnen bei der Über­nahme des Autos oder beim Fahren etwas negativ auf, sollten Sie die Service­hotline informieren. Auch auf ein schmuddeliges Äußeres oder Inneres sollten Sie hinweisen. Entsorgen Sie den eigenen Müll. Tanken Sie recht­zeitig. Cars­haring lebt von der Rück­sicht­nahme und vom Mitdenken seiner Nutzer.

Auto finden leicht gemacht

Finden. Im Internet und über die Smartphone-App erfährt der Kunde, wo in der Nähe Car2go-Smarts frei sind.

Die Miet­stationen der klassischen Car­sharer liegen oft in der Nähe von Bus- oder Bahnhalte­stellen, mitunter aber etwas im Abseits. Unsere Tester fanden sie nicht immer auf Anhieb und mussten notfalls per Telefon nach­fragen. Wenn sie die Station erfolg­reich aufgespürt hatten, standen die gebuchten Fahr­zeuge fast immer bereit. Lediglich bei Quicar in Hannover suchten die Tester ihr Auto zweimal vergeblich. Hier musste die Hotline helfen. Einmal chauffierte ein Mitarbeiter den Kunden zu einer anderen Miet­station.

Modernes Sesam-öffne-dich

Melden. Über Bordcomputer und Mobil­funk meldet der Kunde den Zustand des Autos an die Zentrale.

Für die Kunden gibt es zwei Wege, um an die Auto­schlüssel zu kommen. An Miet­stationen von Stadt­mobil und Cambio fanden unsere Tester oft einen fest montierten Tresor vor. Den öffneten sie mit ihrer elektronischen Mitglieds­karte und entnahmen den Schlüssel. Der Trend geht allerdings dahin, den Schlüssel über­flüssig zu machen oder ihn im Fahr­zeug zu deponieren. Um dort hinein­zukommen, hält der Kunde den Chip vor das Lesegerät an der Front­scheibe. Der Schlüssel liegt zum Beispiel im Hand­schuhfach. Häufig ist noch eine Geheim­nummer in den Bordcomputer einzutippen, um an ihn heran­zukommen.

Die Bordcomputer über­nehmen bei einigen Anbietern auch andere Aufgaben. Sie können zum Beispiel bei Car2go die Fahrer im Notfall kostenlos mit einer Hotline verbinden. Außerdem lässt der Bordcomputer die Sauber­keit des Autos bewerten und fragt nach Schäden am Fahr­zeug.

Die Auflistung eventueller Schäden zu lesen ist ein notwendiges Übel – wie bei jedem Miet­auto. Wer sorgfältig kontrolliert, ob alle Schäden im Computer oder Bord­buch notiert sind, vermeidet Ärger. Der Kunde könnte sonst in Verdacht geraten, die Macken selbst verursacht zu haben.

Tipp: Gehen Sie rund ums Fahr­zeug und suchen Sie vom Dach bis zu den Reifen gezielt nach Schäden, bevor Sie losfahren. Kontrollieren Sie auch den Innenraum. Informieren Sie sofort die Hotline, falls Sie bislang nicht dokumentierte Kratzer oder Beulen entdecken.

Keinen einzigen Schaden fanden unsere Tester an den recht neuen Autos der Firma Quicar, der Cars­haring-Tochter des VW-Konzerns. Die Golf-Blue-Motion-Flotte und andere Fahr­zeuge befanden sich in einem sehr guten Zustand. Die Autos anderer Anbieter hatten mitunter Dellen, die vereinzelt nicht protokolliert waren. Ärger gab es deshalb aber in keinem Fall.

Unzu­lässige Klauseln

Allgemeine Geschäfts­bedingungen sollen die Interessen von Kunden und Anbietern fair berück­sichtigen und Konflikten vorbeugen. Tatsäch­lich stießen wir bei der juristischen Prüfung jedoch auf kundenunfreundliche Passagen. Beispiel Cambio: Bucht der Kunde im Winter einen Wagen ohne Winterreifen, soll die Haftung der Firma „wegen nicht angepasster Bereifung ausgeschlossen“ sein. Die Klausel benach­teiligt den Kunden unan­gemessen. Der Vermieter sollte seine Autos im Winter nur mit Reifen auf die Straße lassen, die der Straßenverkehrs­ordnung entsprechen (siehe Test Winterreifen). Ein weiteres Problem ist der Daten­schutz. Cambio will sich die Weitergabe von Kunden­daten „an Versicherungs­unternehmen, o. ä.“ ermöglichen. Das ist schon deshalb unzu­lässig, weil völlig unklar bleibt, wen Cambio eigentlich mit „o. ä.“ meint.

Gute Gründe sprechen fürs Teilen

Unterm Strich ist Cars­haring für den Kunden erfreulich komfortabel. Die Firma kümmert sich um vieles, was beim Privatwagen Stress macht und viel kostet: Auto­kauf, Finanzierung, Steuern, Reparaturen, Reifen­wechsel, Lack­pflege, Haupt­unter­suchung, Versicherung und mehr.

Vor allem in den Städten hat der Besitz eines eigenen Autos an Reiz verloren, viele Menschen entscheiden sich dagegen. Mobil sind sie trotzdem. Ein Mix verschiedener Verkehrs­mittel machts möglich: Fahr­rad, Busse, Bahnen, Taxis, Mitfahr­zentralen und immer öfter auch Cars­haring. Die Nutzerzahlen steigen. Während 2004 erst 65 000 Menschen am Cars­haring teil­nahmen, sind es jetzt etwa 300 000.

So zahlreich wie die Kunden sind auch ihre Gründe fürs Mitmachen. Umwelt­bewusste argumentieren mit dem sinkenden Ressourcen­verbrauch. Je mehr Leute sich Autos teilen, desto weniger müssen gebaut werden. Technikfreaks freuen sich, moderne Autos Probe fahren zu können. Andere düsen zu Partys oder Kultur­ver­anstaltungen gern mal im flotten Mini oder Smart. Mitunter kann das Cars­haring auch einen Zweit­wagen ersetzen.

Mehr als 1 000 Euro sparen

Ein starkes Argument fürs Auto­teilen sind die nied­rigen Kosten. Wir haben nachgerechnet. Die Grafik zeigt das Spar­potenzial. Ein Privat­auto verliert permanent an Wert und verursacht Kosten – selbst wenn es kaum fährt. In unserem Beispiel liegen diese Fixkosten bei etwa 2 000 Euro pro Jahr, sie können aber je nach Fahr­zeug­typ oder Versicherungs­tarif auch höher sein. Hinzu kommen die nutzungs­abhängigen Sprit­kosten. Wer auf das eigene, wenig genutzte Auto verzichtet und statt­dessen auf Cars­haring umsteigt, kann Jahr für Jahr mehr als 1 000 Euro sparen. Da bleibt genug Geld übrig, um auch mal ein Taxi zu rufen, wenn die Tür des Cars­haring­autos ausnahms­weise blockiert.

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