Cars­haring Test

Auto per App. Redak­teur Falk Murko prüft Cars­haring in Mailand.

Unser Redak­teur Falk Murko hat ausprobiert, wie gut Cars­haring in anderen Ländern klappt. Seine Erkennt­nis: Mit Car2go, Drivenow und Flinkster fährt man auch im Ausland gut. Aber: Mietwagen sind in manchen Situationen güns­tiger. Hier erfahren Sie, worauf Sie beim Cars­haring in anderen Ländern achten müssen.

Irritationen am Flughafen Wien

Es beginnt mit einer Enttäuschung. Kurz nach der Landung auf dem Flughafen Wien-Schwechat rufe ich auf meinem Handy die Cars­haring-Apps auf. Es gibt keine Autos! Drivenow zeigt nur ein Symbol und Car2go meldet: „Freie Fahr­zeuge: null.“

Ich rufe den Service von Drivenow an. „Da haben wir wohl ein tech­nisches Problem“, sagt die freundliche Mitarbeiterin. Es stünden mehrere Autos im Park­haus. Im Park­haus P3, das vom Terminal über einen gläsernen Über­gang erreich­bar ist, finde ich tatsäch­lich mehrere Cars­haring-Autos – auch von Car2go. Ich öffne einen Smart Fortwo von Car2go, gebe mein Ziel ins Navi ein und fahre los. Für die 23 Kilo­meter bis zum Nasch­markt in der Wiener Innen­stadt benötige ich bei lebhaftem Verkehr 42 Minuten. Die Fahrt kostet 25,33 Euro. Mit dem Taxi käme die Fahrt auf 25 bis 45 Euro. Mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln hätte ich mein Ziel genauso schnell, aber deutlich billiger erreicht. Die Tickets für S- und U-Bahn kosten zusammen nur 4,10 Euro.

Cars­haring im Ausland – unser Rat

Alternative. Für Familien und kleine Gruppen kann Cars­haring im Ausland eine Alternative zum öffent­lichen Nahverkehr oder Taxi sein (zum Preisvergleich). Für längere Stre­cken ist ein Mietwagen aber oft güns­tiger (zum Test von Mietwagenportalen).

Angebot. Das Angebot ist begrenzt: Kunden von Car2go und Drivenow können in einigen europäischen Metro­polen fahren, Flinkster ist haupt­sächlich in kleineren Städten Nord­italiens und der Schweiz vertreten (Angebotsvergleich in der Tabelle).

„Free­floating“ oder stationär

Rund zwei Millionen Deutsche nutzen Cars­haring, die meisten bei den Anbietern Car2go und Drivenow (zum jüngsten Test Carsharing). In Groß­städten können deren Wagen in einem begrenzten Geschäfts­gebiet ohne feste Stationen gemietet werden („Free­floating“). Die Autos von Flinkster, dem Cars­haring-Angebot der Deutschen Bahn, lassen sich dagegen meist nur an festen Stationen abholen und parken. Alle drei Unternehmen bieten ihre Dienste nicht nur in Deutsch­land an, sondern auch in einigen europäischen Städten. Car2go bedient sieben Städte in vier Ländern, darunter Mailand, Amsterdam, Wien und Madrid. Bei Drivenow sind es acht Städte in acht Ländern, zum Beispiel Brüssel, London, Mailand und Wien. Flinkster koope­riert mit Part­nern in acht Städten Nord­italiens, im nieder­ländischen Weert sowie in der Schweiz (Tabelle Carsharing im Ausland).

Drei Cars­haring-Anbieter, drei Orte im Ausland

Wir haben die drei Anbieter ausprobiert – in Wien, Mailand und dem nord­italienischen Brescia. Im Großen und Ganzen hat alles gut geklappt. Die Preise sind in etwa die gleichen wie in Deutsch­land. Abge­rechnet wird nach der Fahrt­dauer. In Mailand kostet eine Minute je nach Auto­typ bei Car2go 24 oder 26 Cent und bei Drivenow 31 oder 34 Cent. Kraft­stoff, Parken und Versicherung sind im Preis enthalten. Für kurze Fahrten kann das billiger als ein Taxi sein. Längere Ausflüge sind mit dem Mietwagen aber oft güns­tiger (zum Preisvergleich).

Auto im Ausland – so einfach wie daheim

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Drivenow. Ein Auto zu finden, zu reser­vieren und zu starten, ist einfach. Die Park­platz­suche in Mailand ist es nicht.

An ein Auto zu kommen, ist im Ausland genauso einfach wie in Deutsch­land: Per Handy-App ein freies Gefährt in der Nähe beziehungs­weise an der nächst­gelegenen Station suchen und mit der App oder mit einer Chipkarte plus einem persönlichen Code öffnen. Vor der Fahrt sollten Nutzer zunächst prüfen, ob das Auto nicht registrierte Schäden hat. Wenn ja, müssen diese in der App einge­tragen oder gemeldet werden. Ist alles geklärt, kann es losgehen.

Die Autos von Car2go und Drivenow können Nutzer jeder­zeit auf einem freien Park­platz im Geschäfts­gebiet abstellen und die Fahrt beenden. Das Flinkster-Auto dagegen muss zurück zur Station. Die Free­floater sind also etwas flexibler, aber nur im fest­gelegten Geschäfts­gebiet. Das sind meist die Innen­stadt, Teile der Außenbezirke und oft ein Flughafen. Nur in diesem Bereich können die Autos endgültig geparkt werden. Wer das Geschäfts­gebiet verlässt, kann die Fahrt erst nach der Rück­kehr beenden.

In Mailand ist die „area operativa“ sowohl bei Car2go als auch bei Drivenow zweigeteilt. Wer die Fahrt zum Beispiel bei Drivenow im inneren Bereich beginnt und im äußeren Bereich beendet, muss einen Zuschlag von 4,90 Euro bezahlen. In die für viele Autos aus Umwelt­schutz­gründen gesperrte Innen­stadt hingegen dürfen Cars­harer ohne Aufpreis fahren.

Eine Anmeldung für viele Länder

Wer in Deutsch­land bei den drei Unternehmen angemeldet ist, kann deren Autos in ganz Europa nutzen. Vor der ersten Fahrt müssen Drivenow- und Car2go-Nutzer die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) in der App akzeptieren. Bei Flinkster gelten in Italien und den Nieder­landen die deutschen AGB, in der Schweiz die des Part­ners Mobility. Das Klein­gedruckte gibt es immer nur in der jeweiligen Landes­sprache und in Eng­lisch, was das Verständnis erschwert.

Viele Passagen sind laut Anbieter identisch mit den deutschen allgemeinen Geschäfts­bedingungen, Unterschiede betreffen etwa das Mindest­alter des Fahrers. Ein wichtiger Unterschied bei den Vertrags­bedingungen können die Deckungs­summen der Haft­pflicht­versicherung sein, die teils geringer sind als in Deutsch­land (Details im Interview Wir empfehlen die Mallorca-Police).

Cars­haring im Praxis­test – kaum Probleme

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Car2go. Die App funk­tioniert am Flughafen Mailand Linate korrekt. Am zweiten Flughafen Malpensa gibt es kein Cars­haring.

Bis auf die kleine Panne am Flughafen in Wien verlief mein Praxis­test mit Car2go und Drivenow in Mailand und Wien völlig problemlos. Es war immer mindestens ein Auto der beiden Free­floating-Anbieter in der Nähe. Reser­vieren, Öffnen, Fahren und Verschließen der Fahr­zeuge klappte stets einwand­frei. Alle Abrechnungen waren ausführ­lich und korrekt.

Auch bei Flinkster gab es nur am Anfang leichte Probleme: Ich reser­viere zwei Tage im Voraus ein Auto in Brescia. Die Über­nahme ist etwas schwierig, da Flinkster zwar eine ausführ­liche Bestätigung schickt, darin aber weder den Namen des Koope­rations­part­ners noch die genaue Adresse nennt. Die Viale della Stazione ist ziemlich lang. Flinkster finde ich nicht, aber anhand des Auto­kenn­zeichens nach einigem Hin und Her schließ­lich „meinen“ VW up, auf dem groß „Auto­mia“ steht. Das ist der Cars­haring-Service der Stadt Brescia.

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Flinkster. Das in Brescia gebuchte Auto gehört zur italienischen Auto­mia. Ein Navi sollte man selbst mitbringen.

Danach läuft alles prima. Ich öffne das Auto mit meiner Kundenkarte. Der Wagen ist sauber, der Tank fast voll. Ein Navigations­gerät hat das Auto allerdings nicht. Wer sich nicht auskennt, sollte bei Flinkster das eigene Navi mitbringen. Für meinen Ausflug zum schönen Lago d’Iseo, der vier­einhalb Stunden dauert und auf dem ich 77 Kilo­meter zurück­lege, berechnet Flinkster 36,36 Euro. Ein Mietwagen mit guten Bedingungen hätte für den ganzen Tag inklusive Sprit kaum mehr gekostet.

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