Die Car-Sharing-Angebote der Auto­konzerne

Die Auto­konzerne entdecken das Car-Sharing, weil flexible Mobilität vor allem für Groß­städter attraktiv ist. Im April startet BMW gemein­sam mit Sixt in München ein Angebot. Gleich­zeitig weitet Daimler sein Projekt „Car2Go“ auf Hamburg aus.

Car-Sharing-Flotte in sieben Jahren verdoppelt

Die Zeiten, in denen der Besitz eines Autos beinahe zur staats­bürgerlichen Pflicht gehörte, sind für viele vorbei. Zumal das Fahr­zeug meistens ein „Park­zeug“ ist: Mehr als 23 Stunden am Tag stehen Autos herum – und verursachen Kosten: Versicherung, Steuern, Wert­verlust, Wartung und Pflege. Viele Menschen haben sich vom eigenen Auto bereits verabschiedet: 190 000 Fahr­berechtigte zählten die Car-Sharing-Anbieter Anfang 2011. Die Flotte der Car-Sharing-Autos auf Deutsch­lands Straßen hat sich in sieben Jahren verdoppelt: 2004 waren 2 500 Car-Sharing-Autos unterwegs. Heute sind es 5 000.

Car-Sharing als Marketing-Maßnahme

Diese Entwick­lung ist auch den Auto­konzernen nicht verborgen geblieben. Die Einführung von Car-Sharing-Angeboten ist für Daimler, BMW und Co. auch eine Marketing-Maßnahme. Daimler ist vor zwei Jahren mit dem Projekt „Car2Go“ vorgeprescht – 200 Smarts werden seitdem in Ulm und Texas geteilt. Im März wurde die Flotte erneuert und aufgestockt. BMW zieht jetzt mit „Drive Now“ nach. Zur Einführung von „Drive Now“ sagte Ian Robertson, BMW-Vorstands­mitglied: „Wir wollen dadurch neue potentielle Kunden an unsere Marken heran­führen.“

Wo Auto­konzerne im Car-Sharing aktiv sind

  • Car2Go. Car-Sharing-Projekt von Daimler und Europcar. Läuft seit zwei Jahren in Ulm und Austin, Texas. Im März wurde die Flotte in beiden Städten von 200 auf 300 Smarts aufgestockt. Ab April wird das Angebot auf Hamburg ausgeweitet. Die Anmeldung kostet 29 Euro. Für eine Minute im Smart sind 29 Cent fällig, pro Stunde 14,90 Euro.
  • Drive Now. Car-Sharing-Projekt von BMW und Sixt. 300 1er BMWs und Minis stehen ab April in München. In Berlin sollen es 500 sein. 29 Euro kostet die Anmeldung. Pro Minute verlangen BMW und Sixt 29 Cent. Beim Mini ist der Stunden­tarif auf 14,90 Euro geckelt. Für die 1er BMWs gilt das nicht.
  • Mu by Peugeot (sprich Mü). Autos, Motor­roller, Trans­porter, Fahr­räder: Eine ganze Produktpalette von Peugeot können Berline­rinnen und Berliner anmieten. Die kleinsten PKW-Modelle kosten 45 Euro am Tag. Laut Preisliste ist die Anmietung nur tage- und wochen­weise möglich.
  • VW. Laut Medienbe­richten plant auch VW den Einstieg ins Car-Sharing-Geschäft. Derzeit würden verschiedene Groß­städte als Stand­ort für ein Pilot-Projekt geprüft.

Autos können über­all abge­stellt werden

Neu ist bei den Angeboten von Daimler und BMW: Die Teilnehmer können die Autos über­all in der Stadt abstellen. Feste Stationen, wie bei den traditionellen Anbietern, gibt es nicht. Registrierte Mitglieder schauen entweder im Internet nach, wo der nächste Smart oder Mini steht. Oder sie nutzen die dazu­gehörige App fürs Smartphone. Wer spontan an einem Car-Sharing-Wagen der Auto­bauer vorbeikommt, kann direkt einsteigen. Denn die Systeme von Daimler und BMW funk­tionieren ohne Schlüssel.

Car-Sharing-Verband kritisiert Auto­bauer

Verständlich, dass die traditionellen Car-Sharing-Anbieter die Angebote der Auto­bauer kritisch sehen. Hier werde der Gedanke der spar­samen Nutzung des Autos verletzt, so der Car-Sharing-Verband. Willi Loose, Geschäfts­führer des Verbands, bemängelt, dass die neuen Car-Sharer nicht pro Kilo­meter, sondern nur nach Zeit bezahlen. Bei den herkömm­lichen Car-Sharing-Anbietern sei das anders: „Es soll bewusst kein Anreiz zu mehr Auto-Kilo­metern als benötigt gegeben werden.“ Die Fahrer würden dadurch zu einer spar­samen Auto­nutzung bewegt. Zudem hält es der Verband für fraglich, ob durch die Angebote der Auto­konzerne private Fahr­zeuge tatsäch­lich ersetzt werden. Bei den traditionellen Car-Sharing-Modellen ersetze jedes geteilte Fahr­zeug im Schnitt vier bis acht Privatwagen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1425 Nutzer finden das hilfreich.