Einst als ökologische Alternative gedacht, ist Car-Sharing heute ein attraktives Mobilitäts-Modell für die Stadt. Das haben nun auch Auto­konzerne erkannt. test.de erklärt, wie das Auto-Teilen funk­tioniert.

Was ist Car-Sharing?

Ein Auto und viele Fahrer. Je nach Bedarf nutzen die Fahrer den Wagen, unabhängig voneinander. So lässt sich das Prinzip des Car-Sharings umreißen. Car-Sharer können sich ein Auto reser­vieren, nachdem sie sich bei einem Anbieter angemeldet haben. An fest­gelegten Stationen steht das Auto dann bereit, wenn die Fahrer mobil sein wollen. In den 1980er Jahren sind die ersten Car-Sharing-Anbieter entstanden. Manche sind immer noch als Vereine organisiert, viele Anbieter sind mitt­lerweile kommerziell orientiert. Einer der großen Anbieter ist die Bahn DB Car-Sharing. Selbst Auto­konzerne wie Daimler und BMW steigen mitt­lerweile verstärkt ins Car-Sharing-Geschäft ein. Die Car-Sharing-Angebote der Autokonzerne

Für wen ist Car-Sharing sinn­voll?

Für den Berufs­pendler, der jeden Tag längere Stre­cken zur Arbeit fährt, ist Car-Sharing unge­eignet. Wer hingegen nur unregelmäßig ein Auto braucht und auch auf Bus, Bahn und Fahr­rad zurück­greift, für den kann sich Car-Sharing lohnen. Die Car-Sharing-Anbieter sehen sich auch als Ergän­zung zum öffent­lichen Nahverkehr. Die Abhol­station sollte dabei nicht zu weit von der eigenen Wohnung entfernt sein. Bei einer Fahr­leistung von weniger als 10 000 Kilo­meter im Jahr lohnt sich Car-Sharing definitiv, sagen die Anbieter. Aber auch für Menschen, die mehr fahren, kann das Auto-Teilen attraktiv sein: Sie müssen sich weder um die Pflege des Autos, noch um den Winterreifen-Wechsel oder TÜV kümmern.

Wo kann ich mich anmelden?

Laut Bundes­verband CarS­haring wird in etwa 260 deutschen Städten das Auto-Teilen angeboten. Wer nach einem Anbieter in seiner Region sucht, kann in der Ortsliste vom Bundesverband CarSharing fündig werden. Anmelden kann sich jeder, der einen Führer­schein hat und, je nach Anbieter, über genügend Fahr­praxis verfügt. Manche Anbieter verlangen eine einmalige Anmeldegebühr, andere eine Kaution. Bei einer Kündigung erhält der Kunde die Kaution zurück.

Wie viel kostet Car-Sharing?

Die Kosten für Car-Sharing-Angebote setzen sich in der Regel aus drei Teilen zusammen:

  • eine monatliche Grund­gebühr
  • eine Gebühr für die Zeit, in der das Auto angemietet wird
  • eine Gebühr für die gefahrenen Kilo­meter

Größere Car-Sharing-Dienste bieten individuelle Bezahl-Modelle an: Vielfahrer können dann zum Beispiel ein Angebot mit einer höheren Grund­gebühr wählen. Dafür sind für sie die Kosten für die Zeit und Kilo­meter nied­riger. Das Gleiche gilt für Wenigfahrer, nur umge­kehrt: Nied­rigere Grund­gebühr, dafür höhere Zeit- und Kilo­meter­preise. Meistens rechnen die Car-Sharing-Anbieter die Kosten monatlich ab. Das schafft Trans­parenz: Jeder Kunde kann sehen, was eine Fahrt tatsäch­lich gekostet hat. Bei einem Privat-Wagen ist das so nicht möglich.

Wie funk­tioniert die praktische Abwick­lung?

Per Telefon oder Internet, neuerdings auch mit Smartphones, legen Car-Sharer fest, wann sie welches Auto brauchen – und wie lange. Eine Reser­vierung mit offenem Ende ist bislang noch die Ausnahme. An fest­gelegten Stationen können die Autos je nach Anbieter mit einer speziellen Chip-Karte geöffnet werden – oder der Schlüssel ist in einem Tresor hinterlegt. In beiden Fällen muss eine gültige Buchung vorliegen. Die Abhol­station sollte gut mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln zu erreichen sein. Neigt sich das Benzin dem Ende zu, können Car-Sharer entweder mit der Tank-Karte des Anbieters nachtanken. Oder sie bekommen mit der Abrechnung die ausgelegten Benzin­kosten erstattet. Die Abrechnung kommt in der Regel einmal im Monat.

Wie umwelt­freundlich ist Car-Sharing?

70% der Car-Sharing-Flotte in Deutsch­land besteht aus Kleinwagen, deren Verbrauch und CO2-Ausstoß relativ gering sind. Zudem sind die Modelle meistens neuer als private PKWs und deshalb mit effizienteren Verbrennungs-Technologien ausgerüstet. Der Bundes­verband CarS­haring rechnet vor, dass jedes Car-Sharing-Auto vier bis acht private PKW ersetzt – eine Entlastung für Ressourcen, Umwelt und auch die Park­plätze in den Städten. Car-Sharer sollen zudem häufiger Bus und Bahn nutzen und das Auto stehen lassen. Ein Verhalten, dass bei Menschen mit Privat-Wagen kaum anzu­treffen ist. Durch den Kilo­meter-Preis haben Car-Sharer einen zusätzlichen Anreiz, möglichst wenig zu fahren.

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