Cappuccinopulver Test

Pulver in die Tasse, heißes Wasser darauf, fertig ist der Instant-Cappuccino.

Mit Wasser aufgegossene Cappuccinopulver haben mit einem echten Cappuccino wenig gemeinsam. Die Aufmachung will darüber aber meist hinwegtäuschen.

Der Löffel taucht ein in weißen, lockeren, fingerdicken Milchschaum, aromatisch-herber Espressoduft steigt aus der Tasse auf. Der Genuss eines frisch zubereiteten Cappuccinos ist ein Vergnügen für die Sinne. Doch mit dem Aussehen und dem Geschmack eines solchen Original-Cappuccinos haben die untersuchten Pulvercappuccinos kaum etwas gemeinsam.

Griff in die Trickkiste

Das können sie auch gar nicht: Rezeptur und Zubereitung beider Kaffeegetränke sind völlig verschieden. Ein Cappuccino kommt mit wenigen Zutaten aus: heiße, aufge­schäumte Milch, Espresso und even­tuell Zucker. Anders die Cappuccino­pulver. Ihre Hersteller greifen tief in die Trickkiste. Die Pulver enthalten bis zu 13 verschiedene Zutaten, darunter Stabilisatoren und gehärtete Fette für den Milchschaum, Aromen für den Milchge­schmack und vor allem Zucker.

Zucker im Überfluss

Dass manche Menschen ihren Kaffee süß mögen, ist bekannt. Aber muss das Pulver deshalb gleich zu rund 60 Prozent daraus bestehen? In 17 der 20 Cappuccinopulver steht Zucker an erster Stelle der Zutatenliste. Doch damit nicht genug: Auch Glukosesirup und Laktose gehören zu den Zuckerarten. Alle zusammen treiben den Zuckeranteil so hoch. Von Espresso dagegen kaum eine Spur. Nur der Tchibo Cappuccino classico wird tatsächlich aus Espresso herge­stellt. Alle anderen Cappuccinopulver enthalten laut Zutatenverzeichnis ganz normalen löslichen Kaffee.

Die Aufmachung der Instantprodukte verspricht aber etwas ganz anderes: nämlich das eingangs beschriebene sinnliche Ca­ppuccino-Vergnügen. Das fängt an mit der Bezeichnung: „Cappuccino“ steht in großen Lettern auf jeder Verpackung. Wer gute Augen hat und sowieso misstrauisch ist, findet – sehr klein gedruckt – in der Nachbarschaft dieser Produktbezeichnung noch das Wörtchen „Typ“. Wir haben es also mit einem Getränk vom Typ Cappuccino zu tun. Auch gut, mag der wohlwollende Käufer denken und vertraut der Abbildung. Denn auch die verspricht einen mit reichlich Milchschaum gekrönten Cappuccino. Schaum aber ist bei fast allen Pulvercappuccinos Mangelware. Üppigen weißen Schaum – wie oft gezeigt – gibt es gar nicht. Vielleicht soll man das Wörtchen „Serviervorschlag“ so interpretieren, dass der Milchschaum noch extra zubereitet werden muss.

Immerhin sensorisch in Ordnung

Die Abbildung weckt also Erwartungen, die kaum erfüllt werden. Die Deklaration lautet daher meistens „ausreichend“. Einzig der fair gehandelte Gepa-Bio-Cappuccino verzichtet auf die übertriebene Aufmachung und erhält ein „Befriedigend“. Echte Cappuccinos und Instant-Cappuccinos sind also völlig unterschiedliche Produkte – auch geschmacklich. Unsere Sensorikexperten haben deshalb auch gar nicht erst verglichen und die Pulver als eigenständige Produktgruppe betrachtet. In puncto sensorische Fehlerfreiheit hatten sie dann letztlich wenig auszusetzen. „Gut“ lautete das Urteil in 14 von 20 Fällen. Der leicht angebrannte oder bittere Geschmack, den sie bei den meisten Pulverdrinks vermerkten, ist bei einem Kaffeegetränk normal. Erfreulich auch, dass weder der Anteil des Schimmelpilzgiftes Ochratoxin noch der Gehalt an Acrylamid bedenklich hoch waren.

Viele Verbraucher scheint es jedenfalls nicht zu stören, dass echter Cappuccino und Pulvercappuccino grundverschiedene Produkte sind. Im Gegenteil: Der Trend hin zum schnellen Genuss aus der Dose nimmt zu. Rund 230 Millionen Euro geben die Deutschen pro Jahr für lösliche Kaffeegetränke aus, einen Großteil davon für Instant-Cappuccinos.

Tipp. Einen echten Cappuccino kann man leicht selbst zubereiten: In einem Kännchen mit Siebeinsatz heiße Milch aufschäumen, zum Espressokaffee geben. Wer keine Espressomaschine besitzt, kann ersatzweise auch einen Espressokocher benutzen. Dann taucht der Löffel ein in weißen, lockeren, fingerdicken Milchschaum und aus der Tasse steigt aromatisch-herber Espressoduft auf.

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