Canon PowerShot Zoom im Test Der Faustkeil unter den Kameras

31.05.2021
Canon PowerShot Zoom im Test - Der Faustkeil unter den Kameras
Griffiger Faustkeil. Die Canon PowerShop Zoom ist leicht und von ungewöhnlicher Bauform. © Stiftung Warentest

Die Canon PowerShot Zoom preist der Anbieter als ideal für Outdoor­aktivitäten mit der Familie an. Über­zeugt hat uns die Kamera für etwa 330 Euro leider nicht.

Canon wagt etwas Neues

Neues wagen: Klein und mit nur 145 g Gewicht ist die neue Canon keine Belastung im Tages­ruck­sack. Bauform und Umgang ähneln früheren Top-Actioncams wie der Sony FDR-X1000VR. Actioncams setzen jedoch auf Superweitwinkel, während die Canon ein umschalt­bares zwei­stufiges Tele­objektiv mit der für Porträts güns­tigen, doppelten Normal­brenn­weite und der acht­fachen Normal­brenn­weite auf Stufe zwei aufwartet. Ein Digitalzoom bietet als dritte Stufe schließ­lich rund 800 mm Brenn­weite – bezogen auf das Klein­bild­format. Was die rund 330 Euro teure Canon so drauf hat, klärt der Schnell­test.

Fotoqualität: Nur unter­durch­schnitt­liche Auflösung

Das doch recht spezielle, umschalt­bare Objektiv punktet mit geringer Verzeichnung und nur geringen Gegen­licht­reflexen. Damit endet die Aufzählung der positiv aufgefallenen Punkte aber schon:

Die Testfotos zeigen eine unter­durch­schnitt­liche Auflösung, obwohl der 12-Megapixel-Sensor viele Details liefern könnte. Zum Vergleich: In vielen iPhones der Firma Apple hat der Sensor der Haupt­kamera auch nicht mehr Bild­punkte, fängt Bilder aber deutlich besser ein.

Andere Kamerahandys bergen sogar einen deutlich größeren Sensor bis zu 1 Zoll Bild­diagonale. Der in der Canon PowerShot Zoom misst 1/3 Zoll. Bei Tages­licht sind die Aufnahmen brauch­bar, Aufnahmen in der Dämmerung bringen die Canon PowerShot Zoom aber schnell an ihre Grenzen. Da gehen viele Details verloren.

Unsere Tests von Kameras und Camcordern

Die Stiftung Warentest testet laufend Kameras, hier finden Sie die Testergebnisse Digitalkameras. Sie suchen eine Action-Cam? Hier geht es zu den Testergebnissen Action-Cams.

Aufnehmen: Leicht in der Bedienung

Wenn Familien­tauglich­keit mit Einfachheit begründet wird, dann ist die Canon ein Voll­treffer: Anschalten, draufhalten, auslösen – fertig. Die Kamera stellt Belichtung und Aufnahme­programm auto­matisch ein und erkennt Gesichter. Das wars. Sie verwirrt weder mit Eingriffs­möglich­keiten bei Blende, Belichtungs­zeit und Empfindlich­keit noch mit Aufnahme­programmen, etwa einer Panorama­funk­tion. So etwas ist nicht vorgesehen, ebenso wenig wie die Option auf Rohdaten­speicherung für eine verlust­freie Nachbearbeitung.

Ach ja: Der Bild­kontrolle dient ein nur kleiner, elektronischer Sucher. Einen Monitor hat die Canon nicht.

Video: Leider nur Haus­manns­kost

Videos nimmt die Canon in Full HD auf, also mit 1 920 x 1 080 Bild­punkten und wahl­weise 24, 25 oder 60 Bildern pro Sekunde. Sie bietet Haus­manns­kost ohne zu brillieren: Bild­rauschen und Detail­verlust fallen wiederum insbesondere bei wenig Licht deutlich ins Auge. Da ist es eine kluge Entscheidung des Anbieters, mit der vorhandenen Hard­ware und Signal­aufbereitung nicht auch noch UHD-Videos zu ermöglichen. Das integrierte Stereo­mikrofon fängt den Video­ton nur mittel­prächtig ein, eine Anschluss­möglich­keit für ein externes Mikro fehlt.

Wenig Schutz vor Nässe, Staub und Schäden

Canon preist die Zoom-Kamera auf seiner Website als ideal für Outdoor­aktivitäten an, dabei schützt die PowerShot Zoom nicht vor Wasser, Staub und Schäden beim Herunter­fallen. Immerhin beruhigt der als 4-Achsen-IS beworbene Verwack­lungs­schutz wie versprochen Fotos und Videos, die mit zitt­riger Hand oder in Action aufgenommen werden. Zumindest bei guten Licht­verhält­nissen. Bei wenig Licht hilft der Verwackelungs­schutz nicht viel, das können viele Digitalkameras, selbst erschwing­liche Kompaktkameras besser.

Die Verbindung via Wlan und Bluetooth

Die Canon Zoom kann Verbindungen über Funk aufbauen. Einer­seits über Wlan, aber auch mit einem Bluetooth-Modul. Beide Funk­module sind nicht top-aktuell, verbinden die Kamera aber beispiels­weise über die kostenlose Canon Camera Connect App mit dem Smartphone. Die App ermöglicht etwa Bild­kontrolle, das Fern­auslösen und fügt den Aufnahmen GPS-Koor­dinaten hinzu. Und sind die Bilder via App erst einmal im Handy gespeichert, können Fotografierende sie schnell mit Freunden teilen.

Strom­versorgung: Aktuelles System

Bei der Strom­versorgung ist die Canon hoch­aktuell: Der integrierte Akku wird via USB-C geladen. Mitgeliefert ist allerdings nur ein Lade­kabel mit USB-C-Steckern an beiden Enden. Ein separates Ladegerät mit USB-C-Buchse ist also erforderlich. Canon verweist zum Beispiel auf das eigene Ladegerät PD-E1, das im Shop dieses Anbieters 119 Euro kostet und die geforderte Leistung hat (5 Volt, 1,5 Ampere Lade­strom). Die Kamera funk­tioniert auch, wenn das Ladegerät ange­schlossen ist. Dann lädt sie den Akku aber nicht auf. Wechsel­bar ist er nicht.

Test-Fazit: Canon kann es eigentlich besser

Die Canon PowerShot Zoom kann nichts, was andere Kameras nicht auch und teil­weise sogar besser können. Der Anbieter empfiehlt die stylische Kamera mit ihrem Telezoom für gelegentliche Tier­beob­achtungen. Mit 4,5 Meter minimaler Objekt­entfernung im Teleber­eich ist sie aber nicht gerade insektentauglich.

Fotos und Videos macht sie schlechter als etliche, selbst güns­tigere, Kompakt­kameras. Sogar einige Smartphones etwa von Apple, Google, Huawei und Samsung liefern Besseres. Andere Foto­apparate dieser Kamera-Company wie die gleich teure Canon PowerShot SX730 zeigen, dass Canon es besser kann.

31.05.2021
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