Camcorder von Penny Schnelltest

Penny verkauft seit Donnerstag, 10. Dezember, einen HD-Camcorder von Aiptek. Preis: nur 90 Euro. Das klingt billig. Ein gutes Weihnachtsgeschenk? Der Schnelltest klärt auf.

Webcam und Diktiergerät

90 Euro für einen HD-Camcorder mit hoher Auflösung, das ist billig. Penny bewirbt den Aiptek HD AHD H135 als 4-in-1-Gerät: Digitaler Camcorder, Digitalkamera, Webcam und Diktiergerät. Software für den direkten Upload von Videos auf YouTube ist gleich dabei. Klingt zunächst nach einem Schnäppchen für Surfer und Blogger. Infos zum Gerät gibt es bei Penny allerdings wenig. Auf der Webseite des Anbieters Aiptek ist der AHD H135 nicht zu finden. Der Anbieter listet nur das Schwestermodell AHD H125: Das ist fast identisch aufgebaut und verrät: Es geht um einfache Camcorder ohne optischen Zoom.

Kein optischer Zoom

Der Objektivring des Aiptek HD AHD H135 ist denn auch nur Attrappe. Das Objektiv hat eine feste Brennweite von 7,4 Millimetern. Wer sein Motiv näher heranholen will, muss den digitalen Zoom bemühen. Der Camcorder errechnet dann die Vergrößerung. Bis zu 4-fach ist drin. Penny bewirbt das mit Ausrufezeichen. Kenner aber wissen: 4fach ist nicht viel und ein optischer Zoom ist besser. Der digitale Zoom kostet Bildqualität, weil der Camcorder den Ausschnitt bei fester Brennweite errechnen muss. Beim Aiptek ruckelt der Digitalzoom zudem.

Video nur mäßig

Die Videos sind denn auch keine Pracht. Der Camcorder braucht viel Licht, um halbwegs ansehnliche Aufnahmen zu machen. Kerzenschein um den Weihnachtsbaum reicht nicht aus: Die Bescherung bleibt mit dem Aiptek im Dunkeln. Selbst bei Glühlampenlicht muss oft der Nachtmodus helfen. Er hellt das Bild auf, indem er die Verschlusszeit verlängert. Die Folge: Motive, die sich bewegen, erscheinen jetzt unscharf. Auch nicht schön. Als Spaß-Camcorder für kurze Webvideos mag der Aiptek noch angehen, für Urlaubsvideos oder schöne Erinnerungen fehlt ihm die Klasse.

Wiedergabe schlecht

Auch als Digitalkamera macht der Camcorder von Penny keine gute Figur. Von hoher Auflösung HD keine Spur. Die Qualität der Standbilder ist nur mit guten Handyaufnahmen vergleichbar - mehr nicht. Videos sehen noch schlecher aus. Der Bildschirm im Format 4:3 passt nicht recht zu den Videoaufnahmen im Breitbildformat 16:9. Auch ein externer Monitor rettet nicht viel. Die Testingenieure beurteilten die Wiedergabe auf einem hochwertigen Flachbildschirm. Videos wirken unnatürlich: Detailarm, künstlich nachgeschärft, dunkel und bräunlich verfärbt. Im direkten Vergleich mit ähnlichen Camcordern kann der Aiptek nicht punkten. Die Modelle aus dem
Produktfinder Camcorder sind besser.

Ton bescheiden

Der Camcorder von Penny klingt auch bescheiden: spitz, schrill, etwas hohl und besonders hell. Der Aiptek zeichnet nur mono auf. Für Kommentare und Hintergrundatmosphäre reicht es, für wohltemperierte Dialoge dagegen nicht. Als Diktiergerät - wie von Penny beworben - ist der Camcorder etwas groß. Hier leistet ein Handy bessere Dienste. Immerhin ist der Aiptek leicht (226 Gramm mit Akku) und liegt gut in der Hand.

Handhabung ist Übungssache

Die Bedienung des Camcorders gibt Rätsel auf: Im Prinzip einfach, durch die Mehrfachfunktionen der wenigen Tasten aber gewöhnungsbedürftig. Ohne Lernphase läuft vieles schief. Schuld ist auch der kleine Joystick zur Steuerung des Menüs. Er arbeitet unpräzise. Die Bedienungsanleitung auf der CD-ROM ist auch keine Wucht: Sie ist kurz gehalten und beschreibt die wenigen Funktionen nicht eben gut.

Testkommentar: Billig, aber nicht gut
Produktbeschreibung: Aiptek HD AHD H135
Produktfinder: Die besten Camcorder für Sie

Hinweis: Einige Penny-Filialen verkaufen statt des Aiptek HD AHD H135 einen Camcorder von Praktica DVC 5.2 FHD zum selben Preis (89,99 Euro).
Die Stiftung Warentest hat nur den Camcorder von Aiptek getestet.

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