Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat Billigtelefonate über 0 190-Nummern verboten. Die Vorwahlen 0 190 und 0 900 sollen in Zukunft nur noch für so genannte Mehrwertdienste benutzt werden. Call-by-Call-Gespräche bleiben aber weiter möglich: über die Netzkennzahlen der Call-by-Call-Anbieter. test.de klärt auf.

Tippfehler teuer

Die Idee war gut: Das Telefonieren noch billiger machen. Einige Call-by-Call-Anbieter nutzten dafür die Vorwahlen 0 190-0 und 0 900. Minutenpreis für Ferngespräche tagsüber: zwischen zwei und drei Cent. Zum Vergleich: Normales Call-by-Call (über die Netzkennzahlen 0 10  und 0 100 xy) kostet tagsüber etwa drei bis 12 Cent pro Minute. Doch der Umweg über die 0 190-Nummern hat Tücken: Jeder Tippfehler kann teuer werden. Die Vorwahlen sind für so genannte Mehrwertdienste gedacht. Anwalthotlines, Faxabrufsysteme und Sexangebote: Minutenpreise bis zu zwei Euro oder pauschal 30 Euro für eine Verbindung.

Rechnung mit Tücken

Außerdem tricksen die Anbieter von 0 190-Call-by-Call auch bei der Abrechnung: Einige rechnen im Drei- oder Vier-Minutentakt. So kostet ein Minutengespräch doch wieder 12 Cent. Und in der Vergangenheit wurden die Preise auch schon mal von heute auf morgen verdoppelt. Die Stiftung Warentest nahm das 0 190-Call-by-Call deshalb aus ihren Infodokumenten heraus. „Zu trickreich“, so die Einschätzung der Telefonexperten. Call-by-Call-Gespräche über Netzkennzahlen (0 10 xy und 0 100 x) sind zwar etwas teurer, aber sicherer. Tippfehler können hier nicht zu teuren Sexdiensten führen.

Call-by-Call raubt Kunden

Viele Telefongesellschaften störte aber etwas ganz anderes: Das 0 190-Call-by-Call raubte ihnen Kunden. Telefongesellschaften wie Arcor, HanseNet, EWE Tel oder Netcologne betreuen den Kunden nämlich auf Wunsch komplett. Mit Anschluss und Ortsgesprächen - ganz ohne Telekom. Call-by-Call-Gespräche sind dann allerdings ausgeschlossen. Die neuen Anbieter sollen geschützt werden, weil sie in eigene Netze investieren. Der Umweg über 0 190-Nummern blieb dagegen offen. Ergebnis: Anbieter wie HanseNet oder Netcologne konnten zwar günstige Ortsgespräche verkaufen, verloren aber wieder Kunden bei Ferngesprächen und Auslandsverbindungen. Nur die Deutsche Telekom ist per Telekommunikationsgesetz verpflichtet, Call-by-Call zu ermöglichen.

Wettbewerb verzerrt

„Call-by-call-Angebote mit 0 190er oder 0 900er Rufnummern verstoßen gegen das deutsche Telekommunikationsgesetz (TKG), verzerren den Wettbewerb und verwirren die Verbraucher“, sagt die Regulierungsbehörde nun nach einer öffentlichen Anhörung zum Thema. Die Anbieter des 0 190-Call-by-Call müssen ihre Angebote binnen drei Wochen einstellen. Callax Telecom und Telediscount haben Widerstand angekündigt.

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