CO2-Kompensation Test

Mobilität. Im Schnitt beträgt in Deutsch­land der CO2-Ausstoß pro Kopf für Flugreisen 0,58 Tonnen jähr­lich. Auto, Bus und Bahn schlagen mit 1,61 Tonnen zu Buche.

Das moderne Leben ist voller Annehmlich­keiten, aber auch sehr oft schlecht fürs Klima. Flugreisen, Auto­fahren, Heizen, unser Fleisch­konsum – all das führt dazu, dass die Atmosphäre mit Kohlen­dioxid belastet wird. Mit CO2-Zertifikaten lässt sich der Schaden zum Teil wieder ausgleichen. Doch wie trans­parent und nach­haltig sind die Anbieter einer freiwil­ligen CO2-Kompensation? Unser Test zeigt: 3 von 6 Organisationen machen das sehr gut, zwei sind nur ausreichend.

Was bedeutet „CO2-Kompensation“?

CO2 trägt wesentlich zum Klimawandel bei, weil es verhindert, dass Wärme ins Welt­all entweicht. Darum entstand vor etlichen Jahren die Idee, einen Ausgleich zu schaffen: Wer beispiels­weise von Frank­furt nach Sydney und zurück fliegt, verbraucht ungefähr so viel CO2 wie der Durch­schnitts­deutsche in einem ganzen Jahr – sämtliche Auto­fahrten, Heizen und Nahrungs­mittel­konsum inklusive. Dafür kann man mit einer Ausgleichs­zahlung an Organisationen wie Atmosfair, Primaklima & Co „Buße“ tun. Mit dem Geld werden zum Beispiel Auffors­tungs­projekte im Regen­wald oder der Einsatz von Solar­lampen in Entwick­lungs­ländern finanziert. Kompensation heißt, dass an anderer Stelle konkret dieselbe Menge CO2 einge­spart wird, die der Kunde – etwa indem er ein Flugzeug nutzt – verbraucht.

Jeder Deutsche verursacht im Schnitt 11 Tonnen CO2 pro Jahr

Die Kompensations­möglich­keiten sind allerdings nicht nur auf einzelne Reisen beschränkt. Wer will, kann seinen CO2-Fußabdruck für ein ganzes Jahr bestimmen und kompensieren. Klima­verträglich wäre ein Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 zwischen ein und zwei Tonnen. Tatsäch­lich verursachen die Deutschen im Schnitt rund 11 Tonnen CO2 im Jahr. Im Vergleich mit den Industrieländern liegt Deutsch­land interna­tional im Mittel­feld. Weit größere Klimasünder sind die USA und vor allem Australien.

Das bietet unser Test CO2-Kompensation

Test­ergeb­nisse. Wir haben sechs Organisationen untersucht, über die Verbraucher (selbst­ver­ursachte) Treib­hausgase kompensieren können. Wir wollten wissen, was die Anbieter konkret für den Klima­schutz tun und wie sie über ihr Handeln Rechenschaft ablegen. Unsere Test­tabelle zeigt, wie die Anbieter Arktik, Atmosfair, Klima-Kollekte, Klimamanu­faktur, Myclimate und Primaklima in den Prüf­punkten Qualität der Kompensation, Trans­parenz sowie Leitung und Kontrolle abschneiden. Außerdem haben wir ermittelt, wie viel für die Kompensation jeweils fällig ist. Die Preise reichen von 5 bis 23 Euro pro Tonne CO2.

CO2-Fußabdruck. Wir erklären, wie der ökologische „Fußabdruck“ erhoben wird, wie Sie Ihren persönlichen CO2-Verbrauch ausrechnen − und welchen Weg Ihr Geld nimmt, wenn Sie es einem Anbieter von CO2-Kompensation über­weisen. Eine Grafik zeigt, wie groß die Pro-Kopf-Treib­haus­emissionen in ausgewählten Ländern sind. Ein Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe von CO2-Äquivalent bis Verschmut­zungs­rechte.

Heft-Artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Artikel aus Finanztest 3/2018.

Sechs Anbieter im Test

Die sechs Anbieter im Test wenden sich mit ihren Kompensations­angeboten auch an Privatkunden. Sie unterstützen dazu über­wiegend Klima­projekte mit erneuer­baren Energien oder zur Energieeffizienz in Entwick­lungs­ländern. Im afrikanischen Ruanda zum Beispiel versorgt der Anbieter Atmosfair Haushalte mit effizienten Öfen. Das spart Brenn­stoff. In einem anderen Projekt baut Atmosfair Biogas­anlagen für Bauern in Nepal. Zum Angebot der Klima-Kollekte gehört unter anderem ein Projekt in Indien, wo mit Kerosin betriebene Lampen durch Solar­lampen ersetzt werden. Primaklima konzentriert sich auf das Thema Wald.

Ist Auffors­tung zur CO2-Kompensation geeignet?

Wald speichert CO2, Auffors­tungen scheinen daher die Lösung schlecht­hin für das Klima­problem zu sein. Doch als CO2-Kompensation sind Auffors­tungen umstritten. Warum das so ist, erfahren Sie, wenn Sie unseren Test frei­schalten.

Projekte sollen nicht nur dem Klima nutzen

Die Preise für die Kompensation reichen von 5 bis 23 Euro pro Tonne CO2. Die Unterschiede hängen unter anderem von der Art der Projekte ab. Daher sind die Preise nicht in unsere Bewertung einge­flossen. Entscheidend für das Test­urteil war vor allem die Qualität der Kompensation. Um sie messen zu können, haben wir die Zertifikate bewertet, mit denen den Projekten die CO2-Einsparung bescheinigt wird. Die besten Zertifikate stellen sicher, dass Projekte nicht nur dem Klima, sondern auch den Menschen nützen.

Wohin fließt das Geld?

Weil es nicht ihr eigenes Geld ist, mit dem die Anbieter von CO2-Kompensation arbeiten, sondern das der Verbraucher, stellen wir hohe Anforderungen an die Trans­parenz. Wer zahlt, soll wissen, wohin sein Geld fließt. Ebenfalls in das Gesamt­urteil einge­flossen ist, wie die Anbieter sich organisiert haben. So sollten sie verhindern, dass Geld veruntreut werden könnte, etwa durch das Vier-Augen-Prinzip oder externe Wirt­schafts­prüfung. Über ihre Klima­schutz­projekte informieren alle sechs Anbieter im Test, aber nur zwei haben unsere Erwartungen voll erfüllt.

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