CIS Deutsch­land Meldung

Ein aktuelles Gerichts­urteil spricht einem Anleger Schadens­ersatz zu, weil der Verkaufs­prospekt des geschlossenen Fonds „Garantie Hebel Plan 08“ fehler­haft war: Der Prospekt nannte eine Hamburger Gesell­schaft als Allein­aktionärin des Emissions­hauses CIS Deutsch­land. Tatsäch­lich gehörte es aber Daniel Shahin, Heraus­geber der Zeit­schrift Der Freie Berater und Chef der Vertriebs­firma Carpe Diem, die sich für CIS-Fonds ins Zeug legten. Das Urteil eröffnet neue Klage­chancen für Geschädigte.

Riskante Zins­differenz­geschäfte

Als „unabhängige Finanz­zeit­schrift für Jedermann“ bezeichnete sich das Magazin Der Freie Berater selbst. Zum 10-jährigen Jubiläum frohlockte Heraus­geber Daniel Shahin am Juli 2011: „Was unsere Zeit­schrift ausmacht, sind die Prinzipien Wahr­heit, Klarheit und Ehrlich­keit.“ Die Zeit­schrift pries mehr­fach geschlossene Fonds des Emissions­hauses CIS Deutsch­land, zum Beispiel den „Garantie Hebel Plan 08“. Der verfolgte eine riskante Strategie: Er nahm in großem Stil Kredite auf und setzte darauf, dass die Renditen seiner Investments, zum Beispiel in Lebens­versicherungen, höher ausfielen als die Zinsen für die Kredite.

Zeit­schrift verriss konventionelle Sparformen

Zudem hämmerte die Zeit­schrift ihren Lesern ein, dass mit konventionellen Anlageformen wie Kapital­lebens­versicherungen, Sparbüchern oder Bauspar­verträgen lang­fristig kein Blumentopf zu gewinnen sei. Das war auch eine Kern­botschaft im Film „Aufklärung über die Massenmanipulation durch Anbieter und Medien“, den ein Berater 2009 einem Interes­senten vorführte. Den über­zeugte die Darstellung und Beratung so, dass er sogar eine Lebens­versicherungs­police kündigte, um Anteile am Garantie Hebel Plan 08 zu zeichnen.

Mit der Unabhängig­keit war es nicht weit her

Was der Anleger damals nicht ahnte: So unabhängig, wie er dachte, war das Lob für den geschlossenen Fonds im Film und in der Zeit­schrift nicht, und es war auch nicht alles wahr, was im Verkaufs­prospekt für den Fonds stand. Zur Unter­nehmens­gruppe von Daniel Shahin gehörte nicht nur die Zeit­schrift, sondern auch die Vertriebs­gesell­schaft Carpe Diem, für die sein Berater über eine Unter­vermitt­lerin tätig war. Doch damit nicht genug: Später stellte sich heraus, dass auch das Emissions­haus CIS Deutsch­land dazu gehörte. Im Prospekt war eine GSA als Allein­aktionärin genannt – tatsäch­lich war es aber Daniel Shahin.

Verflechtung war falsch dargestellt

Die personelle Verflechtung war im Prospekt also falsch dargestellt. „Damit ist der Prospekt objektiv fehler­haft“, befand das Land­gericht Frank­furt, bei dem der Anleger Klage einge­reicht hatte. Es verurteilte das Emissions­haus CIS und die Gründungs­gesell­schafterin am 15. Oktober 2013 dazu, ihm seinen Schaden zu ersetzen (Az. 2–32 O 59/13). Und der ist hoch: Das Geschäfts­modell des Fonds ging nicht auf. Zudem ist die recht­liche Lage verworren, weil Shahin das Emissions­haus an die S&K-Gruppe verkaufte, die in einen großen Anlage­skandal verstrickt ist. Das Urteil ist nicht rechts­kräftig.

Urteil eröffnet neue Klage­chancen

Der Prospekt­fehler eröffnet neue Klage­chancen gegen Shahin. „Daher haben wir inzwischen auch erste Klagen vorbereitet, bei denen Herr Shahin persönlich als Beklagter aufgeführt wird“, berichtet der Rechts­anwalt Klaus Seimetz aus Ottweiler, dessen Kanzlei mehrere Anleger von CIS vertritt, unter anderem den Kläger in dem Prozess vor dem Land­gericht Frank­furt. Auch bei anderen Fonds des Emissions­hauses CIS Deutsch­land ist im Prospekt die Hamburger Gesell­schaft GSA als Allein­aktionärin genannt und nicht Shahin. Finanztest hat 2008 vor den riskanten Zinsdifferenzgeschäften gewarnt.

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