Interview: Fett ist Balsam für die Seele

Burger Test

Professor Dr. Gerald Hüther ist Neurobio­loge an der Psychiatrischen Universitätsklinik Göttingen.

Warum manche immer dicker werden, hat eine Menge mit dem Essverhalten unter Stress zu tun.

Fastfood ist ins Gerede gekommen. Sind Mc Donald´s, Burger King & Co. schuld am wachsenden Übergewicht?

So einfach ist das natürlich nicht. Das Problem ist nicht, dass man mal dort isst. Das Problem besteht darin, dass bei manchen ein bestimmtes Essverhalten zwanghaft wird. Das heißt, dass sie vor allem Fett und Süßes in großen Mengen verzehren.

Was sind die Gründe?

Das lässt sich neurobiologisch erklären. Gerade Kinder leben heute mit einer großen Unruhe. Und unter Stress ändern viele ihr Essverhalten. Gestresste bekommen aber nicht Appetit auf einen Teller kalorienarmes Gemüse, sondern Lust auf Süßes oder Fettes.

Warum ist das so?

Die meisten haben schon einmal erfahren, dass Süßigkeiten irgendwie helfen, mit Stress fertig zu werden. Diese Wirkung lässt sich auch mit Fett erreichen, es ist Balsam für die Seele. Beides beeinflusst das serotogene System im Gehirn so, dass mehr Serotonin freigesetzt wird. So wird man weniger ängstlich und verunsichert, fühlt sich ruhiger und glücklicher. Deshalb wird Serotonin auch als Glückshormon bezeichnet.

Und wie gehts weiter?

Diese Wirkung hält nicht lange an – mit Süßigkeiten höchstens eine Stunde, mit Fett etwas länger. Da kommt man leicht in Gefahr, schnell wieder zuzulangen. Schließlich sind diese Leckereien heutzutage ja leicht verfügbar, nicht nur in Fastfood-Restaurants, sondern auch beim Bäcker oder im Supermarkt griffbereit an der Kasse.

Haben Sie ein Rezept?

Das ist schwer. Im Grunde kommt es auf die innere Haltung an. Es wäre schön, wenn man Essen weniger instrumentalisiert als schnellen Glücksbringer oder als bloße Nahrungszufuhr. Fastfood hat unser Essen entwertet. Essen kann ja auch eine Gaumenfreude sein und hat eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion. Gemeinsame Mahlzeiten werden aber immer seltener. Dabei wären sie gerade für Kinder sehr wichtig.

Was könnte noch helfen?

Mehr Bewegung wäre gut. Sie verbraucht nicht nur Kalorien, sondern ist auch gut für das Gehirn. Das zeigen neurobiologische Untersuchungen. Bewegung macht aber nur glücklich, wenn man sich dabei nicht unter Zwang gesetzt fühlt. Sonst wird es wieder Stress – und dann muss man aus lauter Frust gleich wieder etwas essen.

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