Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test Schad­stoffe in jedem dritten Set

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test - Schad­stoffe in jedem dritten Set
Gift im Stift. Kinder knabbern gern an Stiften oder bemalen sich. Das kann ungesund sein. © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Ob in Schule oder Kinder­zimmer: Bunt­stifte, Fasermaler und Tinten sind zeitlose Begleiter. Doch viele sind mit Schad­stoffen belastet. Jedes dritte Set im Test ist mangelhaft.

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test

  • Testergebnisse für 17 Bunt­stifte 08/2018 Anzeigen
  • Testergebnisse für 12 Fasermaler 08/2018 Anzeigen
  • Testergebnisse für 6 Tinten­patronen 08/2018 Anzeigen
Inhalt

Glit­zerstern­chen, bunte Bild­chen: Malstifte sind nicht nur verpackt wie Spielzeug, Kinder behandeln sie auch so. Sie knabbern an ihnen herum, bemalen Hände und Arme, lecken an der Mine oder klecksen mit Tinte. Kaum ein Kind käme auf die Idee, sich die bunten Farben sofort abzu­waschen. Kein Problem, solange Minen, Lack und Tinte keine Schad­stoffe enthalten. Aber was, wenn doch? Das möchten sich fürsorgliche Eltern lieber nicht ausmalen.

Unser Rat

Viele der geprüften Bunt­stifte, Fasermaler und Tinten enthalten Schad­stoffe, die Krebs erzeugen oder Allergien auslösen können. Erinnern Sie Ihre Kinder daran, nach dem Malen die Hände zu waschen. Größere Farb­flecken sollten Sie gleich abwaschen.

Bunt­stifte.
Die Schad­stoffe befinden sich in Lack oder Mine.

Wählen Sie nach Möglich­keit unla­ckierte Stifte aus naturbelassenem Holz. Bei belasteten Stiften besteht zwar keine akute Gefahr, dennoch raten wir, vorsorglich auf unbe­denk­liche Modelle zu wechseln.

Fasermaler.
Zwei Stifte-Sets enthalten Konservierungs­stoffe, die bei Haut­kontakt sensibilisieren und Allergien auslösen können. Den Groß­teil der geprüften Filz­stifte können wir aber empfehlen.
Tinte.
Fast alle Tinten enthalten Konservierungs­stoffe, die Allergien verursachen können. Meiden Sie diese. Achten Sie darauf, dass sich Kinder nicht groß­flächig anmalen. Wenn ja: keine Panik. Waschen Sie die Tinte aber bald ab.

Ungesunde Mischung

Die Stiftung Warentest hat 35 Sets von Mal- und Schreib­utensilien auf Schad­stoffe geprüft: 17 Sets mit Buntstiften, 12 mit Fasermalern und 6 Tinten. Die Ergeb­nisse sind alarmierend: Jedes dritte Set fällt durch. In sechs Bunt­stift-Sets fanden wir kritische Mengen von Stoffen, die Krebs erzeugen können oder im Verdacht stehen, dies zu tun. Darunter preis­werte von Müller, Tedi und Ross­mann ebenso wie teure von Lamy und Staedtler. Fast alle Tinten enthielten Konservierungs­mittel, die Allergien verursachen können – die güns­tigen von Herlitz und Kreuzer genauso wie die teureren von Lamy, Online und Pelikan. Nur die Tinte von Schneider war frei davon. Die gleichen Konservierungs­stoffe fand unser Prüf­labor auch in den Fasermalern von Bic Kids und Idena.

Wir haben in den Bunt­stiften, Fasermalern und Tinten gezielt nach kritischen Substanzen gefahndet: Azofarb­mittel, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, Schwer­metalle, Phthalat-Weichmacher, Konservierungs­stoffe und Löse­mittel (Glossar). Bunt­stifte und Fasermaler gelten nach einer Leit­linie der Europäischem Kommis­sion als Spielzeug, Tinten aber nicht. Wir haben uns bei der Beur­teilung an den Grenz­werten der Spiel­zeugnormen und dem GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit orientiert. Für die Bewertung der Tinten haben wir außerdem die Kosmetik­ver­ordnung heran­gezogen.

Krebs­erzeugende PAK

In fünf Bunt­stift-Sets fanden wir kritische Mengen poly­zyklischer aromatischer Kohlen­wasser­stoffe (PAK). Sie entstehen bei unvoll­ständiger Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl. Sie gelangen oft als Verunreinigung in Produkte. Einige von ihnen können Krebs erzeugen, das Erbgut verändern oder die Fort­pflan­zung gefährden. Die mangelhaften Bunt­stifte von Lamy, Müller, Ross­mann, Staedtler und Tedi enthielten PAK, die als krebs­verdächtig oder krebs­erzeugend einge­stuft sind oder deren Gehalt über dem Grenz­wert des GS-Zeichens lag.

Gefähr­liche Azofarb­mittel

In einigen Bunt­stiften fanden wir außerdem aromatische Amine, die aus Azofarb­mitteln stammen. Einige dieser Stoffe können Tumore verursachen oder stehen im Verdacht, dies zu tun. Anbieter versichern zwar, es bestehe kein Grund zur Sorge, da die schädlichen Amine fest in Azopigmente einge­bunden seien, die als schwer löslich gelten. Tatsäch­lich liegen in den von uns geprüften Stiften keine freien aromatischen Amine vor, die sich in Wasser lösen lassen. Dennoch: Es ist nicht auszuschließen, dass körper­eigene Enzyme oder Bakterien auf der Haut die Amine aus den Azopigmenten abspalten. Auch das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) äußert Bedenken: Es lasse sich nicht generell sagen, dass Bunt­stiftminen und -lacke unbe­denk­lich seien, teilte das BfR auf Anfrage mit.

Das Risiko ist allerdings geringer als bei löslichen Azofarb­stoffen. Wir haben daher die mit aromatischen Aminen belasteten Stifte noch mit Ausreichend bewertet, sofern sie keine problematischen Mengen anderer Schad­stoffe enthielten. Kritische Mengen an Azopigmenten fanden sich in rotem und gelbem Lack sowie in schwarzer, roter, dunkelbrauner und orangener Mine.

Dass es auch ohne Risiko geht, zeigen die Bunt­stifte mit guten Noten: Faber-Castell, Stabilo, Bic Kids, Mäc Geiz und Depesche.

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test

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Allergien durch Fasermaler und Tinten

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test - Schad­stoffe in jedem dritten Set
© Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Bei Tinten für Füller und in Fasermal­stiften liegen die Probleme anders. Beide enthalten wäss­rige Lösungen. Der Einsatz von Wasser führt jedoch dazu, dass Produkte anfäl­lig für Schimmelpilze und Bakterien sind. Um das zu verhindern, setzen Anbieter den Faser­stiften und Tinten Konservierungs­mittel zu. Einige greifen dabei auf Isothiazolinone zurück, von denen manche – wie zum Beispiel Methylisothiazolinon und Benzis­othiazolinon – Allergien verursachen können. Der Informations­verbund dermatologischer Kliniken schätzt, dass etwa bis zu zwei Millionen Menschen in Deutsch­land Methylisothiazolinon gegen­über sensibilisiert sind. Hersteller setzten den Stoff ab 2009 verstärkt zum Konservieren von Kosmetika ein, nachdem Parabene – bis dahin das Konservierungs­mittel der Wahl – wegen hormon­ähnlicher Wirkung in Verruf geraten waren.

Mitt­lerweile sind die kritischen Isothiazolinone in Cremes und Salben verboten. Methylisothiazolinon ist noch in sogenannten Rinse-off-Produkten – eng­lisch für abspül­bar – wie Shampoo in geringen Mengen erlaubt.

Wir haben Isothiazolinone in Fasermalern und Tinten nach den Grenz­werten der Spiel­zeugnorm oder der Kosmetik­ver­ordnung für Rinse-off-Produkte bewertet. In fünf der sechs Tinten sowie in zwei der zwölf Fasermaler lagen die gefundenen Gehalte über diesen Werten, sie erhielten ein Mangelhaft. Die anderen Produkte konservieren ohne diese Isothiazolinone.

Teuer heißt nicht unbe­dingt gut

Teure Malsachen, wenig Schad­stoffe? So einfach ist es nicht. Die einzige empfehlens­werte Tinte von Schneider ist mit 12 Cent pro Patrone eher preis­wert. Die beiden mangelhaften Fasermaler zählen allerdings ebenfalls zu den billigeren Stiften.

Der teuerste Bunt­stift ist dagegen zugleich der schlechteste: Mit 79 Cent kostet der mangelhafte Lamy-Farb­stift fast zehn Mal so viel wie der gute Kid‘s-World-Dreikant-Bunt­stift von Mäc Geiz. Im schwarzen Lack des Lamy fanden wir unter anderem sieben krebs­erzeugende PAK – das schlechteste Ergebnis aller untersuchten Bunt­stifte.

Tipp: Der erste Schultag. In unserem Special Einschulung finden Eltern alles, was für einen guten Start wichtig ist.

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17 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 30.08.2019 um 14:51 Uhr
GS-Zeichen für Spielzeug

@megamaus3: Buntstifte gelten nach einer Leitlinie der Europäischen Kommission als Spielzeug. In einem Lack des braunen Buntstiftes von Staedtler fanden wir 3,8 mg/kg Naphthalin. Naphthalin steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Die europäische Spielzeugrichtlinie, die seit 2009 in Kraft ist, erklärt generell, dass in Spielzeug keine Stoffe verwendet werden dürfen, die als krebserzeugend oder krebsverdächtig eingestuft sind, erlaubt dann aber eine Ausnahme von 0,1 bzw 1 % (10.000 mg/kg). Dieser allgemeine Wert ist toxikologisch nicht begründet. Er wird für viele krebserzeugende oder krebsverdächtige Stoffe als nicht ausreichend für den Schutz der Gesundheit der Kinder angesehen. Für immer mehr Stoffe wird daher in der Spielzeugrichtlinie für Spielzeug für Kinder unter drei Jahren der Grenzwert auf die Nachweisgrenze gesenkt. Wir haben uns bei der Bewertung von Naphthalin am GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit orientiert, da wir den allgemeinen Grenzwert in der Spielzeugrichtlinie von 1 % für krebsverdächtige Stoffe als viel zu hoch ansehen. Der Grenzwert für Naphthalin im GS-Zeichen liegt für Spielzeug mit längerem Hautkontakt bei 1 mg/kg bzw. 2 mg/kg für andere Materialien mit längerem Hautkontakt. Da Kinder einer Vielzahl von Schadstoffen aus verschiedenen Produkten ausgesetzt sind, sollten gesundheitsgefährdende Stoffe aus Vorsorgegründen soweit reduziert werden wie es technisch möglich ist. Dass es möglich ist, zeigen die vielen Buntstifte, die die Anforderungen des GS-Zeichens einhalten. (RE/Se)

megamaus3 am 29.08.2019 um 10:00 Uhr
PAK-Werte nach EG Verordnung oder GS Teil 2

...Unsere Buntstifte erfüllen alle Anforderungen der Spielzeug-Richtlinie 2009/48/EG und
werden gemäß der Norm EN71 geprüft. Das CE Kennzeichnen verweist sowohl auf unseren
Produkten als auch auf unseren Verpackungen auf die Eignung des Stiftes als Spielzeug.
Stiftung Warentest prüfte im Test nach GS. Das deutsche GS Zertifikat, ein freiwilliges
Zeichen für Produktsicherheit, setzt den Grenzwert von Naphthalin auf <2mg/kg. Aufgrund
der Überschreitung dieses Wertes wurden unsere Buntstifte im aktuellen Test von Stiftung
Warentest als mangelhaft bewertet. STAEDTLER lobt GS nicht aus und richtet sich bewusst
nach den gesetzlichen Vorgaben der europäischen Spielzeug-Richtlinie.

megamaus3 am 29.08.2019 um 09:58 Uhr
PAK-Werte nach EG Verordnung oder GS

Das ist die Stellungnahme von Staedtler: Im Rahmen der Untersuchung von Buntstiften durch Stiftung Warentest im August 2018 ist im braunen Lack der Noris Club Buntstifte von STAEDTLER Naphthalin nachgewiesen
worden. Naphthalin, ein farbloser Feststoff, stammt aus der Stoffgruppe der PAK. Dieser Stoff ist nach der Europäischen Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 wie folgt eingestuft: „Kann vermutlich Krebs erzeugen“. Daraus ergibt sich eine Kennzeichnungspflicht ab einem Grenzwert von >=1%. Dies entspricht einer Menge von 10.000 mg/kg. Erst oberhalb dieses Wertes wäre das Produkt als gefährlich eingestuft.
Gemäß Prüfergebnissen von Stiftung Warentest liegt der Gehalt an Naphthalin im Lack des braunen Buntstiftes bei 3,8 mg/kg. Damit liegen wir tausendfach unter dem Grenzwert. Eine Gefährdung der Kinder im Umgang mit unseren Buntstiften war und ist zu keinem Zeitpunkt gegeben. ...

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.06.2019 um 11:05 Uhr
Staedtler - brauner Buntstift

@Ello4: Wir haben eine risikoorientierte Auswahl der Farben vorgenommen. Den PAK-Gehalt haben wir im braunen und schwarzen Stift geprüft, da hier die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, PAK-Verunreinigungen zu aufzuspüren. (RE/Bee)

Ello4 am 20.06.2019 um 08:50 Uhr
Staedtler - brauner Buntstift

Hallo,
Ist bei den Staedtler Buntstiften nur der dunkelbraune Stift belastet? Oder sind es die anderen Farben auch? Im Teststurteil heißt es nämlich: „Naphtalingehalt im dunkelbraunen Lack zu hoch.“
Wir besitzen diese Stifte, wir haben sie mit einem schon befüllten Mäppchen gekauft. Somit könnten wir einfach nur den braunen Stift ersetzen.
Mit freundlichen Grüßen!