Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test Schad­stoffe in jedem dritten Set

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test - Schad­stoffe in jedem dritten Set
Gift im Stift. Kinder knabbern gern an Stiften oder bemalen sich. Das kann ungesund sein. © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Ob in Schule oder Kinder­zimmer: Bunt­stifte, Fasermaler und Tinten sind zeitlose Begleiter. Doch viele sind mit Schad­stoffen belastet. Jedes dritte Set im Test ist mangelhaft.

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test

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Inhalt

Glit­zerstern­chen, bunte Bild­chen: Malstifte sind nicht nur verpackt wie Spielzeug, Kinder behandeln sie auch so. Sie knabbern an ihnen herum, bemalen Hände und Arme, lecken an der Mine oder klecksen mit Tinte. Kaum ein Kind käme auf die Idee, sich die bunten Farben sofort abzu­waschen. Kein Problem, solange Minen, Lack und Tinte keine Schad­stoffe enthalten. Aber was, wenn doch? Das möchten sich fürsorgliche Eltern lieber nicht ausmalen.

Unser Rat

Viele der geprüften Bunt­stifte, Fasermaler und Tinten enthalten Schad­stoffe, die Krebs erzeugen oder Allergien auslösen können. Erinnern Sie Ihre Kinder daran, nach dem Malen die Hände zu waschen. Größere Farb­flecken sollten Sie gleich abwaschen.

Bunt­stifte.
Die Schad­stoffe befinden sich in Lack oder Mine.

Wählen Sie nach Möglich­keit unla­ckierte Stifte aus naturbelassenem Holz. Bei belasteten Stiften besteht zwar keine akute Gefahr, dennoch raten wir, vorsorglich auf unbe­denk­liche Modelle zu wechseln.

Fasermaler.
Zwei Stifte-Sets enthalten Konservierungs­stoffe, die bei Haut­kontakt sensibilisieren und Allergien auslösen können. Den Groß­teil der geprüften Filz­stifte können wir aber empfehlen.
Tinte.
Fast alle Tinten enthalten Konservierungs­stoffe, die Allergien verursachen können. Meiden Sie diese. Achten Sie darauf, dass sich Kinder nicht groß­flächig anmalen. Wenn ja: keine Panik. Waschen Sie die Tinte aber bald ab.

Ungesunde Mischung

Die Stiftung Warentest hat 35 Sets von Mal- und Schreib­utensilien auf Schad­stoffe geprüft: 17 Sets mit Buntstiften, 12 mit Fasermalern und 6 Tinten. Die Ergeb­nisse sind alarmierend: Jedes dritte Set fällt durch. In sechs Bunt­stift-Sets fanden wir kritische Mengen von Stoffen, die Krebs erzeugen können oder im Verdacht stehen, dies zu tun. Darunter preis­werte von Müller, Tedi und Ross­mann ebenso wie teure von Lamy und Staedtler. Fast alle Tinten enthielten Konservierungs­mittel, die Allergien verursachen können – die güns­tigen von Herlitz und Kreuzer genauso wie die teureren von Lamy, Online und Pelikan. Nur die Tinte von Schneider war frei davon. Die gleichen Konservierungs­stoffe fand unser Prüf­labor auch in den Fasermalern von Bic Kids und Idena.

Wir haben in den Bunt­stiften, Fasermalern und Tinten gezielt nach kritischen Substanzen gefahndet: Azofarb­mittel, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe, Schwer­metalle, Phthalat-Weichmacher, Konservierungs­stoffe und Löse­mittel (Glossar). Bunt­stifte und Fasermaler gelten nach einer Leit­linie der Europäischem Kommis­sion als Spielzeug, Tinten aber nicht. Wir haben uns bei der Beur­teilung an den Grenz­werten der Spiel­zeugnormen und dem GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit orientiert. Für die Bewertung der Tinten haben wir außerdem die Kosmetik­ver­ordnung heran­gezogen.

Krebs­erzeugende PAK

In fünf Bunt­stift-Sets fanden wir kritische Mengen poly­zyklischer aromatischer Kohlen­wasser­stoffe (PAK). Sie entstehen bei unvoll­ständiger Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl. Sie gelangen oft als Verunreinigung in Produkte. Einige von ihnen können Krebs erzeugen, das Erbgut verändern oder die Fort­pflan­zung gefährden. Die mangelhaften Bunt­stifte von Lamy, Müller, Ross­mann, Staedtler und Tedi enthielten PAK, die als krebs­verdächtig oder krebs­erzeugend einge­stuft sind oder deren Gehalt über dem Grenz­wert des GS-Zeichens lag.

Gefähr­liche Azofarb­mittel

In einigen Bunt­stiften fanden wir außerdem aromatische Amine, die aus Azofarb­mitteln stammen. Einige dieser Stoffe können Tumore verursachen oder stehen im Verdacht, dies zu tun. Anbieter versichern zwar, es bestehe kein Grund zur Sorge, da die schädlichen Amine fest in Azopigmente einge­bunden seien, die als schwer löslich gelten. Tatsäch­lich liegen in den von uns geprüften Stiften keine freien aromatischen Amine vor, die sich in Wasser lösen lassen. Dennoch: Es ist nicht auszuschließen, dass körper­eigene Enzyme oder Bakterien auf der Haut die Amine aus den Azopigmenten abspalten. Auch das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) äußert Bedenken: Es lasse sich nicht generell sagen, dass Bunt­stiftminen und -lacke unbe­denk­lich seien, teilte das BfR auf Anfrage mit.

Das Risiko ist allerdings geringer als bei löslichen Azofarb­stoffen. Wir haben daher die mit aromatischen Aminen belasteten Stifte noch mit Ausreichend bewertet, sofern sie keine problematischen Mengen anderer Schad­stoffe enthielten. Kritische Mengen an Azopigmenten fanden sich in rotem und gelbem Lack sowie in schwarzer, roter, dunkelbrauner und orangener Mine.

Dass es auch ohne Risiko geht, zeigen die Bunt­stifte mit guten Noten: Faber-Castell, Stabilo, Bic Kids, Mäc Geiz und Depesche.

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test

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Allergien durch Fasermaler und Tinten

Bunt­stifte, Filz­stifte und Tinten im Test - Schad­stoffe in jedem dritten Set
© Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Bei Tinten für Füller und in Fasermal­stiften liegen die Probleme anders. Beide enthalten wäss­rige Lösungen. Der Einsatz von Wasser führt jedoch dazu, dass Produkte anfäl­lig für Schimmelpilze und Bakterien sind. Um das zu verhindern, setzen Anbieter den Faser­stiften und Tinten Konservierungs­mittel zu. Einige greifen dabei auf Isothiazolinone zurück, von denen manche – wie zum Beispiel Methylisothiazolinon und Benzis­othiazolinon – Allergien verursachen können. Der Informations­verbund dermatologischer Kliniken schätzt, dass etwa bis zu zwei Millionen Menschen in Deutsch­land Methylisothiazolinon gegen­über sensibilisiert sind. Hersteller setzten den Stoff ab 2009 verstärkt zum Konservieren von Kosmetika ein, nachdem Parabene – bis dahin das Konservierungs­mittel der Wahl – wegen hormon­ähnlicher Wirkung in Verruf geraten waren.

Mitt­lerweile sind die kritischen Isothiazolinone in Cremes und Salben verboten. Methylisothiazolinon ist noch in sogenannten Rinse-off-Produkten – eng­lisch für abspül­bar – wie Shampoo in geringen Mengen erlaubt.

Wir haben Isothiazolinone in Fasermalern und Tinten nach den Grenz­werten der Spiel­zeugnorm oder der Kosmetik­ver­ordnung für Rinse-off-Produkte bewertet. In fünf der sechs Tinten sowie in zwei der zwölf Fasermaler lagen die gefundenen Gehalte über diesen Werten, sie erhielten ein Mangelhaft. Die anderen Produkte konservieren ohne diese Isothiazolinone.

Teuer heißt nicht unbe­dingt gut

Teure Malsachen, wenig Schad­stoffe? So einfach ist es nicht. Die einzige empfehlens­werte Tinte von Schneider ist mit 12 Cent pro Patrone eher preis­wert. Die beiden mangelhaften Fasermaler zählen allerdings ebenfalls zu den billigeren Stiften.

Der teuerste Bunt­stift ist dagegen zugleich der schlechteste: Mit 79 Cent kostet der mangelhafte Lamy-Farb­stift fast zehn Mal so viel wie der gute Kid‘s-World-Dreikant-Bunt­stift von Mäc Geiz. Im schwarzen Lack des Lamy fanden wir unter anderem sieben krebs­erzeugende PAK – das schlechteste Ergebnis aller untersuchten Bunt­stifte.

Tipp: Der erste Schultag. In unserem Special Einschulung finden Eltern alles, was für einen guten Start wichtig ist.

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