Bundeswertpapiere Meldung

Das Geld für den Bau von Autobahnen oder Schulen leiht sich der Bund auch von ­privaten Anlegern.

Sichere Zinsen und Geld-zurück-Garantie. In turbulenten Börsenzeiten feiern Bundes­wertpapiere ein Comeback. Ein besserer Service soll sie noch attraktiver machen.

Der Bund braucht jeden Euro. Um wieder Geld in die Kassen zu bekommen, „pumpt“ er sich auch Geld von Privatpersonen – in Form von festverzinslichen Wertpapieren wie Bundesanleihen, Bundesobligationen, Finanzierungsschätze und Bundesschatzbriefen.

Obwohl Bundesfinanzminister Hans Eichel jährlich mehr als 40 Milliarden Euro für Zinszahlungen hinblättern muss, ist das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Bundes ungebrochen. Denn das Risiko, dass er seine Zinsen oder sogar die gesamte Kreditsumme nicht zurückzahlen kann, geht gegen null. Schließlich bürgt der Bund mit ­seinem Vermögen und dem Steueraufkommen für die Schulden. Bundeswertpapiere sind deshalb für Anleger, denen die Sicherheit ihrer Ersparnisse am Herzen liegt, erste Wahl.

Dennoch galten sie in Zeiten boomender Börsen als bieder und unattraktiv. Das änderte sich allerdings durch die Börsenflaute der vergangenen Monate. Außerdem hat der Bund einiges dafür getan, die „Bundesschätzchen“ auf modern zu trimmen.

Bundeswertpapiere online

Die Bundesschuldenverwaltung, die seit dem 1. Januar 2002 „Bundeswertpapierverwaltung“ (BWpV) heißt, hat ihren Service schrittweise ausgebaut. Beschränkte sich das Angebot der Bundesbehörde früher lediglich auf die kostenlose Verwaltung der Wertpapiere, so können Anleger seit Juli 2000 dort Bundeswertpapiere direkt und provisionsfrei kaufen. Seit kurzem wird dieses Angebot noch durch Internetbanking ergänzt. Jetzt können Anleger über das Internet Kontostände abrufen, Freistellungsaufträge bearbeiten und Kauf- sowie Verkaufsaufträge online erteilen. Ein besonderer Service: Die Anzeige bereits erhaltener und künftiger Zinszahlungen – wichtig für die genaue Bemessung von Freistellungsaufträgen.

Auch das Management von Sparplänen ist kundenfreundlicher geworden. Früher wurden Sparraten zum Ersten des Monats abgebucht. Seit Anfang dieses Jahres kann jeder Sparer den Termin nun selbst bestimmen. Auch der Überweisungsrhythmus muss bei Sparplänen nicht mehr monatlich sein, sondern der Anleger kann zwischen monatlich bis vierteljährlich wählen. Voraussetzung für diesen Service ist allerdings, dass der Anleger ein Schuldbuchkonto eröffnet.

Bald auch Telefonbanking

„Noch in diesem Jahr sollen sämtliche Transaktionen, die bisher nur über das Internet möglich sind, auch über das ­Telefon machbar sein“, sagt Thomas Dress, Vizepräsident der Bundeswertpapierverwaltung. Mit diesem Service unterscheidet sich die Bundeswertpapierverwaltung kaum noch von Direktbanken. Doch egal ob per Telefon oder über das Internet – die Mög­lichkeit, Bundeswertpapiere direkt bei der Bundesverwaltung zu kaufen, beschränkt sich auf die sogenannten Daueremissionen des Bundes. Hierzu gehören Finanzierungsschätze, Bundesobligationen und Bundesschatzbriefe. Sie werden von der Bundeswertpapierverwaltung auch als Sparplan angeboten. Der Anleger muss allerdings die Mindestanlagesummen einhalten.

Nicht per Telefon oder Internet erhältlich sind Bundesschatzanweisungen sowie Bundesanleihen. Beide werden nur zeitweise ausgegeben und dann über Kreditinstitute verkauft.

Für kurze Laufzeiten

Die Finanzierungsschätze bieten dem Anleger ein- oder zweijährige Laufzeiten ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten. Beachten muss der Anleger, dass es sich hierbei um abgezinste Papiere handelt. Das heißt, der Kaufpreis ermittelt sich aus dem Nennwert abzüglich der Zinsen. Möchte ein Sparer beispielsweise einen Finanzierungsschatz mit einem Nennwert von 500 Euro mit einer Laufzeit von einem Jahr kaufen, bezahlt er nicht die volle Summe, sondern nur 483,55 Euro (Nennwert minus Nominalzins von 3,29 Prozent). Am Ende der Laufzeit erfolgt die Rückgabe zum Nennwert. Bei einer Anlagedauer von ein bis zwei Jahren bieten einige Banken für Festgeld bessere Konditionen an – jedoch mit höheren Mindestanlagesummen. Finanzierungsschätze sind daher eine gute Alternative, um kleinere Anlagebeträge solide verzinst über kurze Laufzeiten anzulegen. Sie sind allerdings nicht vorzeitig kündbar.

Eine Alternative können deshalb Bun­desschatzanweisungen sein. Das sind festverzinsliche Wertpapiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Sie werden
im vierteljährlichen Rhythmus (März, Juni, September, Dezember) aufgelegt und nach Börseneinführung über Banken und Sparkassen verkauft. Ihre Rendite von derzeit 4,25 Prozent liegt einige Zehntelprozentpunkte über den Renditen zweijähriger Finanzierungsschätze. Dieser Vorteil wird aber durch Gebühren beim Kauf über die Banken geschmälert.

Bundesobligationen gehören zu den Daueremissionen des Bundes. Das bedeutet, dass das Volumen und die Zahl der ausgegebenen Papiere nicht begrenzt sind – es gibt aber unterschiedliche Serien. Derzeit legt der Bund pro Jahr zwei Serien mit einer Laufzeit von jeweils 5 ½ Jahren auf. Jede Serie hat dabei eine Emissionsphase von sechs Monaten, in der Anleger Stücke zu aktuellen Konditionen kaufen können. Hierbei fallen keine Gebühren für die Zeichnung an. Nach sechs Monaten wird die Serie geschlossen und und an der Börse gehandelt. Ein Manko der neu aufge­legten Emissionsserien ist ihr überlanger Zinsverlauf. Erst nach 18 Monaten gibt es das erste Mal eine Zinsausschüttung. Bundesobligationen bieten eine bessere Rendite als Finanzierungsschätze und können jederzeit an der Börse verkauft werden, unterliegen jedoch Kursschwankungen. Steigen die Zinsen an den Rentenmärkten, so fallen die Kurse. Anleger, die mit ihren Papieren keine Verluste machen wollen, müssen sie dann bis zum Laufzeitende halten.

Papiere für längere Laufzeiten

Im Bereich der längeren Laufzeiten haben Anleger die Wahl zwischen Bundesschatzbriefen und Bundesanleihen. Bundesschatzbriefe, ebenfalls eine Daueremission des Bundes, werden in zwei Varianten angeboten. Typ A hat eine Laufzeit von sechs Jahren mit jährlicher Zinsauszahlung. Typ B hat eine Laufzeit von sieben Jahren, die Zinsen werden angesammelt und am Ende auf einen Schlag ausgezahlt. Beide Papiere besitzen eine sogenannte Zins-treppe. Ihre Verzinsung steigt in jährlichen Schritten. Aktuell erhalten Anleger im ersten Jahr bei Typ A 3 Prozent und im letzten Jahr 5 Prozent Zinsen. Die Rendite für die gesamte Laufzeit beträgt 4,04 Prozent. Auch eine vorzeitige Rückgabe ist möglich.

Bundesschatzbriefe vom Typ B eignen sich insbesondere für Anleger mit einem hohen Steuersatz. Denn mit ihnen lassen sich Zinserträge auf spätere Zeitpunkte verlagern. Sie sind empfehlenswert, wenn der Anleger weiß, dass die Auszahlung in eine Phase mit einem niedrigeren Einkommen und somit einer entsprechend geringeren Steuerbelastung fällt.

Den längsten Anlagehorizont decken Bundesanleihen ab. Sie haben eine Laufzeit von zehn Jahren und werden zwei bis drei Mal pro Jahr aufgelegt. Bei langen Restlaufzeiten bieten sie die höchsten Renditen aller Bundeswertpapiere. Sie können an der Börse verkauft werden, sind allerdings anfällig für die Zinsschwankungen an den Rentenmärkten. Ein Verkauf vor Ablauf des Papiers ist daher mit Kursrisiken verbunden. Wer dieses Risiko vermeiden möchte, hält die Papiere bis zur Fälligkeit.

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