Bundeswehr Meldung

Seit Jahresbeginn lockt die Bundeswehr Frauen mit Ausbildungsangeboten. Doch eine Familie und der Beruf in Tarngrün sind schwer unter einen Hut zu bekommen.

Für die Bundeswehr ist es ein Segen, dass die Männerdomäne Militär gefallen ist. Rund 30.000 Zeitsoldaten müssen jährlich mühsam geworben werden, Offiziersnachwuchs wird knapp. Für Frauen, die kein Problem mit Befehlen, Kriseneinsätzen und Männergesellschaft haben, erweitert sich so die Auswahl möglicher Arbeitgeber. Interessant könnte der Bund vor allem für diejenigen sein, die dort Ausbildung oder Studium absolvieren wollen.

In der Kaserne zum Meisterbrief

Nach Bestehen der Eignungsprüfungen kann nun jede Frau Pionier, Jetpilotin oder Chefin einer Kampfeinheit werden. Bislang kamen Frauen nur als Musikerin oder im Sanitätsdienst unter, auf eine Stelle als Sanitätsoffizier kamen siebzehn Bewerberinnen. Nun erweitert sich das Spektrum. Neben dem Einsatz in den Kampftruppen zeichnen sich als Vorlieben der Soldatinnen Lehrstellen im Büro- und Technikbereich ab. Zu Recht: Die Ausbildung ist nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages überdurchschnittlich gut.

Wer Kfz-Mechanikerin oder etwa Vermessungstechnikerin werden will, muss sich für vier Jahre verpflichten und entsprechende Schulbildung mitbringen. Dann sichert der Bund die Lehre verbindlich zu. Mitunter muss man für einen Gesellenbrief aber auch länger bleiben. So ist der Abschluss als Krankenschwester nur mit einer zwölfjährigen Verpflichtungszeit zu haben, eine künftige Köchin unterschreibt für acht Jahre und angehende Verwaltungsfachangestellte müssen sechs Jahre bleiben. Dafür erhalten sie während der Lehre eine überdurchschnittliche Bezahlung und einen Abschluss, der im Zivilleben zählt. Wer Ausbildung oder Hochschulreife schon in der Tasche hat, kann beim Bund den Meisterbrief machen oder etwa Informatik studieren. Geprüft werden die Absolventen von der Bundeswehr-Universität oder ­ ganz zivil ­ von den Industrie- und Handelskammern. Daneben bietet der Bund Weiterbildungen an, die man nutzen sollte. Wer in der Kaserne ausschließlich Militärisches gelernt hat, bekommt in der zivilen Berufswelt garantiert Probleme.

Balkan ist Pflicht

Für die Ausbildung fordert die Bundeswehr Gegenleistungen: Neben dem täglichen Dienst müssen Zeitsoldaten derzeit fest damit rechnen, alle zwei Jahre für sechs Monate auf den Balkan geschickt zu werden. Weiterer Nachteil: Nicht immer finden Ausbildung und normaler Dienst am Wohnort statt. So müssen angehende Köche zur Lehre ins westfälische Unna, Lehrlinge der Fluggerätemechanik werden ins bayerische Feldafing abkommandiert. Die normale Dienstzeit läuft dann zwar meist heimatnah ab, eine Garantie gibt der Bund aber nicht. Dies trifft vor allem Soldatinnen, die länger als sechs Jahre bleiben, etwa, weil sie ihren Meisterbrief machen wollen. "Wer bei uns anfängt, verpflichtet sich zur Mobilität. Längerdienende nehmen wir hier beim Wort", erklärt Streitkräftesprecher Hans Peter Buch. "Ausnahmen sind selten."

Beruf ohne Frauenbeauftragte

Keine Frauenquote, keine Teilzeitarbeit, keine Frauenbeauftragte, keine weiblichen Berufsbezeichnungen: Bei der Bundeswehr ist einiges anders. So gilt hier bei Erkrankung nicht die freie Arztwahl, es kuriert grundsätzlich der Truppendoktor. Nur bei gynäkologischen Untersuchungen geht es immer zum zivilen Spezialisten. Ansonsten bietet die truppenärztliche Versorgung im Großen und Ganzen Kassenstandard.

Andere Spielregeln gelten auch bei der sozialen Absicherung: So haben Frauen zwar auch beim Militär Ansprüche auf Mutterschutz, Erziehungsgeld oder Erziehungsurlaub. Laufbahnnachteile sind jedoch für Frauen, die Kinder bekommen, nicht ausgeschlossen, etwa wenn sie nicht an Lehrgängen teilnehmen können. Mitunter droht sogar eine Verlängerung der Dienstzeit, je nach Dauer des Erziehungsurlaubs.

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