Bundesverfassungs­gericht Meldung

Erben von Immobilien werden künftig voraussichtlich höhere Steuern zahlen müssen. Das Bundesverfassungsgericht hat soeben die lang erwartete Entscheidung zur Erbschafts- und Schenkungssteuer verkündet. Das Ergebnis: Nur einen Teil des Werts von Immobilien zu besteuern, verstößt gegen das Gleichbehandlungsgebot und ist damit verfassungswidrig. Dennoch gelten die aktuellen Gesetze weiter. Bis Ende 2008 hat der Bundestag Zeit, eine neue Regelung zu schaffen. test.de sagt, was Immobilienvererber und -erben jetzt noch tun können, um die Immobilien möglichst Steuer sparend an die nächste Generation weiterzugeben.

Immobilienerben noch im Vorteil

Bis zur Verabschiedung eines neuen Gesetzes gilt jetzt weiterhin: Beim Vererben und Verschenken einer Immobilie richtet sich die Höhe der Steuer nicht nach dem vollen Wert. Finanzämter ermitteln in einer komplizierten Berechnung einen speziellen Betrag, der meist 60 bis 80 Prozent des Verkehrswerts ausmacht. Spätestens Anfang 2009 ist es nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts damit vorbei. Wie genau die zukünftige Regelung aussehen wird, ist unklar. Grundsätzlich muss die Erbschafts- und Schenkungssteuer am realen Wert ansetzen. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht dem Bundestag eine Hintertür offen gelassen: Aus Gründen des Gemeinwohls könne der Gesetzgeber die Weitergabe bestimmter Vermögensgegenstände von der Besteuerung verschonen, heißt es in der schriftlichen Begründung zum Gerichtsbeschluss.

Nur nichts überstürzen

Immobilienbesitzer haben also noch genug Zeit, Häuser und Grundstücke Steuer sparend an die nächste Generation weiter zu geben. Statt auf den Erbfall zu warten, können Sie die Immobilie verschenken. Das Finanzamt setzt die Steuern dann nach den aktuellen Regeln fest. Die Entscheidung, im Vorgriff aufs Vererben eine Immobilie zu verschenken, will gut durchdacht sein. Der Aufwand ist hoch. Ohne notarielle Beurkundung geht gar nichts. Die Gebühren dafür und die Kosten der Grundbucheintragung summieren sich schnell auf über 1 Prozent des Immobilienwerts. Hinzu kommt: Im Schenkungsvertrag sollten der oder die Schenkenden Regelungen treffen, die unliebsame Verfügungen über die Immobilie ausschließen und ihnen bei Bedarf ein Wohnrecht sichern.

Möglicherweise freie Wahl

Möglicherweise können Immobilienbesitzer durch den Zeitpunkt für die Übertragung sogar auswählen, ob sie die Weitergabe der Immobilien an ihre Erben nach den aktuellen oder nach den künftigen Regelungen besteuern lassen wollen. Im Einzelfall kann sich das lohnen. Möglicherweise beschließt der Bundestag ja beispielsweise, selbst genutzte Immobilien von der Erbschaftssteuer völlig zu verschonen. Schon jetzt ist allerdings die Weitergabe von Immobilien im Wert von bis zu 310 000 Euro an Ehepartner und im Wert von bis zu 205 000 Euro an Kinder steuerfrei.

Jonglieren mit Wohnrecht

Die Übertragung von Immobilien schon zu Lebzeiten birgt eine weitere Chance: Wenn der Eigentümer das Haus selbst bewohnt, lässt sich die derzeit noch ohnehin schon günstige Besteuerung von Immobilien-Schenkungen noch etwas drücken. So gehts: Bei der Schenkung behält sich der Schenker eine lebenslanges Wohnrecht vor. Der Beschenkte muss dann sofort nur Steuern für den um den Wert des Nutzungsrechts gekürzten Steuerwert der Immobilie zahlen. Den Rest der Steuer stundet das Finanzamt zinslos. Wer trotzdem sofort bezahlt, erhält eine Art Frühzahlerrabatt.

Geld für den Immobilienkauf

Auch beim Verschenken von Geld ist durch Einbeziehung eines Grundstücksgeschäfts zumindest nach den aktuell noch gültigen Regelungen eine satte Steuerersparnis möglich. So gehts: Das Geldgeschenk wird mit der Auflage verbunden, eine bestimmte Immobilie zu kaufen. Soweit das Geldgeschenk den Kaufpreis nicht übersteigt, kommt es für die Schenkungssteuer auf den geringeren steuerlichen Wert des Grundstücks an.

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 7. November 2006
Aktenzeichen: 1 BvL 10/02

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