Bundesgerichtshof Meldung

Anleger getäuscht. Der Prospekt klang gut. Jetzt ist die Göttinger Gruppe pleite.

Führungskräfte von Kapitalanlagefirmen, die mit fehlerhaften Prospekten Kunden fangen, können ihre Verantwortung künftig nicht mehr auf den Anlagevermittler abschieben. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat damit eine Grundsatzentscheidung zum Anlegerschutz gefällt (Az. II ZR 21/06).

Der BGH verpflichtete die Verantwortlichen der zur Göttinger Gruppe gehörenden Securenta AG wegen Prospektfehlern zur Zahlung von Schadenersatz an einen Anleger. Der Mann erhält seine Einlagen zurück und braucht die ausstehenden Raten für eine langjährige Beteiligung nicht mehr zu zahlen.

Das Besondere an dem Fall ist, dass dem Anleger der fehlerhafte Prospekt bei Abschluss gar nicht vorlag und er deshalb nach Ansicht des Saarländischen Oberlandesgerichts nicht Grundlage für seine Anlageentscheidung gewesen sein konnte.

Das sah der II. Zivilsenat des BGH jedoch anders. Der Prospekt sei laut Vertriebskonzept die Grundlage für die Anlegerinformation durch die Vermittler. Deshalb wirkten sich die Fehler genauso aus, als sei der Prospekt dem Anleger ausgehändigt worden.

Nach Einschätzung von Finanztest wird das BGH-Urteil zahllosen Anlegern helfen, die sich zu verlustreichen langjährigen Beteiligungen verleiten ließen. Viele von ihnen haben im Vertrauen auf korrekte Informationen durch ihre Finanzberater Verträge abgeschlossen, ohne die oftmals komplizierten Prospekte zu lesen. Auch sind Prospektfehler für Anleger meist kaum zu erkennen.

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