Auch bei nach Kundenwunsch zusammengestellten Waren gibts bei Versandgeschäften ein Widerrufsrecht. Grundsätzlich gilt: Bei so genannten Fernabsatzgeschäften haben Kunden zwei Wochen Zeit, um zu entscheiden, ob sie die Ware behalten. Bei individuell angefertigten Produkten ist der Widerruf allerdings ausgeschlossen. So das Gesetz. Wenn die Ware jedoch aus Standardbauteilen zusammengefügt wird, bleibt das Widerrufsrecht. Das hat der Bundesgerichtshof heute entschieden (Az. VIII ZR 295/01). Geklagt hatte der Käufer eines Notebooks. Er hatte bei einem Versandhändler bestellt, bei dem Kunden die Ausstattung der Geräte etwa mit bestimmten Prozessoren oder Speichermedien selbst zusammenstellen können.

Kunden im Vorteil

Seit gut einem Jahr gilt beim Kauf per Telefon, Internet, Bestellkarte oder Fax: Ab Erhalt der Ware haben Kunden zwei Wochen lang das Recht, den Kauf zu widerrufen und die Ware einfach zurückgehen zu lassen. Für die Ausübung des Widerrufrechts reicht ein formloses Schreiben, ein Fax oder einfach die Rücksendung der Ware aus. Der Händler muss dann den Kaufpreis zurückzahlen. Auch Gebühren für Porto und Verpackung sind zu erstatten. Wenn nichts anderes vereinbart ist, muss der Händler sogar die Kosten für die Rücksendung übernehmen.

Streit um Ausnahme

Das Gesetz lässt Ausnahmen zu: Der Zuschlag bei Versteigerungen, die Bestellung von Zeitungen oder Zeitschriften sowie der Kauf von Lotterielosen oder Online-Wetten sind vom Widerruf ausgeschlossen. Bei Computerprogrammen, Videos und Musik-CDs ist der Vertrag endgültig bindend, wenn der Käufer das Siegel an der Verpackung geöffnet hat. Schließlich und endlich ist der Widerruf ausgeschlossen bei „Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt werden oder eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind“. So stehts in § 312d des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Verbraucherfreundliche Auslegung

Doch das gilt nach dem verbraucherfreundlichen Urteil des Bundesgerichtshofs nicht für Bestellungen, bei denen nach dem Baukastenprinzip bestimmte Komponenten zu einem Gerät zusammengestellt werden. Wenn die einzelnen Teile ohne besonderen Aufwand wieder getrennt werden können, sei das keine individuell gefertigte Ware im Sinne des Gesetzes, stellten die Bundesrichter klar.

Tipps

  • Bestellung. Das Widerrufsrecht steht Ihnen bei allen Bestellungen per Post, Internet, Telefon oder Fax zu.
  • Frist. Die zweiwöchige Widerrufsfrist beginnt in der Regel bei Erhalt der Ware. Aber: Der Verkäufer muss den Kunden unmissverständlich und korrekt über das Widerrufsrecht informieren. Fehlt der Hinweis auf das Widerrufsrecht oder ist er unvollständig oder falsch, haben Sie sechs Monate Zeit zum Widerruf.
  • Form. Den Widerruf können Sie per Brief, Postkarte oder Fax an den Verkäufer schicken. Auch die Rücksendung der Ware gilt als Widerruf. Sie müssen Widerruf oder Ware nur innerhalb der Widerrufsfrist abschicken. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, schicken Sie ein Einschreiben mit Rückschein.

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