Sogar Kosten für die erste Berufsausbildung können als Werbungskosten beim Finanzamt in voller Höhe geltend gemacht werden. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden und damit die Möglichkeiten, mit Berufsausbildungskosten Steuern zu sparen, deutlich erweitert (Az: VI R 33/01). Schon bisher galt: Kosten für Umschulungsmaßnahmen sind als Werbungskosten abzugsfähig. Die Erstausbildung allerdings werteten die Finanzämter bisher stets nur als Sonderausgaben. Die Folge: Der Abzug war nur in engen Grenzen möglich. Nach der neuen Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofs können Steuerzahler die Kosten jetzt in voller Höhe geltend machen.

Ex-Student hebt ab

Geklagt hatte ein heute 34-jähriger Ex-Student. Er hatte sein Maschinenbaustudium abgebrochen, um Pilot zu werden. Die Ausbildung dazu musste er selbst bezahlen. Rechnungen über insgesamt 16 267 Mark reichte er beim Finanzamt ein und beantragte, für das fragliche Jahr 1995 einen Verlust festzustellen. Dieser Verlust hätte in den folgenden Jahren, als der Kläger wegen der guten Bezahlung als Pilot reichlich Steuern zu zahlen hatte, zu geringeren Einkommenssteuern geführt. Doch die Beamten erkannten die Kosten nicht an. Ihre Argumentation: Nach dem Abbruch des Studiums sei der Pilotenkurs als berufliche Erstausbildung zu werten. Kosten dafür stellen nach dem Wortlaut des Einkommenssteuergesetzes Sonderausgaben dar. Als Werbungskosten könnten sie daher nicht anerkannt werden.

Investition in die Zukunft

Ganz anders der Bundesfinanzhof: Die Kosten für die Pilotenausbildung seien eine wirtschaftlich vernünftige Investition in die Zukunft und müssten daher in voller Höhe als Werbungskosten berücksichtigt werden. Das gehe der gesetzlichen Behandlung von Ausbildungskosten als Sonderausgaben vor. Erforderlich sei nur, dass die Aufwändungen für die Berufsausbildung in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit künftigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit stehen. Wie eng der Zusammenhang zwischen Ausbildung und der Absicht, Einnahmen zu erzielen genau sein muss, ließen die Richter ausdrücklich offen. Denkbar sei auch, dass die Kosten für ein unmittelbar nach dem Schulabschluss aufgenommenes Studium als vorab entstandene Werbungskosten berücksichtigt werden müssen.

Weitreichende Folgen

Nach dem jüngsten Urteil des Bundesfinanzhofes steht fest: Kosten für berufliche Ausbildung sind von den Finanzämtern bei der Steuererklärung meist in voller Höhe zu berücksichtigen. Eine zusätzliche Steuerersparnis ist in allen Fällen möglich, in denen der Steuerbescheid für ein Jahr, in dem bislang noch unberücksichtigte Ausbildungskosten angefallen sind, noch nicht bestandskräftig ist. Einschränkung: In welchen Fällen genau die Kosten für Aus- oder Weiterbildung als vernünftige Investition in die Zukunft zu werten und damit als Werbungskosten abzugsfähig sind, lässt sich nicht genau vorhersagen. Fürs Studium hat der Bundesfinanzhof im aktuellen Urteil noch ausdrücklich offengelassen, ob die Kosten als Werbungskosten anzuerkennen sind.

Tipps

  • Einspruch. Wenn Sie innerhalb des vergangenen Monats einen Steuerbescheid erhalten haben, in dem Kosten für die berufliche Ausbildung nicht oder nur als Sonderausgaben berücksichtigt worden sind, legen Sie unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs Einspruch ein.
  • Steuererklärung. Geben Sie eine Steuererklärung auch für solche Jahre ab, in denen Sie wegen Ausbildung oder Studium keine oder nur geringfügige Einkünfte hatten. Wenn die Ausbildungskosten die Einkünfte übersteigen, können Sie beim Finanzamt die Feststellung von Verlusten beantragen. Mit solchen Verlusten können Sie womöglich in späteren Jahren Steuern sparen.
  • Einzelheiten. Was genau bei der Steuererklärung zu berücksichtigen ist, erklärt der Finanztest-Report Bildung im Beruf: Mehr absetzen. Die dort noch auf Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen bezogenen Angaben gelten jetzt auch für die berufliche Erstausbildung.

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