Bundes­anleihen Meldung

Finanz­minister Wolfgang Schäuble kann jetzt auch einen Zehn­jahres­kredit aufnehmen – und kriegt noch Geld dafür.

Auf minus 0,01 Prozent fiel heute die Rendite für zehnjäh­rige Bundes­anleihen. Für kürzere Anleihel­aufzeiten muss der Finanz­minister schon längst nichts mehr bezahlen. Bundes­wert­papiere mit einer zweijäh­rigen Lauf­zeit weisen eine Minusrendite von knapp 0,6 Prozent auf. Auch für Unter­nehmens­anleihen sinkt die Verzinsung. Was bedeutet das für Anleger? test.de erklärt‘s – und gibt Tipps, wie sich das Beste aus der Situation machen lässt.

Minus 0,01 Prozent pro Jahr für zehn Jahre

Schöner Gedanke: Man geht zur Bank, nimmt einen Kredit auf und bekommt noch Geld dafür. Für normale Kunden nur ein Traum, für den Bundes­finanz­minister Wirk­lich­keit. Für Anleihen kürzerer Lauf­zeiten muss der Bund schon lange keine Zinsen mehr zahlen, sondern bekommt welche dafür. Neu ist, dass nun auch deutsche Staats­anleihen mit einer Lauf­zeit von zehn Jahren Minusrenditen aufweisen. „Zehnjäh­rige Staats­renditen sind im Finanzwesen das Maß aller Dinge. Das Minuszeichen vor dem Zins verdeutlicht nicht nur symbolisch, inwieweit die Welt Kopf steht. Das Wegschmelzen dieser Referenz­größe verzerrt sämtliche Anla­geklassen“, sagt Stefan Kreuzkamp von der Deutschen Asset Management. Vergangene Woche ist bereits die Umlaufrendite ins Minus gerutscht. Sie ergibt sich aus den Renditen für Bundes­wert­papiere verschiedener Lauf­zeiten und betrug am 6. Juni erst­mals minus 0,02 Prozent.

Rentenfonds im Plus

Für Anleger ist diese Welt von Nied­rig- und Negativzinsen leider keine schöne: Ihre Erspar­nisse werfen kaum noch Erträge ab. Mit einer Ausnahme: Wer Zins­papiere in Form von Rentenfonds hält, kann sich in diesen Tagen über Kurs­gewinne freuen. Denn je weiter die Zinsen in Richtung Null­linie oder sogar darunter rutschen, desto wert­voller sind die alten, noch höher verzinsten Anleihen in den Fonds – und umso höher steigen ihre Kurse. Der Indexfonds iShares eb.rexx Government Germany, ein ETF, der in deutsche Staats­anleihen investiert, hat in einem Jahr um 3,8 Prozent zugelegt (Stichtag 13. Juni 2016). Soweit die gute Nach­richt. Die schlechte: Sollten die Zinsen dauer­haft nied­rig bleiben, dürften die Fonds­renditen in Zukunft nicht mehr so hoch ausfallen.

Brexit macht Angst

Ein Grund für die sinkenden Anleiherenditen sei der drohende Ausstieg Groß­britanniens aus der EU: Sollte es zum Brexit kommen, fürchten Investoren Turbulenzen an den Aktienmärkten – daher die vorsorgliche Flucht in Sicherheit. Die Abstimmung in Groß­britannien findet am 23. Juni 2016 statt, und das Ergebnis ist nach wie vor offen.

Noten­banken sorgen für Nied­rigzins­umfeld

Ein weiterer Grund ist die Nied­rigzins­politik der Noten­banken. Beispiels­weise wird die US-Noten­bank Federal Reserve die Leitzinsen wohl nicht so bald erhöhen wie angenommen. Und die Europäische Zentral­bank EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Juni ihre aktuelle Geld­politik bekräftigt: Der Leitzins verharrt bei null, die Einlagenzinsen für Banken bleiben bei minus 0,4 Prozent. Die Anleihekäufe werden fortgesetzt, seit 8. Juni 2016 kauft die EZB außer Staats­anleihen auch Unter­nehmens­papiere. Seither ist die Umlaufrendite für Unter­nehmens­anleihen unter zwei Prozent im Jahr gefallen.

Auch anderswo gibt‘s Geld für Kredite

Deutsch­land steht mit Minuszinsen auf zehnjäh­rige Staats­papiere interna­tional übrigens nicht alleine da. Mit minus 0,5 Prozent am nied­rigsten rentieren zehnjäh­rige Schweizer Papiere. In Japan liegt die Rendite bei minus 0,16 Prozent pro Jahr. In den USA hingegen sieht es für Investoren noch besser aus: Für zehnjäh­rige Treas­uries gibt es derzeit knapp 1,6 Prozent pro Jahr. Die nächste zehnjäh­rige Bundes­anleihe mit einem geplanten Emissions­volumen von fünf Milliarden Euro soll am 13. Juli 2016 auf den Markt kommen.

Tipps für Anleger

Was die nied­rigen Zinsen für Anleger bedeuten und welche Alternativen es zum sicheren, aber kaum noch verzinsten Tages­geld gibt, zeigt unser Special Niedrige Zinsen und die Politik der EZB, das unter anderem die Themen Alters­vorsorge und Geld­anlage in Immobilien beleuchtet und sich der Frage zuwendet, was die EZB-Maßnahmen eigentlich bringen.

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