Das mobile Büro. Schön wärs: PC und Schreibtisch durch ein Tablet ersetzen und unterwegs arbeiten.

Unterwegs Texte schreiben, Tabellen und Präsentationen erstellen – mit Büro-Apps fürs Tablet geht das. Wer damit jedoch ernst­haft arbeiten will, braucht starke Nerven.

Schreib­maschine und Abakus haben ausgedient. Auch der PC setzt Staub an. Heute klemmen einige das Büro unter den Arm und nehmen den „Papierkram“ mit: auf einem Tablet. Dank Büro-Apps erledigen sie unterwegs, was sonst nur am Schreibtisch zu voll­bringen war. Im Zug schnell eine Passage in die Diplom­arbeit einfügen oder der Präsentation den Fein­schliff geben. Das „Büro to go“ könnte so praktisch sein. Ist es aber nicht.

Keines der kleinen Programme im Test schneidet gut ab, fast die Hälfte ist nicht zu empfehlen. Texte bearbeiten, Zahlen in einer Tabelle kalkulieren und Präsentationen erstellen – das sollten sie können. Einige sind so schlicht, dass sie simple Befehle wie die Schrift­art ändern nicht ausführen. Alle 13 geprüften Büro-Apps eint ein Problem: Bearbeitete Dateien haben oft mit dem Original nicht mehr viel gemein, sobald sie außer­halb des Tablets – etwa am PC mit Microsoft Office – weiterverwendet werden.

Die Tester luden gefragte Büro­programme für Tablets aus App-Stores herunter. Sieben Programme taugen für Apples Betriebs­system iOS, sechs für Googles Android. Einige gabs gratis, andere kosteten zwischen 89 Cent und 27 Euro. Angeboten werden sie von Herstel­lern aus den USA, China und England. Beim Daten­schutz gibt es wenige Mängel Datenschutz.

Vorbereitung ist alles

Unterwegs im Zug, die mobile Büro­arbeit beginnt. Auf dem Tablet will unser Reisender die fast fertige Diplom­arbeit aufpeppen. Seine Text­datei hat er zuhause auf eine MicroSD-Speicherkarte über­tragen. Möglich wäre auch, sie aus einem Internetspeicher, der Cloud, herunter­zuladen. Allein die Büro-App AndrOpen Office hat keine Anbindung an einen Onlinespeicher.

Anfreunden mit Tastatur und Menü

Wie gewohnt mit der Text­bearbeitung starten – daraus wird nichts. Auf dem Tablet gestaltet sich alles ein wenig anders. Ohne externe Tastatur ist das Tippen umständlich.

Anfreunden muss sich der Nutzer auch mit den Menüs der Apps. Selten ähneln sie der vom PC gewohnten Arbeits­oberfläche. Freude macht es, die Android-App Kingsoft Office zu bedienen, ebenso die drei Apple-Programme Pages, Numbers und Keynote, die wir im Paket geprüft haben.

Nah dran am Design von Microsoft Office ist AndrOpen Office. Ärgerlich nur, dass die Oberfläche nicht für die Tablet-Nutzung optimiert wurde. Viele Befehle funk­tionieren auf dem Tablet nicht – etwa die vermeintliche Druck­option. Bei anderen Apps lassen sich Dokumente über Anwendungen wie Apples „Airprint“ oder Googles „Cloud Print“ ausdrucken.

Do you speak English?

Dass die Menüs zum Teil oder wie bei den iOS-Apps Kingsoft Office und OliveofficeHD voll­ständig in Eng­lisch gehalten sind, macht das Ganze nicht leichter. Umfassende Hilfe auf Deutsch gibt es nur bei Pages, Numbers, Keynote. Das Trio hat nicht nur eine sehr gute Hilfe­funk­tion, es schlug sich im Test auch insgesamt am besten.

Texte verlieren an Format

Hier einen Satz ändern, dort eine Fußnote einfügen, einen kritischen Absatz rot färben oder Text durch die Recht­schreibprüfung jagen. Wenige Programme wie Quick­office für Android oder Pages für iOS beherr­schen viele Grund­funk­tionen der Text­bearbeitung. Die meisten Apps offen­baren Lücken. In docx-Dateien einen Satz fetten und dann abspeichern – nicht einmal das schafft AndrOpen Office. Mit allen getesteten Dateiformaten kommt keine App klar. Schwer tun sich die meisten mit dem quell­offenen Stan­dard Open Document Format (odt). Aber selbst beim populären Microsoft-Format docx hakt es, vor allem bei AndrOpen Office und OliveofficeHD.

Unantast­bare Zahlen

Aufgepasst, nicht jede App erlaubt es, Tabellen zu bearbeiten. Kingsoft Office für iOS gestattet nur, sie anzu­sehen. Und das, obwohl im App-Store prominent auf Excelhingewiesen wurde. Apples App Numbers über­zeugte in der Tabellenkalkulation am meisten. Akzeptabel rechnet auch Kingsoft Office für Android. Zahlenjongleure müssen bei Programmen wie Androids Quick­office und Office­suite Pro 7 viel Geduld mitbringen. Es dauert.

Abge­speckte Animation

Unterwegs eine Präsentation zu erstellen, ist eine Heraus­forderung. Kaum eine Büro-App ändert die Animation zwischen den einzelnen Folien oder bindet externe Elemente wie Grafiken ein. Ein wenig Text­bearbeitung und die Folienreihen­folge ändern – das ist schon eher drin. Für Präsentationen eignet sich am ehesten Quick­office für Android. Alle übrigen Apps schneiden hier ausreichend und mangelhaft ab. Office­suite Professional und Oliveoffice Premium zeigen Folien lediglich an.

Für den Papierkorb

Bitter kann es werden, wenn der Reisende heimkehrt und seine auf dem Tablet geänderte Datei auf dem PC weiternutzen will. Nach dem Öffnen ist die Schrift­art anders, ganze Text­passagen über­lappen sich, mehrere Seiten sind leer. Im Test war das kein Einzel­fall, sondern die Regel. Keine Büro-App über­trug sämtliche Dateien fehler­frei.

Vor Fehlern strotzten Dokumente von Office­suite Pro 7. Mit den Android-Apps Documents To Go und Quick­office bearbeitete Dateien meldeten auf dem PC Defekte. Vor einem Computerschaden warnten Dateien, die zuvor in Oliveoffice Premium, Androids Quick­office und beiden Office­suite-Apps gestaltet wurden. Ernst­haften Nutzern wachsen da graue Haare. Die wenigsten Schwächen zeigten zwei iOS-Apps: Documents To Go und Kingsoft Office.

In einigen Fällen gab es sogar bereits grobe Patzer beim ersten Über­tragen der Dateien in die Büro-Apps. Die sind nicht pass­genau auf andere Programme abge­stimmt. Für einen kurzen Brief mag das reichen, für wichtige Dokumente nicht. Wer die bearbeiten will, muss richtig Geld in die Hand nehmen: Für 99 Euro Jahres­abonnement verkauft Microsoft seit kurzem seine PC-Software Office 365 im Paket mit den drei Office-Apps Word, Excel und Powerpoint. Die Apps laufen allerdings nur auf Apples iPad. Gratis gibt es sie auch – damit lassen sich Dokumente aber lediglich ansehen.

Unser Schnelltest zeigt: Mit der Luxus­variante für 99 Euro lösen sich alle Probleme in Wohl­gefallen auf. Die Tester hatten endlich Spaß beim Bedienen. Sie lobten die umfang­reichen Funk­tionen und die nützlichen Erklärungen auf Deutsch. Völlig fehler­frei ließen sich die Dateien aus den Microsoft-Apps unter Microsoft Office am PC weiterbearbeiten. Zu schade, dass Microsoft seine drei Büro-Apps zunächst exklusiv an das iPad bindet. Nutzer anderer Geräte haben das Nach­sehen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 35 Nutzer finden das hilfreich.