Die Situation ist typisch: Ein Selbstständiger benötigt einen Firmenkredit, kann der Bank aber kaum Sicherheiten bieten. Die fragt nach einer Bürgschaft der Frau, die aus Liebe zum Ehemann kaum Nein sagen kann. Dieser moralische Zwang wiegt schwer. Er hilft aber immer mehr Partnern, einen Ausweg aus der Bürgschaftsfalle zu finden. Denn zum zweiten Mal in einem Jahr hat ein Senat des Bundesgerichthofs (BGH) geurteilt, dass Bürgschaften sittenwidrig und damit unwirksam sind, wenn ein aus Zuneigung Bürgender durch sie finanziell "krass überfordert" wird (Az. XI ZR 248/99).

Eine Frau hatte 1992 für einen Firmenkredit ihres Mannes über 47.000 Mark gebürgt. Fünf Jahre lang sollten monatlich Raten in Höhe von 800 Mark abgezahlt werden. Später ließ sich das Paar scheiden, darauf kündigte die Sparkasse den Kredit. Die Bürgin wurde zur Zahlung der Restschuld in Höhe von 19.000 Mark aufgefordert.

Der BGH wies diese Forderung nun in letzter Instanz weitgehend ab. Da die Frau zum Zeitpunkt der Bürgschaft vor allem die Kinder erzog und nur nebenher im Betrieb des Mannes aushalf, hätte sie nie die laufenden Zinsen aufbringen können. In solchen Fällen der Überforderung sei davon auszugehen, dass der sich verbürgende Ehegatte oder nahe Angehörige sich nicht aus vernünftigen Erwägungen zur Bürgschaft verleiten ließen, sondern wegen der emotionalen Beziehung zum Hauptschuldner. Im Zweifel habe dann das Kreditinstitut die Bindung in "sittlich anstößiger Weise ausgenutzt". Die Bürgschaft sei also nicht bindend.

9.190 Mark muss die Frau trotzdem zurückzahlen. Denn mit dieser Teilsumme des Kredits sollten auch gemeinsame Privatschulden des Ehepaars beglichen werden.

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