Bürger­wind­parks

Prognose: Lieber vorsichtig rechnen

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Bürger­wind­parks - Worauf Anleger achten sollten
Ertrags­gut­achten. Gutachter schätzen ein, mit welcher Wahr­scheinlich­keit wie viel Wind wohl bei den geplanten Wind­energie­anlagen ankommen wird. Sie stützen sich dabei auf Erfahrungs­werte. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Was ein Wind­park abwirft, hängt vor allem davon ab, wie viel Wind weht. Er muss eine bestimmte Spann­breite einhalten. Bläst er zu wenig, drehen sich die Rotorblätter nicht. Ist er zu stark, müssen sie abge­schaltet werden.

Deshalb sind Gutachten über das zu erwartende Aufkommen wichtig. Banken wollen in der Regel wissen, wie mindestens zwei Gutachter die Lage einschätzen, wenn sie über Kredite entscheiden. Sie wollen der Gefahr entgehen, ihr Geld auf Basis der Aussagen ­eines Opti­misten zu verleihen, dessen Einschät­zung andere nicht teilen würden.

Zu positive Gutachten waren in der Vergangenheit ein Grund, warum manche Wind­parks ganz und gar nicht so liefen wie erhofft. Über die Jahre sind die Prognosen präziser geworden, weil es jetzt mehr Erfahrungs­werte zum Wind auf Höhe der Rotornaben gibt.

Gutachten sind entscheidend

Die Gutachter berechnen, mit welcher Wahr­scheinlich­keit die Anlagen wie viel Wind ­abbe­kommen. Die Ergeb­nisse fassen die Anbieter in ihren Verkaufs­prospekten kurz zusammen. Interes­senten sollten die wichtigen Gutachten aber einsehen können, auch wenn die Lektüre schwere Kost für Laien ist. Die Anbieter der Bürgerbe­teiligungen beteuerten uns gegen­über, dass sie Interes­senten auf ­Anfrage Einblick gewähren. Nur Morbach Nord und Süd waren auf Anfrage bereit, auch Finanztest die Gutachten vorzulegen.

Wahr­scheinlich­keiten für den Wind

Wenn ein Anbieter seine Prognoserechnung auf die Wind­ausbeute stützt, die mit 75-prozentiger Wahr­scheinlich­keit eintritt (P75), ist das vorsichtig. Diesen Wert setzen Mulsum und Süderauer­dorf an.

Die anderen vier analysierten Angebote arbeiten mit dem P50-Wert, der mit 50 Prozent Wahr­scheinlich­keit eintritt. Akzeptabel ist das nur, wenn der Anbieter mindestens 10 Prozent Sicher­heits­abschlag einbaut, der nicht nur tech­nische Unwäg­barkeiten abdeckt.

Wie dramatisch sich die Wahl auswirken kann, zeigen die Morbach-Beteiligungen: Die Prognose basiert dort auf dem P50-Wert. Wird er nicht erreicht, sondern nur der P75-Wert, bleibt in den ersten zehn Jahren fast nichts für eine Ausschüttung an die Anleger übrig, weil die Gesell­schaften hohe Zinsen und Tilgung für Bank­kredite leisten müssen.

Finanztest hat nachgerechnet: Bei ansonsten unver­änderten Zahlungs­strömen bleiben über 20 Jahre statt 5 Prozent Rendite vor Steuern nur noch 1,7 Prozent übrig.

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