Billigangebote aus dem Ausland: Empfohlene Implantate zu groß und schwer

„Hohe chirurgische Leistung zum bezahlbaren Preis“ oder „100 Prozent Leistung, 60 Prozent günstiger“ werben polnische Schönheitskliniken und Vermittlungsagenturen im Internet. Die Vermittler haben Büros in Deutschland, organisieren Beratungs- und Operationstermine und verschicken an Interessenten Informationsmaterial per Post oder E-Mail. Auch wir haben diese Möglichkeit genutzt und telefonisch Termine vereinbart.

Eine unserer Testerinnen ließ sich exemplarisch in drei polnischen Kliniken zur Brustvergrößerung beraten – unmittelbar hinter der deutsch-polnischen Grenze in Slubice, danach in Breslau und Stettin. Bei der telefonischen Terminvereinbarung für Breslau und Stettin hieß es sogar, in Polen sei eine solche Operation auch ohne vorherige Beratung möglich, ein Gespräch wurde aber organisiert.

In allen Kliniken gab es jemanden, der Deutsch sprach, doch nur in der Stettiner Schönheitsklinik konnte der beratende Arzt sich mit der Patientin direkt verständigen. In den anderen Häusern mussten Dolmetscher die Erklärungen des Arztes übersetzen, wirkten aber nicht immer sprachsicher.

Noch entscheidender war, dass die Ärzte nur eine rudimentäre Anamnese machten und auf eine detaillierte Befragung der Patientin verzichteten – was aber wichtig ist, um die medizinischen Voraussetzungen für eine Operation zu klären. In zwei der drei Kliniken wichen zudem die Behandlungsvorschläge des beratenden Arztes drastisch von den Empfehlungen unserer medizinischen Gutachter ab. So schlugen sie zum Beispiel viel zu große und schwere Implantate vor, die vermutlich nach der Operation deutlich sichtbar absacken würden. Die für die Patientin sinnvolle Bruststraffung wurde nur einmal erwähnt.

Fazit: Die medizinische Beratung und Aufklärung waren unzureichend. Meist fehlten Hinweise auf Operationsrisiken und mögliche Komplikationen. Wer einen Eingriff im Ausland in Erwägung zieht, sollte auch bedenken, dass neben Arzt- und Klinikkosten zusätzlich Reise- und Übernachtungskosten anfallen. Außerdem ist die medizinische Nachsorge nicht geregelt. Bei Komplikationen oder juristischen Auseinandersetzungen haben Patienten womöglich schlechte Karten – bei einer völlig anderen rechtlichen Situation als hierzulande.

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