Brustvergrößerung Test

Ärzte erläutern zu selten Operationsrisiken, gehen nicht auf die Patientin ein, empfehlen teilweise zu große Brustimplantate, wie der Test zeigt.

Lasern, spritzen, schneiden, polstern – nach dem Motto „Klein ist out“ oder „Schönheitschirurgie ist Wohlfühlchirurgie“ versprechen Schönheitschirurgen jugendliche Gesichter, schlanke Hüften und üppige Busen. Perfekte Körper in Werbung und Mode schüren die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Und so geben die Deutschen bereits rund 800 Millionen Euro im Jahr für kosmetische Operationen aus, schätzungsweise 400 000 Eingriffe lassen sie über sich ergehen. Ganz oben auf der Liste der Verschönerungswünsche steht neben dem Fettabsaugen und der Lidstraffung die Brustvergrößerung.

Nur ein einziger beriet umfassend

Brustvergrößerung Test

Bei der Beratung sollte die Brust auch untersucht werden.

Die Beratung vor einer solchen Operation, die ausschließlich aus ästhetischen Gründen stattfindet, ist besonders wichtig. Es handelt sich um einen Eingriff an gesunden Menschen, die ohne medizinische Notwendigkeit gewisse Risiken eingehen. Deshalb haben wir geprüft: Wie gründlich beraten Ärzte Frauen, die eine Brustvergrößerung wünschen? Informieren sie über die Operationsrisiken, und empfehlen sie sinnvolle Behandlungen? Ausgewählt für den Test haben wir Spezialisten: vier zertifizierte Brustzentren an öffentlichen Krankenhäusern und drei private überregional tätige Schönheitskliniken.

Umso erstaunlicher das Ergebnis: Nur ein einziger, das Interdisziplinäre Brustzentrum Charité Berlin, bot eine umfassende medizinische Beratung. Das Luisenkrankenhaus Düsseldorf beriet sehr lückenhaft, alle anderen lückenhaft . Dabei hatten es die Testerinnen, wie erwähnt, mit Spezialisten zu tun, so zum Beispiel auch mit den Kliniken des bekannten Schönheitschirurgen Professor Dr. Werner L. Mang. Auch die Ärzte von Mang Medical One berieten nur lückenhaft.

„Viele Frauen glücklich gemacht“

Brustvergrößerung Test

Bevorzugtes Material für Brustimplantate ist formstabiles Silikongel in einer zweischichtigen Silikonhülle.

Die Testerinnen bekamen hin und wieder wenig seriöse Äußerungen zu hören. „Ich habe schon viele Frauen glücklich gemacht“, sagte zum Beispiel ein Düsseldorfer Chirurg zum Abschluss eines Beratungsgesprächs, ein anderer: „Wir werden nicht kleckern, wir werden klotzen.“

Drei Frauen zwischen 23 und 44 Jahren besuchten in unserem Auftrag die privaten Schönheitskliniken und öffentlichen Krankenhäuser. 21 Beratungstermine haben die drei Testerinnen insgesamt in Anspruch genommen. Ihr Wunsch: eine etwas fülligere Brust, weil sie besser zu den körperlichen Proportionen passen sollte oder weil sie nach dem Stillen kleiner geworden war.

Zum Teil zur Operation gedrängt

Vor dem Beratungstest untersuchte ein medizinischer Gutachter der Stiftung Warentest die Frauen. Er empfahl geeignete Operationsmethoden und Implantate, für eine 44-jährige Testerin als beste Lösung eine Bruststraffung ohne Vergrößerung. Medizinisch oder ästhetisch zwingend war der Eingriff bei keiner der drei Frauen. In den öffentlichen Krankenhäusern berieten die Ärzte besser, wenn auch nicht perfekt. In drei Gesprächen rieten sie sogar von einer Brustvergrößerung ab, zum Beispiel wegen möglicher Folgeoperationen. Von den privaten Anbietern ästhetischer Chirurgie fühlten sich die Frauen dagegen zum Teil zur Operation gedrängt.

Zu wenig über Risiken informiert

Größtes Manko jedoch bei allen: Die Ärzte klärten zu selten und wenig ausführlich über Komplikationen und Risiken einer Brustvergrößerung auf.

  • Am ehesten informierten sie über kurzfristige OP-Folgen, wie Schmerzen und Schwellungen. Doch kein Berater sorgte für die von der Rechtsprechung geforderte „schonungslose Aufklärung“, die vor kosmetischen Operationen erfolgen soll.
  • Nicht alle Ärzte informierten darüber, dass ein Implantatwechsel nach etwa 10 bis 20 Jahren erforderlich werden kann.
  • Auch eine mögliche Gewebeverhärtung um das Implantat herum (Kapselfibrose) mit einer notwendigen Folgeoperation kam nicht immer zur Sprache.
  • Nur in jedem fünften Beratungsgespräch wiesen die Ärzte darauf hin, dass das Implantat als Fremdkörper zu ertasten ist.
  • Nur bei zwei Beratungen klärten die Ärzte auf, dass Implantate verrutschen können.
  • Der Arzt muss im Gespräch auch etwaige unrealistische Vorstellungen oder psychi-sche Probleme der Patientin erkennen. Doch die versuchte keiner der Berater zu ergründen, auch nicht, ob sie eventuell vom Partner zur Operation gedrängt wurde.

Anders als die Krankenhäuser punkteten die privaten Anbieter mit umfassenden Vorabinformationen und Service, zum Beispiel mit Infomaterial, Termintreue, mit Hinweisen auf die Beratungs- und Operationskosten. Bei den Brustzentren der Krankenhäuser kam es öfter zu Terminverschiebungen, und zu den Beratungskosten konnten sie meist nichts Konkretes sagen. Das mag daran liegen, dass sie vorrangig auf die Behandlung von Krebspatientinnen eingestellt sind. Doch sie bieten auch kosmetische Operationen an und sollten darüber auch vorab besser informieren.

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