Argumente für eine informierte Entscheidung: Screening: Teilnehmen oder nicht?

Statistik ist die eine Seite, das individuelle Schicksal die andere Seite der gleichen Medaille. Beide Seiten müssen für eine informierte Entscheidung betrachtet werden. Die Sicherheit von Diagnosen und eine „Entwarnung“ bleiben relativ.

Stärken und Chancen

  • Ein Qualitäts-Screening ist effektiver als Früherkennungsuntersuchungen beim Arzt oder die Selbstuntersuchung der Brust – es senkt die Sterblichkeit an Brustkrebs bei älteren Frauen.
  • Der gesellschaftliche Nutzen steigt mit der Zahl der Teilnehmerinnen.
  • Frauen profitieren im Individualfall: In absoluten Zahlen sterben bei hoher Teilnehmerzahl am Screening etwa 500 bis maximal 2 500 weniger Frauen zwischen 50 und 69 Jahren pro Jahr an Brustkrebs, im besten Fall also rund 15 000 statt 17 500 ohne Screening.
  • Frauen aus krebsbelasteten Familien profitieren stärker als andere.
  • Von zehn verdächtigen Befunden sind nur einer, maximal zwei richtig.
  • Brustkrebspatientinnen, die früh behandelt werden, können oft von schonenderen, auch brusterhaltenden Behandlungsmöglichkeiten profitieren.

Schwächen und Risiken

  • Der Nutzen ist insgesamt nicht so groß wie vielfach angenommen.
  • In acht bis neun von zehn Verdachtsfällen haben die Frauen keinen Krebs, aber nun eine psychische Belastung.
  • Tumoren bleiben auch unentdeckt.
  • Zwischen zwei Untersuchungen kann sich Krebs entwickeln (schnellwachsendes Intervallkarzinom).
  • Überdiagnose, Übertherapie: Es werden Krebsvorstufen aufgefunden, die nie zum Problem geworden wären.
  • Bei Karzinom-Vorstadien wird in zirka einem Drittel der Fälle die Brust abgenommen, aber etwa die Hälfte der Karzinome wächst nicht mehr weiter.
  • Innerhalb von zehn Jahren wird jede vierte bis fünfte Teilnehmerin mit einem falschen Verdacht konfrontiert.
  • Folge: Weitere Untersuchungen für fünf bis zehn von hundert Frauen, zum Teil mit Gewebsentnahme (Biopsie).

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