Britische Lebensversicherer Meldung

Schau genau. Verträge mit einem britischen Lebensversicherer sind für deutsche Kunden riskanter, als viele denken. Geht der Anbieter Pleite, ist ihr Kapital nicht geschützt.

Britische Lebensversicherer wecken mehr Erwartungen als deutsche, weil sie viel mehr Aktienanlage wagen. Garantiert ist aber wenig. Auf gute Rendite müssen Kunden hoffen.

Renditeerwartungen von 8 bis 12 Prozent im Jahr, und dabei die Sicherheit einer deutschen Lebensversicherung – mit dieser Aussicht versuchen Versicherungsmakler und andere Finanzdienstleister, deutsche Kunden für britische Lebens- und Rentenversicherungen zu begeistern.

Grund für den Vorsprung der Briten soll ihre andere Anlagestrategie sein: Während deutsche Versichererer derzeit nur etwa 8 bis 10 Prozent des Kundengeldes in ­Aktien investieren, legen britische Gesellschaften oft bis zu 70 oder 80 Prozent der Einzahlungen in Aktien an.

Mittlerweile bieten schon einige britische Lebensversicherer ihre Verträge in Deutsch­land an. Manche Unternehmen, beispielsweise Standard Life, haben Niederlassungen in der Bundesrepublik, andere ver­kaufen ihre Produkte nur über Versicherungsmakler.

Die Verträge entsprechen deutschem Versicherungsrecht und die Kunden erhalten die Bedingungen und die vorgeschriebenen Verbraucherinformationen in deutscher Sprache.

Wie die deutschen Versicherer bieten die Briten inzwischen vor allem Rentenversicherungen an. Der Kunde bekommt als Auszahlung später eine lebenslange Rente.

Der Fiskus lässt Rentensparer weitgehend in Ruhe. Haben sie ihre Rente aus dem Nettoeinkommen angespart, müssen sie später nur den niedrigen Ertragsanteil versteuern: von einer Rente, die mit 65 Jahren beginnt, sind nur 18 Prozent steuerpflichtig. Diese Regel gilt für Renten aus britischen Policen genauso wie für solche aus deutschen Verträgen.

Die Kapitallebensversicherung ist dagegen als Geldanlage nicht mehr interessant – egal ob britisch oder deutsch. Ihre Steuervorteile haben sich weitgehend in Luft aufgelöst. Kunden, die jetzt erst abschließen, müssen die in der späteren Kapitalauszahlung enthaltenen Erträge mindestens zur Hälfte versteuern.

Zins wird jährlich neu festgelegt

Britische Lebensversicherer Meldung

Für deutsche Rentenversicherungen gibt es einen Garantiezins von 2,75 Prozent. Nach Kosten bleiben rund 1,8 Prozent (zuzüglich Todesfallleistung). Kunden britischer Versicherer haben anfangs fast keine Sicherheit. Alle Kunden – deutsche wie britische – bekommen aber im Laufe der Jahre weitere Zinsen zugesagt, doch ihre Höhe ist offen.

Ob die britischen Versicherer die erhofften hohen Erträge auch erzielen, weiß noch niemand. Bisher ist noch kein nach deutschem Recht geschlossener britischer Lebensversicherungsvertrag ausgezahlt worden. Kunden kaufen zunächst einmal eine Hoffnung und müssen einige Unsicherheiten in Kauf nehmen.

Anders als in Deutschland gibt es in Großbritannien keine über die gesamte Laufzeit garantierte Verzinsung. Sicher ist lediglich, dass der Kunde am Ende der Laufzeit ungefähr die eingezahlten Bei­träge wieder herausbekommt, beim Versicherer Clerical Medical ist es ein bisschen ­weniger, bei Standard Life etwas mehr.

Beide Unternehmen sagen ihren Kunden nur einen variablen Zins zu, der zu Beginn jedes Jahres festgelegt wird. Diese Zusage gilt dann in diesem Jahr für das bis dahin angesammelte und das im Laufe des Jahres eingezahlte Geld.

Darüber hinaus kann der Kunde von Kapitalerträgen profitieren, die am Ende der Laufzeit als Schlussüberschuss ausgezahlt werden. Es ist geplant und möglich, dass dieser bedeutend höher ausfällt als bei einer deutschen Versicherung. Doch das Ergebnis ist völlig ungewiss.

Kleine Garantie der Deutschen

Wer dieses Jahr bei einem deutschen ­Anbieter eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung abschließt, kann dagegen derzeit über die gesamte Laufzeit hinweg wenigstens mit einem Garantiezins von 2,75 Prozent auf den Sparanteil in seinem Beitrag rechnen.

Ältere Verträge bieten sogar noch mehr Sicherheit. Für zwischen Juli 2000 und Dezember 2003 geschlossene Verträge gilt dauerhaft ein Garantiezins von 3,25 Prozent. Davor betrug er sogar 4 Prozent.

In der Regel bekommt der Kunde aber mehr als den Garantiezins, denn die deutschen Versicherer beteiligen sie an Überschüssen. Wie hoch dieser Zinszuschlag ist, wird Jahr für Jahr neu festgelegt. Das ist ähnlich wie bei den Briten.

Darüber hinaus gibt es am Ende der Laufzeit eine Schlusszahlung. Doch die ist lange nicht so hoch angesetzt wie in den Kalkulationen der Briten.

Für fondsgebundene Versicherungen, bei denen die Beiträge der Kunden in Invest­mentsfonds fließen, geben allerdings auch deutsche Anbieter kaum feste Zusagen. Meist gibts nicht mal eine Beitragsgarantie.

Kein Schutz vor Pleite

Hohe Erträge zu behaupten ist das eine, sie zu bringen ist das andere. Wir haben Angebote der britischen Gesellschaften Standard Life und Clerical Medical durchgerechnet und mit denen deutscher Versicherer verglichen.

Wir haben festgestellt: Die Kosten am Ende der Laufzeit unterscheiden sich nicht von denen deutscher Versicherer. Wenn die beiden britischen Unternehmen mit ihren Anlagen am Kapitalmarkt 4 bis 5 Prozent Rendite pro Jahr erzielen, können sie deutschen Versicherern das Wasser reichen. Das ist zu schaffen, vor allem, weil die Briten mehr in Aktien investieren.

Bei den Briten ist jedoch ein Haar in der Suppe: Das Geld ihrer deutschen Kunden ist im Insolvenzfall nicht geschützt. Die britischen Anbieter gehören nämlich der Auffanggesellschaft Protektor nicht an, die für deutsche Lebensversicherungsunternehmen im Falle einer Pleite zuständig ist.

Gleichzeitig fallen die Verträge deutscher Kunden seit 2001 aber auch nicht mehr unter den Ausgleichsplan „Financial Services Compensation Scheme“ (FSCS), der britische Kunden schützt. Das liegt daran, dass Großbritannien eine Richtlinie der Europäischen Union zur Sanierung und Liquidation von Versicherungsunternehmen bisher nicht umgesetzt hat.

Nur Kunden einiger Versicherer wie Royal London und Legal&General fallen unter den britischen Insolvenzschutz. Deren Verträge mit deutschen Kunden werden auf der Isle of Man oder in London policiert. Sollte einer der anderen britischen Versicherer Pleite gehen, müssten deren deutsche Kunden klagen und darauf hoffen, dass die EU-Rechtsprechung sie den britischen Kunden gleichstellt.

Vorzeitig aus Verträgen auszusteigen hat aber keinen Sinn. Denn wie bei deutschen Lebens- und Rentenversicherungen verlieren die Kunden dann viel Geld. Da ist die Hoffnung auf ein gutes Ende besser.

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