Eigentlich tritt die Gesundheitsreform erst zum Jahreswechsel in Kraft. Doch wer jetzt noch eine neue Brille ordert, hat kaum eine Chance mehr, den gewohnten Zuschuss für die Gläser zu bekommen. Grund: Stichtag für die Abrechnung mit der Kasse ist nach Ansicht des Gesundheitsministeriums nicht der Tag der Auftragserteilung, sondern der Tag, an dem der Kunde seine neue Brille bekommt. Darauf hat der Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) hingewiesen. Derzeit herrscht bei Optikern wegen der Gesundheitsreform ohnehin schon Hochbetrieb. Nach Einschätzung des Verbands werden Brillen nur im Einzelfall noch rechtzeitig für die Abrechnung mit der Kasse fertig. Nur Marktführer Fielmann verspricht, alle bis Silvester bestellten Brillen unter Berücksichtung der alten Zuschüsse abzurechnen.

25 Euro je Glas im Durchschnitt

Bislang gilt folgende Regel: Die Kasse erstattet die Kosten für die einfachste Ausführung der medizinisch notwendigen Gläser. Extras wie Tönung oder Entspiegelung müssen die Versicherten selbst zahlen. Die Mehrkosten für Kunststoffgläser übernehmen die Kassen nur bei Brillen für Kinder im Vorschulalter und bei extremer Kurz- oder Weitsichtigkeit. Nach Angaben des Zentralverbands der Augenoptiker liegt der Zuschuss im Durchschnitt bei rund 25 Euro pro Glas. Die Abrechnung mit der Krankenkasse übernahmen die Optiker. Ihre Kunden mussten nur den Eigenanteil zahlen.

Ganz selten noch Zuschuss

Im Zuge der Gesundheitsreform ist der Zuschuss für Brillengläser fast vollständig auf der Strecke geblieben. Nur in Einzelfällen können Brillenträger noch mit Hilfe von der Kasse rechnen. Ausnahme: Für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag und für sehbehinderte Menschen zahlen die Kassen weiterhin. Die meisten Brillenträger müssen ihre Sehhilfe komplett selbst bezahlen.

Streit um die Rechtslage

Welcher Zeitpunkt darüber entscheidet, ob die Kasse den gewohnten Zuschuss noch zahlt, ist umstritten. Das Gesundheitsministerium und die Kassen wollen nur zahlen, wenn der Patient seine Brille noch vor dem Jahreswechsel bekommt. Der Zentralverband der Augenoptiker übt daran heftige Kritik. „Aus unserer Sicht ist dieses Verhalten rechtswidrig“, schimpft ZVA-Präsident Thomas Nosch. Aus Sicht des Verbandes muss es für den Zuschuss auf den Zeitpunkt ankommen, an dem ein Patient die neue Brille bestellt.

Widerspruch und Klage möglich

Für Fehlsichtige, die eine neue Brille brauchen, aber noch nicht beim Optiker waren, kann es sich trotzdem lohnen, das noch in diesem Jahr nachzuholen. Wenn die Kasse den Zuschuss verweigert, können sind Widerspruch und Klagen zum Sozialgericht möglich. Das kostet nichts, geht auch ohne Rechtsanwalt und birgt die Chance, den Zuschuss zumindest nachträglich zu bekommen.

Fielmann will für Kunden vor Gericht ziehen

Marktführer Fielmann bietet seinen Kunden an, den Ärger mit der Krankenkasse für sie zu übernehmen. Bei einer Pressekonferenz heute versprach Unternehmenschef Günther Fielmann, alle bis Silvester erteilten Aufträge nach den alten Regeln abzurechnen. Das Unternehmen selbst werde dann vor Gericht ziehen, um den Zuschuss der Krankenkassen einzuklagen. Fielmann-Kunden müssen dazu nur ihre Ansprüche gegen die Krankenkasse an das Unternehmen abtreten. Bislang sind keine weiteren Angebote dieser Art bekannt. Doch auch kleinere Unternehmen und traditionelle Optikerbetriebe haben die Möglichkeit, den Zuschuss für ihre Kunden vor Gericht geltend zu machen.

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