Zins­anlagen bei britischen Banken

Brexit Special

[7.7.2016] Ist Spargeld bei Banken in Groß­britannien auch nach dem Brexit-Referendum sicher? Bisher hat der britische Sicherungs­fonds nach Pleiten stets entschädigt. In der neuesten Folge unserer Brexit-Serie erklären die Finanztest-Experten, welche Auswirkungen die britische Volks­abstimmung für Anleger aus Deutsch­land hat, die bei britischen Banken sparen.

Im Pleitefall sind nur 75 000 britische Pfund sicher

Shocking findet der Bundes­verband deutscher Banken (BdB) den Brexit. Sorgen um ihr bei britischen Banken angelegtes Spargeld müssten sich Sparer aus Deutsch­land aber nicht machen. Das stimmt. Denn für den Fall, dass eine britische Bank Pleite gehen würde, ersetzt der staatliche britische Einlagensicherungs­fonds FSCS (Financial Services Compensation Scheme) jedem Sparer auto­matisch sein Geld bis zu einem Betrag von maximal 75 000 britischen Pfund. Das sind umge­rechnet derzeit rund 88 000 Euro.

Pfund hat deutlich an Wert verloren

Zwar müsste laut Einlagensicherungs­richt­linie der Europäischen Union eigentlich ein Betrag von mindestens 100 000 Euro pro Sparer und Bank geschützt sein. Das ist aber bei Banken in Groß­britannien schon seit Monaten nicht mehr der Fall, weil das Pfund wegen der Brexit-Diskussion gegen­über dem Euro an Wert verloren hat. Nach dem Brexit ist der Kurs dann noch einmal einge­brochen.

Puffer einplanen

Sparer aus Deutsch­land, die über ein Zins­portal bei der First­Save Euro oder bei Close Brothers in Groß­britannien Guthaben anlegen wollen, sollten einen groß­zügigen Puffer zur Summe von 100 000 Euro einplanen, um im Pleitefall Guthaben plus Zinsen ersetzt zu bekommen. Das Zinsportal Weltsparen hat bereits auf den Kurs­verfall des Pfundes reagiert. Bei der First­Save Euro können Sparer aus Deutsch­land nur noch 85 000 Euro anlegen.

Kombinierte Einlagensicherung

Bei britischen Banken mit Haupt­sitz in Groß­britannien und einer Nieder­lassung in Deutsch­land wie Bank of Scot­land, Barclays Bank und ICICI Bank kann man dagegen deutlich mehr als 100 000 Euro sicher anlegen. Diese drei Banken sind freiwil­lig Mitglied im Einlagensicherungs­fonds des BdB. Im Fall einer Pleite entschädigt der BdB sowohl den Gegen­wert von 75 000 Pfund als auch darüber hinaus­gehende Beträge aus einer Hand. Die jeweiligen Sicherungs­grenzen stehen in unserer Tabelle (Zinsanlagen bei britischen Banken). Im Moment lohnt sich allerdings eine Anlage bei diesen Banken wegen der nied­rigen Zins­sätze nicht.

Ruhe mit Frist

In den nächsten zwei Jahren wird sich für Anleger aus Deutsch­land, die bei britischen Banken sparen, vermutlich wenig ändern. Erst mit Abschluss des Brexit werden die Karten neu gemischt. Ob Finanztest britische Zins­angebote weiter empfiehlt, hängt auch von der Wirt­schaft­kraft des Landes ab. Sollten die drei größten Rating­agenturen Fitch, Moody`s und Stan­dard & Poor`s Groß­britannien keine Topbe­wertung von AAA oder AA mehr geben, würden wir die Spar­angebote nicht mehr in den Zinstest der Stiftung Warentest aufnehmen.

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