Wie Sie sich bei Börsenturbulenzen verhalten sollten

Brexit Special

[28. Juni 2016] In Börsenkrisen einen kühlen Kopf zu bewahren, fällt Anlegern häufig schwer. Dabei ist spontanes Handeln gerade für Besitzer breit aufgestellter Aktienfonds meist unnötig und birgt hohe Verlustrisiken. Zum Auftakt unserer kleinen Brexit-Serie erklären wir, wie Anleger, die ihre Fonds jetzt verkaufen, das Schlimmste vermeiden können.

Spontan­verkauf bringt oft Verluste

Am 24. Juni 2016 war es mal wieder soweit: Nach dem über­raschenden Votum der Briten für einen EU-Austritt herrschte an den Aktienmärkten Panik. In solchen Momenten wollen viele Anleger nur eins: ihre Aktien und Fonds so schnell wie möglich loswerden. Die Rück­schau auf vergangene Börsenkrisen zeigt: Das ist fast immer die falsche Entscheidung. Kunden von Direkt­banken können ihre Positionen in Sekunden­schnelle verkaufen. Über Regionalbörsen und im sogenannten Direkt­handel geht das sogar schon vor Eröff­nung des wichtigsten deutschen Börsen­platzes. Das elektronische Handels­system Xetra an der Frank­furter Börse startet um 9 Uhr. Viele Anleger wollten nach der Neuig­keit vom Brexit nicht so lange warten, verkauften vorher und erlitten zum Teil unnötig hohe Verluste.

Keine Garantie für faire Kurse

So erwies sich der Spontan­verkauf breit streuender börsen­gehandelter Indexfonds (ETF) als teure Schnaps­idee. Normaler­weise orientiert sich der Preis von ETF an ihrem Nettoinventar­wert (NAV), der Summe aller Positionen, die im Index vorhanden sind. Sogenannte Market-Maker sorgen im speziellen ETF-Segment der Börsen für „Liquidität“. Das heißt, der ETF-Handel ist jeder­zeit auch mit großen Beträgen möglich, wobei die Spanne zwischen dem Kauf- und Verkaufs­kurs fest­gesetzte Grenzen nicht über­schreitet. Früher handelte es sich bei Market-Makern noch um echte Menschen, heute über­nehmen diese Aufgabe in der Regel Computer­programme. Wenn Anleger ETF außer­halb des regulierten Rahmens kaufen oder verkaufen, haben sie keine Gewähr für faire Kurse. In Extremsituationen, wie am frühen Frei­tagmorgen, können Angebot und Nach­frage entscheidend sein. Dann bekommt der Verkäufer nur so viel für seine ETF-Anteile, wie ein Käufer zu zahlen bereit ist.

Welt­index zum Schleuder­preis

Sogar der breite Welt­index MSCI World, er enthält mehr als 1 600 Aktien aus 23 entwickelten Ländern, wurde zeit­weise zum Schleuder­preis gehandelt. Anteile am ETF dB x-trackers MSCI World (Isin LU 027 420 869 2) wechselten in der Stunde vor dem Frank­furter Börsen­start über die Handels­platt­form Tradegate zu Kursen zwischen etwa 33,20 und 36 Euro den Besitzer. Nach 10 Uhr lagen die Fonds­kurse dann den ganzen Tag über 39 Euro. Offen­bar hatten viele Anleger im frühen Handel auf ein Limit, also eine Unter­grenze für den Verkaufs­preis, verzichtet. Einen objektiven Grund, sich von einem MSCI-World-ETF zu trennen, gab es ohnehin nicht. Der Welt­index besteht zu fast 60 Prozent aus US-amerikanischen Aktien und wurde vom Börsen­einbruch längst nicht so stark getroffen wie der europäische Markt.

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Auf Handels­start warten und Limit setzen

Wer sich in turbulenten Markt­phasen dennoch von seinen ETF trennen möchte, weil er ansonsten nicht mehr ruhig schlafen kann, sollte dies unbe­dingt zu regulären Börsen­zeiten tun. Privat­anleger haben kaum eine Chance, durch einen vorbörs­lichen Verkauf mehr heraus­zuholen. Außerdem können sie ein realistisches Limit setzen, indem sie sich an den aktuellen ETF-Kursen orientieren. Ein Limit im vorbörs­lichen Handel ähnelt dagegen einem Glücks­spiel, solange die Market-Maker nicht aktiv sind.

Im Extremfall macht die Börse dicht

Das grund­sätzliche Problem ist von früheren Krisen wohl­bekannt. Droht der Handel infolge einer Anleger­panik völlig aus dem Ruder zu laufen, ziehen die Börsen die Notbremse und machen dicht. Das passierte zum Beispiel nach den Terror­anschlägen am 11. September 2001. Die wichtigen Börsenplätze rund um den Globus blieben für mehrere Tage geschlossen, da an einen geordneten Handel nicht zu denken war. Im Vergleich dazu wirkten die Turbulenzen nach dem Brexit fast schon harmlos.

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