In letzter Sekunde hat die EU Groß­britannien Aufschub gewährt. Bis zum 31. Oktober haben die Briten nun noch Zeit, dem ausgehandelten Brexit-Deal zuzu­stimmen oder den geplanten EU-Austritt ganz abzu­blasen. Ob Reisen, Geld­anlage oder Rente: test.de sagt, mit welchen Folgen EU-Bürger rechnen müssen, sollte es tatsäch­lich zum Brexit kommen.

Reisen und Shoppen

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Ich habe für den Sommer Urlaub in England gebucht. Muss ich etwas Besonderes beachten?

Grenz­kontrollen gab es in Groß­britannien auch schon vor dem Brexit, weil das Land nicht Mitglied des Schengener Abkommens war. Nach einem unge­ordneten Austritt aus der EU können die Briten die Einreise­regeln selbst bestimmen. Ob Sie nach dem Brexit dann nur noch mit Reisepass oder Visum einreisen dürfen, wird sich zeigen. Allerdings lassen auch viele andere Nicht-EU-Länder Touristen bis zu einer Aufenthalts­dauer von 90 Tagen ohne Visum einreisen.

Wir empfehlen Ihnen, auf jeden Fall eine Auslands­reisekranken­versicherung abzu­schließen. Bisher werden alle gesetzlich Versicherten aus Deutsch­land oder einem anderen Land der Europäischen Union weiter mit ihrer Krankenkassenkarte behandelt. Bei einem harten Brexit wäre Groß­britannien aber von heute auf morgen nicht mehr EU-Mitglied. Der Abschluss einer Auslands­reisekranken­versicherung empfiehlt sich ohnehin, denn damit sind auch Kosten abge­sichert, die Krankenkassen nicht über­nehmen, etwa die für einen Rück­trans­port. Sehr guten Schutz gibt es schon für unter 10 Euro, für Familien unter 20 Euro. Angebote finden Sie im Vergleich Auslandskrankenversicherung.

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Was passiert, wenn mein Urlaubs­flieger Verspätung hat? Bekomme ich dann immer noch eine Entschädigung?

Das kommt darauf an. Die Flug­gast­rechte – Verpflegung, Über­nachtung oder finanzielle Entschädigung bei Verspätung, Flug­ausfall oder Über­buchung – sind in einer EU-Verordnung geregelt. Startet Ihr Flug in Deutsch­land, einem anderen EU-Land oder in Island, Norwegen und der Schweiz, dann bleiben Ihre Ansprüche weiterhin erhalten. Startet Ihr Flieger in Groß­britannien, dann gelten die Rechte womöglich nur noch, wenn die Fluggesell­schaft ihren Sitz in einem EU-Land hat. In diesem Fall kommt es darauf an, wie die Beziehung Groß­britanniens und der EU geregelt sein wird. Nach derzeitigen Informationen des Europäischen Verbraucherzentrums sollen Flug­gast­rechte für Flüge, die in Groß­britannien starten, auch nach dem Brexit gültig bleiben.

Tipp: Welche Entschädigungs­ansprüche Sie haben, wenn Ihr Flug verspätet war und wie Sie Ihre Ansprüche durch­setzen, lesen Sie in unserem Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

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Darf ich in England noch mit dem EU-Führer­schein fahren?

Bislang werden in Groß­britannien nationale, interna­tionale und EU-Führer­scheine anerkannt. Laut britischer Regierung soll diese Regelung nach dem Brexit beibehalten werden, schreibt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland.

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Was darf man denn nach dem Brexit noch nach Deutsch­land mitbringen?

Gute Frage. Wenn Sie im April reisen, können Sie vielleicht von einem weiter schwachen Pfund profitieren und günstig in England einkaufen. Kommt es zu einem harten Brexit, können Sie aber nicht beliebig viele Waren nach Deutsch­land mitbringen. Das Vereinigte Königreich wird in diesem Fall behandelt wie andere Dritt­staaten, zum Beispiel die USA oder China. Von welchem Betrag an Verbraucher Zoll zahlen müssen und wie viel, das hängt davon ab, wie sie reisen und was sie einge­kauft haben. Wer mit dem Schiff oder Flugzeug nach Deutsch­land kommt, darf Waren im Wert von 430 Euro abgabenfrei einführen. Mit dem Auto wären es 300 Euro.

Haben Sie mehr einge­kauft, müssen Sie Ihre Einkäufe anmelden. Für Waren im Wert von bis zu 700 Euro zahlen Sie pauschal 17,5 Prozent Gebühr. Ist es mehr, greift der Zoll­tarif. Auf Textilien werden zum Beispiel 12 Prozent Zoll fällig, auf Lederklamotten 4 Prozent. Notebooks und Bücher sind zoll­frei. Hinzu kommt Einfuhr­umsatz­steuer, die den deutschen Mehr­wert­steuersätzen entspricht. Auf Kleidung fallen 19 Prozent an, auf Bücher 7 Prozent.

Tipp: Weitere Informationen finden Sie in unserem Special Urlaubsgepäck: Die wichtigsten Regeln rund um den Zoll sowie direkt auf der Internetseite des Zolls.

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Worauf muss ich beim Onlineshopping achten?

Auch beim Onlineshopping kann es künftig passieren, dass Zoll und Einfuhr­umsatz­steuer fällig werden. Bis zu einem Wert von 22 Euro gibt es keine Abgaben, bis 150 Euro müssen Verbraucher Einfuhr­umsatz­steuer zahlen. Bei Waren, die mehr wert sind, kommt Zoll dazu. Wenn Sie Waren aus Dritt­ländern bestellen, landet das Paket zunächst bei der Zoll­abfertigung. Das könnte künftig auch mit Lieferungen aus Groß­britannien passieren – sofern das Austritts­abkommen nicht noch unter­schrieben wird. Die Zoll­beamten prüfen die Sendung anhand der beigefügten Rechnung und leiten sie weiter. Entweder müssen Sie die fälligen Abgaben dann an Ihren Post­boten zahlen oder das Paket direkt beim Zoll­amt abholen und dort die Rechnung begleichen.

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Wird es nach dem Brexit wieder teurer, das Handy zu nutzen?

Wenn sich die EU und Groß­britannien auf das ausgehandelte Abkommen einigen, dann bleiben die Rege­lungen zum Roaming zumindest während der Über­gangs­frist in Kraft. „Kommt es zu einem Austritt ohne Abkommen, fällt das Verbot von Auslands­zuschlägen weg“, sagt Isabelle Buscke vom Brüsseler Büro des Verbraucherzentrale Bundes­verbands (vzbv). Die Deutsche Telekom schreibt auf unsere Anfrage: „Derzeit ist nicht abzu­sehen, wie die künftigen Beziehungen Groß­britanniens zur EU aussehen werden. Unabhängig davon umfassen unsere EU-Tarife ja auch heute schon Länder, die nicht EU-Mitglied sind.“

Bildung, Arbeit und Rente

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Ich habe eine Zeit lang in Groß­britannien gearbeitet. Hat ein Brexit Auswirkungen auf meine Renten­ansprüche von dort?

Die Auswirkungen werden wohl nicht allzu groß sein. Selbst wenn das Europarecht, das die Renten­systeme der EU, Islands, Norwegens, Liechten­steins und der Schweiz koor­diniert, dort nicht mehr angewendet würde, gäbe es wohl ein Abkommen mit Deutsch­land. Rentenrecht­liche Zeiten würden dann immer noch gegen­seitig anerkannt.

Nachteile könnten aber Menschen haben, die nicht nur in Deutsch­land und Groß­britannien, sondern auch in anderen Ländern des Europäischen Wirt­schafts­raums gearbeitet haben. Für sie werden nicht mehr alle Zeiten zusammenge­rechnet, wenn es um die Mindest­versicherungs­zeit für einen Renten­anspruch geht. Das kann zum Beispiel wichtig sein, wenn Sie in Deutsch­land mit 63 Jahren in Rente gehen wollen. Dafür brauchen Sie mindestens 35 Versicherungs­jahre.

Tipp: Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Special Auslandsrente.

Recht und Steuern

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Was ändert sich bei den Erbschafts­regeln und der Erbschaft­steuer?

Erbrecht­lich selbst ändert sich nichts, da die Briten der 2015 in Kraft getretenen Europäischen Erbrechtsverordnung gar nicht beigetreten sind, sondern ihr eigenes Erbrecht behalten haben. In der EU gilt in der Regel das Erbrecht des Staates, in dem der Verstorbene zuletzt gelebt hatte.

Auswirkungen hat der Brexit aber auf die Steuer, wie Anton Steiner, Fach­anwalt für Erbrecht und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, sagt. „Für viele Familien können sich erbschaft­steuerliche Nachteile ergeben.“ Wenn zum Todes­zeit­punkt der Erbe oder der Verstorbene in Deutsch­land ansässig war, fällt in Deutsch­land Erbschaft­steuer an. Auch Vermögen im Ausland, etwa Immobilien, unterliegt der deutschen Steuer. „Für vermieteten Wohn­raum gibt es einen Wert­abschlag von 10 Prozent“, sagt Steiner. „Selbst genutzte Immobilien bleiben unter bestimmten Voraus­setzungen sogar komplett steuerfrei.“ Bedingung ist allerdings, dass sich die Immobilie in einem Mitglieds­land der EU oder des Europäischen Wirt­schafts­raums befindet. Beides trifft für das Vereinigte Königreich nach dem Brexit nicht mehr zu.

Tipp: Sollten Sie eine solche Immobilie besitzen, können Sie darüber nach­denken, sie noch vor dem endgültigen Ausscheiden Groß­britanniens per Schenkung zu über­tragen. So lange gibt es die Steuer­vergüns­tigungen noch. Auf unserer Themenseite Erbrecht finden Sie alle wichtigen Infos zum Thema Erben und Schenken.

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Wirkt sich ein Brexit auf das Doppel­besteuerungs­abkommen zwischen Groß­britannien und Deutsch­land aus?

Wohl nicht. Das Doppel­besteuerungs­abkommen besteht seit 1967, wurde also vor Groß­britanniens Beitritt zur Europäischen Wirt­schafts­gemeinschaft geschlossen. Es gibt sogar Vereinbarungen aus den Fünf­ziger­jahren. Das Abkommen wurde immer wieder erneuert. Es handelt sich um bilaterale Verträge, weshalb ein Brexit keine direkten recht­lichen Auswirkungen haben dürfte.

Aber Achtung: Wer ein Ferien­haus in Groß­britannien hat, kann nach voll­zogenem Brexit keine Kosten für haus­halts­nahe Dienst­leistungen oder Hand­werk­erleistungen mehr absetzen. Denn das geht nur für Haushalte in der EU und im Europäischen Wirt­schafts­raum.

Geld­anlage und Versicherung

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Ich habe Tages­geld bei einer britischen Bank. Ist das denn nun gefähr­lich?

Nein. Nur weil die Briten aus der EU austreten, werden ihre Banken nicht schlechter. Und auch in Groß­britannien gibt es eine Einlagensicherung. Sie sollten allerdings – wie auch bisher schon – beachten, dass die britische Einlagensicherung in Pfund rechnet. Je schwächer das Pfund, desto nied­riger ist die Absicherung in Euro. Legen Sie daher nicht mehr als 80 000 Euro dort an.

Tipp: Weitere Informationen zur Einlagensicherung und die besten Tages­geld­konditionen finden Sie in unserem Tagesgeld-Vergleich.

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Ich habe Aktienfonds Europa in meinem Depot. Besser verkaufen?

Nein. Aktienfonds Europa sind breit genug gestreut, so dass sie sich als Basis­investment eignen. Über fünf Jahre betrachtet, liegen Europafonds mit 3,8 Prozent pro Jahr im Plus. 2018 ging es um rund 10 Prozent runter – wie fast über­all an den Börsen. Der britische Anteil in den Fonds ist recht hoch. Im Aktien­index MSCI Europa beträgt er 27 Prozent. Alternativ bieten sich welt­weit anlegende ETF an, hier ist der Anteil Groß­britanniens kleiner.

Tipp: Alles Wissens­werte rund ums Thema Fonds finden Sie in unserem Fonds und ETF-Vergleich.

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Soll ich meine britische Lebens­versicherung jetzt kündigen?

Nein, Sie sollten wegen des Brexits keine über­stürzten Entscheidungen bei diesen lang laufenden Verträgen treffen. Britische Lebens­versicherer wie Stan­dard Life über­tragen aktuell die Verträge deutscher Kunden auf Tochtergesell­schaften inner­halb der EU (Irland und Luxemburg). Alle Ihre Ansprüche und garan­tierten Leistungen bleiben erhalten. Geändert hat sich nur der Schutz im Falle einer Insolvenz des Versicherers. Prüfen Sie in Ruhe, ob Sie Ihren Vertrag weiterführen möchten. Durch den Brexit ändert sich nichts an Ihren Optionen.

Tipp: Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Meldung Britische Lebensversicherung und Brexit: Die Optionen für Ihre Verträge.

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Mein Fonds ist in Groß­britannien aufgelegt, die Kenn­nummer beginnt mit GB. Ist das ein Problem?

Nein. Sie können Ihren GB-Fonds behalten, selbst wenn das Vereinigte Königreich (UK) ohne Abkommen aus der EU ausscheidet. Auch im Fall eines harten Brexits gebe es keine unmittel­baren Folgen für Verbraucher, die UK-Fonds­anteile halten, sagt die Finanz­aufsicht Bafin. Auch der Fonds­verband BVI schreibt, für bestehende Anlagen zeichneten sich „keine Änderungen ab“. Lediglich bei Neuanlagen seien im Vertrieb britischer Fonds künftig Änderungen möglich. Das könnte dann auch Sparpläne betreffen. Viele Fonds mit GB-Isin gibt es übrigens nicht mehr. Einer von ihnen ist der Barings German Growth Fund, den manche unserer Leser halten. Einige Fonds werden zurzeit noch umge­stellt beziehungs­weise wurden es im Monat Februar – wie zum Beispiel die Fonds Stewart Global Emerging Markets Lead­ers und Stewart Global Emerging Markets Sustainability. Zurzeit sind diese beiden Fonds in unserer Daten­bank noch mit ihrer bisherigen GB-Isin aufgeführt, das ändert sich aber mit der nächsten Aktualisierung. Wer die Fonds jetzt kauft, bekommt bereits Anteile mit IE-Isin.

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Ich habe im Jahres­depot­auszug gesehen, dass mein Fonds iShares Core MSCI World ETF in Wert­papier­rechnung in Groß­britannien verwahrt wird. Kann ich das ändern?

Nein. Anleger können es sich nicht aussuchen, wo ihr Fonds verwahrt wird. Das legt die Fonds­gesell­schaft fest. Üblich ist hier­zulande die Giro­sammel­verwahrung, aber einige Fonds werden auch in Wert­papier­rechnung verwahrt. Allerdings müssen Sie sich keine Sorgen machen. Der Banken­verband (BdB) sieht für Anleger „grund­sätzlich keine Nachteile, wenn sie Fonds­anteile besitzen, die in Wert­papier­rechnung in Groß­britannien verwahrt werden“. Das gilt auch für den iShares Core MSCI World ETF.

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Dieses Special wurde erst­mals am 28. Juni 2016 auf test.de veröffent­licht und seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 11. April 2019.

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