Brett- und Kartenspiele

Interview: Ein neues Spiel ist eine neue Welt

20.11.2003

Wolfang Kramer hat über 100 Spiele erfunden, darunter preisge­krönte wie „Tikal“ und „Torres“.

Inhalt

Sie sind von Haus aus Betriebswirt und Informatiker. Wie sind Sie zum Spiele­erfinder geworden?

Aus Liebe zum Spiel. Als Jugendlicher habe ich angefangen, Spielregeln zu ändern. Freunde und meine Frau fanden die Änderungen so gut, dass sie mich aufforderten, ein komplett neues Spiel zu erfinden.

Sie haben über 100 Spiele erfunden. Was macht Ihnen so viel Spaß daran?

Wenn ein Spiel entsteht, dann entsteht auch eine eigene neue kleine Welt, mit der die Spieler auch beim 100. Mal noch Spaß haben sollen, weil das Spiel immer anders abläuft.

Wie entsteht ein Spiel?

Am Anfang steht ein Thema wie die Eisenbahn oder ein Spielmechanismus wie das Bewegen der Spielfiguren bei Halma. Die eigentliche Arbeit ist aber das Entwickeln und Testen. Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration.

Machen die Verlage feste Vorgaben?

In der Regel nicht. Aber es gibt Ausnahmen wie die Harry-Potter- oder Herr-der-Ringe-Spiele. Pro Jahr gibt es etwa 300 Erfindungen auf dem Spielemarkt. Verglichen mit dem Büchermarkt ist das gar nicht mal so viel.

Mit Michael Kiesling haben Sie mehr als zehn Spiele entwickelt. Sie haben sie dabei aber nie mit ihm zusammen gespielt. Wie kann so etwas klappen?

Gut, immerhin sind ja zwei preisgekrönt. Und dank der modernen Medien ist die Kommunika­tion ganz einfach. Jeder spielt seine Prototypen für sich und in seiner Umgebung. Dann tauschen wir uns aus, probieren neue Ideen.

Die meisten Spieleautoren arbeiten allein. Warum machen Sie das anders?

Zwei Gehirne denken mehr als eins. Und das Entwickeln ist mit einem Partner lebendiger. Das gemeinsame Ringen um die beste Lösung macht mir Spaß. Meine Frau ist meine erste und wichtigste Test-Partnerin. Erst wenn bei ihr der Daumen nach oben zeigt, geht das Spiel dann auch nach draußen.

Wie lange dauert es, ein Spiel zu entwickeln?

Von der ersten Idee bis zum fertigen Spiel im Laden durchschnittlich etwa 3 Jahre. Meine Entwicklungszeit beträgt bei einem komplexen Spiel mit Tiefgang etwa ein Jahr. Bei der Suche nach einem Verlag vergeht nochmals ein Jahr. Der Verlag benötigt dann für die Realisierung ein halbes bis ein ganzes Jahr.

Kann man vom Spieleerfinden leben?

Ich inzwischen ja, aber das können nur ganz wenige. Die meisten machen es nebenbei. Es ist ganz ähnlich wie bei vielen Schriftstellern.

Haben Sie Tipps für den Spielekauf?

Man muss den Geschmack der Person kennen, für die man das Spiel kauft. Einem Liebhaber von Volksmusik schenkt man auch keine Oper von Wagner. Und man sollte sich die Rückseite der Spieleschachtel genau ansehen. Hier stehen die wichtigsten Informationen.

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