Bratwürste Test

Das verbindet. Größter Abnehmer deutscher Wurst im Ausland ist Frank­reich. Knapp 16 900 Tonnen gingen 2013 über die Grenze.

Deutsche Bratwurst ist auf der ganzen Welt beliebt. Im Test schneiden 16 der 20 Produkte gut ab. Am besten sind die Bio-Würst­chen von Alnatura. Es folgen zwei Nürn­berger.

Am südlichsten Zipfel von Portugal begeistert Wolfgang Bald seit 17 Jahren Touristen wie Einheimische mit Original-Bratwürsten aus seiner Heimatstadt Nürn­berg. Vor dem rauschenden Atlantik essen dort viele „Die letzte Wurst vor Amerika“. Wer in die USA reist, bekommt etwa auf dem Christ­kindlmarkt in Chicago deutsche Bratwurst mit Sauerkraut. Auf der anderen Seite des Pazifiks, nahe der viet­namesischen Stadt Hanoi, laufen seit 14 Jahren Bratwürste nach Thüringer Rezept vom Band. Rund um den Globus ist die German Sausage beliebt.

Der Champion

Der gute Ruf kommt nicht von ungefähr. In unserem Test schneiden 16 von 20 Bratwürsten gut ab, 4 befriedigend. Champion ist die Bio-Bratwurst von Alnatura. Dreimal vergeben die Tester die Bestnote sehr gut für Geruch, Geschmack und Aussehen – neben Alnatura auch für die Nürn­berger von Howe und Schlütter’s Echte.

Im Wett­bewerb traten 18 Bratwürste aus Schweine­fleisch und 2 aus Geflügel an. Die Siegerwurst von Alnatura ist aus Schwein und über­zeugt mit einem vielschichtigen Geschmack, leichter Schärfe und deutlich mehr Muskel­fleisch, als es die Mindest­stan­dards für Bratwurst fordern. Muskel­fleisch ist qualitativ besser als beispiels­weise Bindegewebe. Es liefert wert­volles Eiweiß. Auch die beiden Geflügelwürste im Test schneiden gut ab, sowohl der Bruzzzler von Wiesenhof als auch die Gutfried Geflügel Bratwurst. Nicht auf der Packung angegebenes Fleisch fanden die Tester nicht. Sie prüften unter anderem auf Schaf, Ziege, Pferd, Esel, Känguru und Strauß.

Kaum Keime und Knorpel

Bratwürste Test

2013 exportierte Deutsch­land seine berühmten Würste in 109 Länder. „Bratwurst ist für mich ein typisches Produkt ‚Made in Germany‘ – die Qualität ist super“, sagt zum Beispiel Ondrej Sabo aus Kanada. Der 27-Jährige kam bei der Durch­reise am Frank­furter Flughafen auf den Geschmack.

Die deutschen Bratwürste sind im Laufe der Zeit besser geworden. So zeigte die Unter­suchung auf Keime: Die mikrobiologische Qualität hat im Vergleich zum Vortest Bratwürste, test 7/2010, zugelegt. Damals tummelten sich zahlreiche Keime auf 3 der 19 untersuchten Bratwürste. Sie schnitten auch im test-Qualitäts­urteil mangelhaft ab. Diesmal offen­barte die Analyse bei keinem einzigen Produkt Verderbnis­anzeichen. Auch Knorpel­teilchen waren jetzt kaum auszumachen. Beim letzten Test tauchten die störenden Dinger dreimal auf.

Mit hoch­wertigem Muskel­fleisch

„In Neuseeland gibt es ‚Fritz’s Wieners‘ Bratwürste nach bayerischer Art, mit echter deutscher Bratwurst können die aber nicht mithalten“, berichtet Katie Reid aus Wellington. Vielleicht machen die deutschen Fleisch­leitsätze den Unterschied aus. Sie schreiben unter anderem vor, wie viel Muskel­fleischeiweiß in einer Bratwurst enthalten sein muss. Die Menge variiert je nach Wurst­typ. Je höher der Wert, desto mehr reines Muskel­fleisch enthält die Wurst. Thüringer müssen beispiels­weise mindestens 8,5 Prozent Muskel­fleischeiweiß enthalten, die beiden Thüringer im Test lagen bei rund 12 Prozent.

Kein Hinweis auf Wurstreste

Fast alle geprüften Bratwürste über­steigen die Mindest­anforderungen deutlich. Die Wurst­masse dieser Produkte im Test ist über­durch­schnitt­lich hoch­wertig. Auch fanden die Tester in keinem Produkt Hinweise auf wieder­verwertete Wurstreste, sogenanntes Rework. Bei drei Viertel der Würste stehen „Spitzenqualität“ oder ähnliche Versprechen auf der Packung, bei ihnen wäre Rework sowieso nicht zulässig. Die übrigen Test­kandidaten hätten recht­lich Wurstreste enthalten dürfen.

Hoeneß‘ Wurst ist Vizemeister

„Nürn­berger und Thüringer schme­cken für mich gleich. Ich mag beide“, sagt die 22-jährige Chinesin Liu Yuan. Sie kennt Bratwurst aus einem deutschen Spezialitäten­geschäft in Shanghai. In Deutsch­land gilt die Unterscheidung vielen als Gretchenfrage.

2010 waren die kleinen Würste aus Franken noch die Testsieger. Dieses Mal landen zwei Nürn­berger auf den Plätzen zwei und drei: Howe und Schlütter’s Echte. Die Zweit­platzierten stammen aus dem Unternehmen, das Ex-Fußball-Nationalspieler Uli Hoeneß mitgegründet hat. Der Name der Firma setzt sich aus den ersten beiden Buch­staben seines Nach­namens und dem seines damaligen Geschäfts­part­ners Werner Weiß zusammen.

Schafsaitling schlägt Schweinedarm

„Für mich gehören Bratwurst und Fußball zusammen“, sagt Tahseen Abuzaineh aus Kuwait. Er probierte das deutsche Grill­gut das erste Mal bei einem Besuch in Bremen. Spiele seines Lieblings­ver­eins Borussia Dort­mund verfolgt er auch in seiner Heimat nur mit Bratwurst vor dem Fernseher. Die 28-jährige Samira Iran aus Ahvaz erzählt: „Im Iran kennen wir deutsche Bratwurst nur mit Lamm­fleisch.“

Nürn­berger im Schafs­darm

Hier­zulande ist Lamm­wurst selten, Schwein ist die meist­verzehrte Tier­art. Der Darm des Schafs kommt allerdings häufig, auch bei Schweinewürsten, zum Einsatz. Auf der Verpackung ist er meist als Saitling angegeben. Nürn­berger müssen sogar im Schafs­darm stecken. Er hat einen geringeren Durch­messer als Schweinedarm und eignet sich so besser für die kleine Form der fränkischen Würste. Er ist meist leichter zu kauen als der etwas zähere Schweinedarm, wie die Test­ergeb­nisse zeigen. In einem Fall fiel das besonders auf: Der Darm der Böklunder Pikante Rost­bratwurst von Aldi Süd ist spür­bar zäh und erfordert energisches Kauen.

Über­raschend: Auch die Geflügel­fleisch-Bratwurst von Gutfried steckt in einem Schweinedarm. Für Moslems wie Samira ist sie damit keine Option, sie isst aus religiösen Gründen kein Schwein.

Am Kap der guten Würste

„In Südafrika wird viel gegrillt und stark gewürzt, am liebsten mit Chili und Koriander“, erzählt die in Pretoria lebende Miriam Behrend. Hier teilen sich deutsche Würste den Grill mit der landes­typischen Boerewors. Die wäre im Test aufgefallen – es gibt sie auch mit Strauß oder Antilope.

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