Bonuszertifikate Meldung

In relativ ruhigen Börsenphasen schützen Bonuszertifikate vor Kursverlusten. Gegen heftige Stürme können sie aber nichts ausrichten.

Mit Bonuszertifikaten können Anleger von den Chancen der Aktienmärkte profitieren. Gleichzeitig genießen sie ­einen gewissen Schutz vor Kursrückgängen.

Nach Jahren heftiger Börsenturbulenzen sind die Wünsche der Privatanleger recht deutlich: Sie wollen ein gewisses Maß an Sicherheit kombiniert mit ordentlichen Renditen. Seit knapp einem Jahr sind Bonuszertifikate auf dem Markt. Sie verbinden unbegrenzte Gewinnchancen mit Risikoschutz.

„Mit Bonuszertifikaten erhält der Anleger einen beträchtlichen Sicherheitspuffer gegen Kursverluste und ansprechende Renditen, falls die Börse wieder ins Stocken gerät. Und das, ohne dass er auf die Chancen deutlicher Kursgewinne verzichten müsste“, wirbt Wolfgang Gerhardt von der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.

Das Anlegerinteresse ist beachtlich. Das Angebot an Bonuspapieren auf Einzelaktien, Indizes und Aktienkörbe wächst ständig. Rund 200 solcher Zertifikate sind mittlerweile auf dem Markt. Außer Sal. Oppenheim geben zum Beispiel auch die ABN-Amro-Bank, die Commerzbank, die Hypovereinsbank und die UBS die neuen Papiere heraus.

Wie der Bonus funktioniert

Bonuszertifikate Meldung

Je größer der Risikopuffer, desto entspannter können Anleger die Kurse verfolgen. Viel passieren kann dann nicht. Sie ­verzichten dafür jedoch auf die Dividenden.

Die Funktionsweise von Bonuszertifikaten ist einfach: Der Anleger kauft ein Papier, das sich an der Entwicklung einer Aktie oder eines Indexes orientiert. Es läuft zwischen drei und sechs Jahren. Einsteigen kann der Anleger während der gesamten Laufzeit. Ebenso kann er das Papier jederzeit zum dann aktuellen Kurs verkaufen.

Behält er das Papier bis zum Schluss, greift die Bonuskonstruktion. Dabei verspricht die Bank dem Anleger unter bestimmten Voraussetzungen die Rückzahlung eines Mindestbetrags. Je nach Einstiegspreis schützt das den Anleger vor Verlust oder sichert ihm einen Mindestgewinn. Daher der Begriff Bonus.

Den Bonus gibt es allerdings nur, wenn der zugrunde liegende Basiswert – eine Aktie oder ein Index – während der Laufzeit eine festgelegte Sicherheitsschwelle nie berührt oder unterschreitet. Sobald diese Kursschwelle unterschritten wird, entfällt der Bonus und das Papier verwandelt sich in ein normales Zertifikat. Der Anleger nimmt an der Kursentwicklung des Basiswerts teil und kann auch Verlust machen.

Zertifikate auf Indizes

Als Beispiel zur Veranschaulichung der Funktionsweise dient das Bonuszertifikat von Sal. Oppenheim mit der Kennnummer Isin DE 000 556 696 2 (siehe auch Tabelle): Es bezieht sich auf den Aktienindex Euro Stoxx 50.

Das Bezugsverhältnis ist 100:1. Bei Auflage am 16. Oktober 2003 stand der Euro Stoxx 50 auf 2 570 Punkten, entsprechend kostete das Zertifikat 25,70 Euro. Es läuft bis 22. Dezember 2009. Der Bonus beträgt 10 Euro oder, bezogen auf den Auflagepreis, 5,5 Prozent pro Jahr. Klettert der Index auf 3 570 Punkte, ist das Bonusniveau erreicht.

Die Sicherheitsschwelle, das ist der Kurs, unter den der Index bis zum Bewertungstag nicht fallen sollte, liegt bei einem Stand des Euro Stoxx 50 von 1 670 Punkten. Bewertungstag ist der Tag, an dem Sal. Oppenheim feststellt, was der Anleger am Ende der Laufzeit zurückbekommt – in diesem Fall ist es der 15. Dezember 2009.

Die Art der Rückzahlung hängt davon ab, wie sich der Basiswert während der Laufzeit entwickelt. Vorstellbar sind folgende Szenarien (siehe Tabelle).

Szenario 1 (grün): Der Euro Stoxx 50 legt während der Laufzeit stetig zu und steht am Ausübungstag bei 3 900 Punkten, weit über dem Bonusniveau von 3 570 Punkten. Der Bonus ist zwar über die gesamte Zeit intakt geblieben, aber unwichtig geworden. Der Anleger bekommt den Gegenwert des Index ausgezahlt: pro Zertifikat 39 Euro.

Szenario 2 (blau und rot): Der  Euro Stoxx 50 durchbricht die Sicherheitsschwelle. Der Bonus entfällt. Das Bonuspapier funktioniert wie ein Indexzertifikat. Die Rückzahlung entspricht dem Stand des Euro Stoxx 50 am Bewertungstag. Notiert der Index bei 3 900 Punkten, bekommt der Anleger wie im ersten Beispiel pro Zertifikat 39 Euro ausgezahlt. Notiert er bei 2 000 Punkten, sind es 20 Euro.

Szenario 3 (orange): Der Euro Stoxx 50 bewegt sich während der gesamten Laufzeit über der Sicherheitsschwelle. Am Bewertungstag steht er bei 2 500 Punkten – unter dem Bonusniveau und unter dem Einstiegspreis des Anlegers. Er bekommt den Bonus trotzdem ausgezahlt, weil der Index die Sicherheitsschwelle nicht berührt hat und erhält insgesamt 35,70 Euro pro Papier. Das ist mehr als für die Direktanlage. Ein Indexzertifikat auf den Euro Stoxx 50 ­wäre bei Laufzeitende nicht 35,70 Euro, sondern nur 25 Euro wert gewesen.

Zertifikate auf einzelne Aktien

Ein Bonuszertifikat kann sich statt auf einen Index auch auf eine einzelne Aktie beziehen.

Zum Beispiel hat die Commerzbank am 15. August 2003 ein solches Bonuszertifikat auf die Aktie der Allianz AG ausgegeben (Isin DE 000 192 065 0). Das Bezugsverhältnis ist 1:1. Der Ausgabepreis lag bei 85,50 Euro.

Der Bonus beträgt 14,50 Euro. Wenn die Aktie die Sicherheitsschwelle nicht durchbricht, bekommt der Anleger 100 Euro zurück (85,50 Euro + 14,50 ­Euro). Die Sicherheitsschwelle liegt bei 75 Euro. Das Papier läuft bis 23. August 2006. Entscheidend für die Rückzahlung ist der Bewertungszeitraum zwischen dem 16.  Mai 2006 und dem 16.  August 2006. Auch hier sind verschiedene Szenarien denkbar:

Szenario 1: Die Allianz-Aktie steigt stetig auf 110 Euro. Der Anleger bekommt am Fälligkeitstag pro Zertifikat eine ­Allianz-Aktie. Seine Rendite ist in etwa so hoch, wie wenn er die Aktie direkt gekauft hätte.

Szenario 2: Die Allianz-Aktie rutscht im Bewertungszeitraum auf 72 Euro, das heißt unter die Sicherheitsschwelle, notiert aber am Ausübungstag, dem 16. August 2006, bei 88 Euro. Der Anleger bekommt ebenfalls Aktien.

Szenario 3: Die Allianz-Aktie rutscht nicht unter die Sicherheitsschwelle, notiert am Ausübungstag aber unter dem Ausgabekurs, nämlich bei 80 Euro. Der Anleger bekommt pro Zertifikat 100 Euro ausgezahlt. Damit steht er besser da als der Aktionär. Die Aktie hätte ihm im Vergleich zum Einstiegspreis einen Verlust von 5,50 Euro beschert.

Der Preis für die Sicherheit

Die Beispiele zeigen, dass sich Bonuszertifikate besonders dann lohnen, wenn sich der Kurs zwischen Kursunter- und Kursobergrenze bewegt. Nur dann kann der Anleger von der Bonuszahlung profitieren und mehr bekommen als für die Direktanlage.

Allerdings hat diese höhere Gewinnchance, die gleichzeitig mehr Sicherheit bedeutet, ihren Preis. Der Anleger bezahlt sie, indem er auf die Dividenden verzichtet. Mit ihnen finanziert die Bank Bonus und Risikoabsicherung.

Was das kostet, kann der Anleger nur ungefähr nachvollziehen. Die jährliche Dividendenrendite des Euro Stoxx 50 beträgt zurzeit rund 2,5 Prozent. Fällt die Bonuszahlung aus, bedeutet das für den Anleger einen Renditenachteil von 2,5 Prozent pro Jahr ­gegenüber einem Indexzertifikat, das Dividenden enthält.

Hätte der Anleger ein solches Papier gekauft, würde bei einem Anstieg des Euro Stoxx 50 auf 3 900 Punkte seine Rendite 9,5 statt 7 Prozent pro Jahr betragen (siehe Tabelle). Bei einem Absturz auf 2 000 Punkte würde er nicht 4, sondern nur 1,5 Prozent pro Jahr verlieren.

Eine Rendite von 5,5 Prozent pro Jahr würde er nach dieser Rechnung allerdings erst dann erzielen, wenn der Euro Stoxx 50 auf 3 080 Punkte klettert. Der Inhaber des Bonuszertifikats bekäme diese Rendite bereits ab einem Stand von 1 671 Punkten, während das Indexpapier noch im Verlust liegen würde.

Lässt der Index die 3 080-Punkte-Marke hinter sich, zahlt sich der Dividendenvorsprung aus: Von hier an läuft das Indexzertifikat besser.

Das Risiko

Bonuszertifikate bieten keine vollständige Kapitalgarantie. Es besteht die ­Gefahr, dass die Sicherheitsschwelle während der Laufzeit unterschritten wird. Dieses Risiko ist bei den meist langen Laufzeiten – in der Regel drei Jahre bei Aktien und sechs Jahre bei Indizes – nur schwer einzuschätzen.

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