Bonuszertifikate Test

Ein Bonuszertifikat lockt mit großzügigen ­Prämien und verheißt eine gute Rendite auch in flauen Börsenzeiten. Zum Angebot gehört ein Schutz vor Kursverlusten.

Bonuszertifikate sind beliebt, weil sie selten Verlust machen und trotzdem hohe Erträge bringen können. Zumindest einige aus unserer Stichprobe werden diesem guten Ruf gerecht.

Wie geschaffen für ein Bonuszertifikat war die T-Aktie, dümpelte sie doch jahrelang in vielen Anlegerdepots vor sich hin, ohne dass sich ihr Kurs nennenswert änderte. Wer statt der T-Aktie selbst ein Bonuszertifikat auf die T-Aktie kaufte, ­erfreute sich trotz deren Antriebslosigkeit einer ordentlichen Rendite.

Den Bonus gibt es immer dann, wenn die Aktie kaum vom Fleck kommt und weder stark steigt noch stark fällt.

Sicherheitspuffer

Bonuszertifikate Test

Droht ein Unwetter, dann hilft der Schutz nicht viel. Vor heftigen Turbulenzen an der Börse sind die Käufer von Bonuszertifikaten nicht gefeit.

Bonuszertifikate sind mit einem Sicherheitspuffer ausgestattet und federn die kleineren Verluste der Aktie ab. Mitunter ist der Schutz sogar recht hoch und fängt Verluste von bis zu 50 Prozent auf. Gegen größere Abstürze können Bonuszertifikate allerdings nichts ausrichten. Sie reißen den Anleger voll mit.

Kritiker ätzen deshalb: Wer sollte ein Produkt kaufen wollen, das vor kleinen Schäden schützt, nicht aber vor großen? Kleinere Verluste könnten die meisten Anleger locker wegstecken.

Dem setzen die Befürworter entgegen, dass ein großer Verlust nicht sehr wahrscheinlich sei. Sehr viel häufiger mache den Anlegern ein Minus von 20 bis 30 Prozent zu schaffen.

Unser Test

Wir haben sieben Bonuszertifikate untersucht, die Ende Oktober zur Zeichnung auflagen. Sechs davon beziehen sich auf den Aktienindex DJ Euro Stoxx 50, der die wichtigsten Werte aus dem Euro-Raum abbildet. Einem Zertifikat liegt ein Korb aus drei deutschen Aktien zugrunde.

Vier der Bonuszertifikate beteiligen Anleger uneingeschränkt an möglichen Kursgewinnen des Basiswerts. Steigt der Basiswert über den Bonus hinaus, bekommt der Anleger mehr als den Bonus.

Drei Zertifikate sind mit einem Cap ­versehen, einer Gewinnobergrenze. Auch wenn der Basiswert über die Grenze steigt, bekommt der Anleger nur den Bonus.

Gleich, ob mit oder ohne Cap: Es gibt in beiden Kategorien Zertifikate mit hohen Renditechancen und einem geringen Verlustrisiko.

Von den Zertifikaten ohne Gewinngrenze schneidet das Angebot der Hypovereinsbank am besten ab. Das Bonuszertifikat auf den DJ Euro Stoxx 50 läuft fünf Jahre. Es lässt nach unseren Berechnungen eine hohe durchschnittliche Rendite von 10,7 Prozent pro Jahr erwarten. Die Verlustwahrscheinlichkeit ist äußerst gering. Nur in 1,9 Prozent der von uns simulierten Kursverläufe kam es dazu, dass das Zertifikat mit einem Verlust ausgelaufen ist.

Damit unsere Hochrechnungen aussagekräftig sind, haben wir 10 000 verschiedene Kursverläufe berechnet (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet, S. 33).

Hoher Bonus möglich

Mit dem Zertifikat der Hypovereinsbank (HVB) bekommt der Anleger einen Bonus von 40 Prozent auf den Nennwert. Das entspricht einer Rendite von im Schnitt 7 Prozent pro Jahr.

Voraussetzung ist, dass der Basiswert die eingezogene Sicherheitsschwelle während der Laufzeit nicht verletzt. Ist der Basiswert am Ende der Laufzeit höher gestiegen, zum Beispiel um 8 Prozent pro Jahr, bekommt auch der Zertifikatekäufer eine Rendite von 8 Prozent pro Jahr.

Das Bonuszertifikat hat einen Sicherheitspuffer von 50 Prozent. Der Index könnte von jetzt rund 4 400 Punkten (Stand 20. Oktober 2007) auf rund 2 200 Punkte fallen, ohne dass der Zertifikatekäufer einen Verlust machen würde.

Wenn das Bonuszertifikat aber während der Laufzeit auf oder unter den Schwellenwert von 50 Prozent fällt, funktioniert es anschließend ähnlich wie ein Indexzertifikat und bildet die Kursentwicklung des DJ Euro Stoxx 50 voll ab – auch nach unten.

Die Dividende ist der Preis

Den Bonus und die eingebaute Sicherheit gibt es natürlich nicht umsonst. Als Preis dafür verzichtet der Anleger auf die Dividenden. Die Dividendenrendite für den DJ Euro Stoxx 50 betrug in den vergangenen fünf Jahren 2,4 Prozent pro Jahr.

Wir haben ausgerechnet, was sich mehr lohnt: Der Kauf des Bonuszertifikats oder die Direktanlage in einen Indexfonds, bei dem der Anleger die Dividenden bekommt.

Was die Durchschnittsrendite angeht, schneidet das HVB-Bonuszertifikat besser ab als die Direktanlage. Für das Zertifikat haben wir eine Rendite von 10,7 Prozent berechnet. Diese liegt über der des Basiswerts. Die Differenz ohne Berücksichtigung der Dividenden beträgt 2,9 Prozent (siehe Tabelle). Allerdings bekommt der Käufer des Zertifikats keine Dividende, der Käufer des Indexfonds aber doch. Diese beträgt 2,4 Prozent. Im Ergebnis bleibt das Zertifikat also besser.

Kommt es jedoch zu einem Verlust, ist dieser für den Anleger mit Bonuszertifikat noch höher als für den Indexfondskäufer, eben weil die Dividenden fehlen. Aus dem- selben Grund macht er weniger Gewinn, wenn der Kurs über die Bonusgrenze ­hinaus ansteigt.

Auch das Bonus Control der DZ Bank bietet eine bessere Durchschnittsrendite als die alternative Indexanlage: Es erreicht in der Simulation im Schnitt 11 Prozent pro Jahr. Die anderen Zertifikate im Test waren schlechter als die Direktanlage.

Am schlechtesten schneidet das Aktien Maxi Bonus Zertifikat von HSBC Trinkaus & Burkhardt ab. Es bezieht sich auf Bayer, SAP und Münchner Rück und bringt eine Rendite von durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr. Lägen die drei Aktien gleichgewichtet im Depot, hätten Anleger eine vielfach höhere Gewinnchance.

Mehr Sicherheit, weniger Rendite

Generell weniger Rendite versprechen die Bonuszertifikate mit Cap. In der Regel ist der Anleger bei diesen Papieren aber besser vor Verlusten geschützt. Dass der Gewinn an der Bonusgrenze stehenbleibt, ist der Preis für die größere Sicherheit.

Das Bonus Cap Control Zertifikat der DZ Bank bietet eine Bonusrendite von 7,8 Prozent. Dass es den Bonus gibt, ist überaus wahrscheinlich: in 98,7 Prozent der Fälle. Wer allerdings Pech hat und die anderen 1,3 Prozent erwischt, muss mit höheren Verlusten rechnen.

Noch etwas sicherer ist das Protect-Bonus-Cap von Sal. Oppenheim, das mit ­einer Wahrscheinlichkeit von fast 98,9 Prozent den Bonusbetrag auszahlt. Die Rendite für das eineinhalb Jahre laufende Papier beträgt dann 6,6 Prozent.

Beide Papiere sind eine renditeträchtige Alternative zu Unternehmensanleihen. Wer sie jetzt kauft und vor dem 30. Juni 2009 verkauft, kann die Erträge steuerfrei kassieren. Die zwölfmonatige Haltedauer für die Spekulationsteuer ist bis dahin verstrichen. Und nur für Zertifikate, die jetzt gekauft und nach dem 30. Juni 2009 verkauft werden, wird Abgeltungsteuer fällig.

Doch nicht jedes Zertifikat mit Cap bietet hohe Sicherheit. Das schlechteste Angebot mit Cap kommt ausgerechnet von der Hypovereinsbank, die in der Kategorie „ohne Cap“ am besten abgeschnitten hat.

Das HVB Bonus Cap Zertifikat auf den DJ Euro Stoxx 50 weist nach unseren Berechnungen eine durchschnittliche Rendite von nur 6,4 Prozent auf, und das bei ­einer Verlustwahrscheinlichkeit von 8 Prozent. Das Risiko lohnt sich nicht.

Ganze Märkte oder einzelne Aktien

Die meisten Bonuszertifikate beziehen sich auf Einzelaktien. Ausgerechnet in unserem Untersuchungszeitraum kam aber keines auf den Markt, weswegen in der Tabelle auch keines zu finden ist. Aber wir können allen Anlegern, die sich für solche Papiere interessieren, Tipps geben, wie sie gute Papiere von schlechten unterscheiden lernen.

Faustregel eins lautet: Je niedriger der Schwellenwert, desto weniger Risiko geht der Anleger ein.

Daraus leitet sich die zweite Faustregel ab: Je niedriger das Risiko, desto niedriger normalerweise auch die Rendite beziehungsweise der Bonus. Um zu wissen, ob Risiko und Rendite in vernünftigem Verhältnis stehen, vergleicht der Anleger zwei Zertifikate mit gleichem Basiswert und ähnlicher Laufzeit.

Unsere Tabelle bietet dafür ein schönes Beispiel: Das Bonuszertifikat der Hypovereinsbank läuft ungefähr genauso lang wie das der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das Risiko des HVB-Papiers ist geringer: Die Schwelle liegt bei 50 Prozent, die LBBW sieht die Grenze bei 60 Prozent vor. Demzufolge müsste es bei der LBBW einen höheren Bonus geben. Tatsächlich zahlt aber die HVB mehr und bietet damit das bessere Papier.

Alle, die noch T-Aktien im Depot haben und nach der Lektüre des Artikels ins Grübeln gekommen sind, seien daran erinnert, dass sie beim Kauf eines Bonuszertifikats auf die Dividende verzichten. Die war bei der Telekom im vergangenen Jahr besonders hoch: 5,2 Prozent.

Das gleicht einen dümpelnden Kurs schon fast wieder aus. Im Übrigen hat die Aktie im vergangenen Jahr wieder Schwung aufgenommen. Plus 16 Prozent, das gab es lange nicht mehr.

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