Bohrmaschinen Test

Statt schnurstracks die Arbeit zu erledigen, erzürnt so manche Bohrmaschine ihren Besitzer. Der Test zeigt die Könner und die Versager.

Geht nicht, gibts doch! Jeder Praktiker hat es schon einmal erlebt, wenn er mit dem falschen Werkzeug ein Loch bohren wollte. Das kann schnell schief gehen. Bohrer laufen heiß. Bohrmaschinen sind nicht kräftig genug, Akkus plötzlich leer. Der Heimwerker schwitzt und schimpft. Er denkt an sich selbst zuletzt und gibt den Geräten im privaten Maschinenpark die Schuld. Dabei könnte ihn ein rechtzeitiger und vor allem gezielter Kauf vor Fehlschlägen beim Heimwerken bewahren.

Bohren und schlagen

Bohrmaschinen Test

Schlagbohrmaschine für Holz, Metall und Ziegelwände

Erste Fehleinschätzung: Für viele Heimwerker ist eine Schlagbohrmaschine noch immer der Alleskönner unter den elektrischen Bohrwerkzeugen. Doch beim Bohren in Beton stößt der Schlagbohrer an seine Grenzen: Die Bohrer verschleißen schneller, die Maschine vibriert stark und der Freizeithandwerker braucht mehr Kraft beim Andrücken. Hier ist ein Bohrhammer die richtige Wahl.

Die Schlagbohrmaschine schafft aber mit 600 bis 1 000 Watt Leistung und bis zu 3 500 Umdrehungen pro Minute jedes Loch in Holz und Metall. Mit eingeschaltetem Schlagwerk gibt sie auch beim Löcherbohren in Mauerwerk aus Ziegeln und Kalksandstein nicht gleich auf.

Wird mehr Power gewünscht, ist eine Maschine mit zwei Gängen wie die meisten im Test die richtige Wahl: Der Schnellgang eignet sich für Bohrer mit kleinem Durchmesser, der langsame Gang liefert die nötige Kraft für dicke Bohrer und zum Ein- und Ausdrehen von Schrauben. Denn der Bohrer ist gleichzeitig Schrauber, wenn Rechts- und Linkslauf und eine Elektronik, mit der sich die Drehzahl variieren lässt, zur Ausstattung gehören.

Die Stärken der sechs „guten“ Schlagbohrmaschinen im Test sind problemloses Bohren, lange Haltbarkeit und eine einfache Handhabung. Mit Ausnahme der Metabo SBE 1010 Plus zeigten sich jedoch leichte Schwächen beim Schrauben. Das schwarze Schaf im Testfeld: die relativ billige Black & Decker KR70. Sie konnte im Dauertest nicht mithalten.

Übrigens: Fast schon Standard ist heutzutage ein Schnellspannbohrfutter. Es hat das Bohrfutter mit Zahnkranzschlüssel, der gern in der Werkzeugkiste verloren geht, abgelöst. Bohrerwechsel im Handumdrehen bieten Bohrmaschinen, deren Spindel automa­tisch oder per Knopfdruck im Stand arretiert.

Bohren und hämmern

Bohrmaschinen Test

Bohrhammer mit Drehstopp fürs Meißeln

Wer im Plattenbau wohnt oder von Beton- oder Klinkerwänden umgeben ist, wird mit einem Schlagbohrer nicht glücklich. Er braucht einen Bohrhammer. Mit seinem Hammerwerk dringt er, ohne groß zu drücken, fast von allein in massive Wände ein. Mit eingeschaltetem Schlagstopp können mit dem Bohrhammer auch Fliesen und weichere Wandbau-steine wie Bims und Porenbeton gebohrt werden. Ein nützliches Extra ist auch ein Drehstopp: Das macht Arbeiten mit einem Meißel möglich. Alte oder beschädigte Fliesen können abgeschlagen, kleinere Mauerdurchbrüche und Wandschlitze angefertigt werden.

Die sechs Bohrhämmer mit 620 bis 780 Watt Nennleistung schnitten schlechter ab als die Schlagbohrer, mussten aber im Test auch mehr leisten. Skil 1755 und Makita HR 2440 versagten im Dauertest und erhielten ein „mangelhaftes“ Qualitätsurteil. Auch bei den übrigen waren Funktion und Haltbarkeit bis auf den Bosch nur „befriedigend“.

Der Knickschutz des Kabels am Skil-Bohrhammer war stark mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet, die Krebs erzeugend und Erbgut verändernd wirken. PAK kann über die Haut in den Körper ge­langen, besonders leicht bei verschwitzten oder mit Öl verschmierten Händen. Erstmals sind wir bei Billigwerkzeugen, die als Aktionsware angeboten wurden, auf diese giftigen Substanzen gestoßen.

Bohrhämmer sind mit einer SDS-plus-Werkzeugaufnahme ausgestattet und eignen sich nur für Bohrer und Meißel mit SDS-plus-Schaft (SDS = Stecken durch System). Diese Bohrer sind zwar teurer, halten aber länger als herkömmliche Hartmetallbohrer (siehe „Kleine Bohrkunde“).

Einziger Bohrhammer im Test mit einem Wechselsystem für das Bohrfutter ist Bosch PBH 240 RE. Je nach Hersteller tragen solche Wechselsysteme unterschiedliche Namen: SDS-Wechselbohrfutter heißen sie bei Bosch, zum Beispiel FixTec bei AEG, Quick-Bohrfutterwechsel bei Metabo.

Vorsicht: Nie das Hammerbohrwerk einschalten, wenn ein Zahnkranzfutter aufgesetzt ist. Die hohe Schlagkraft wird zum einen nur unzureichend auf das eingespannte Werkzeug übertragen. Zum anderen halten Bohrer und Bohrfutter die Schläge nicht lange aus.

Bohren ohne Kabel

Bohrmaschinen Test

Kompakte Akku-Bohrschrauber fürs Schrauben in Ecken und engen Schränken.

Als sinnvolle Ergänzung zum Bohrhammer bietet sich ein Akkubohrschrauber für die übrigen Arbeiten in Haus und Garten an. Er ist handlicher als ein Schlagbohrer und vom Stromnetz unabhängig. Geringes Gewicht und schnelle Lademöglichkeit, als Alternative auch ein zweiter Akku – darauf sollte man beim Kauf eines Akkubohrschraubers achten. Vorteilhaft ist auch ein kompaktes Gehäuse: Das zahlt sich aus beim Arbeiten zwischen engen Regalböden und schmalen Schränken, zum Beispiel bei der Montage einer Einbauküche, beim Aufstellen von Möbeln oder Spielgeräten im Garten. Ein abnehmbares Bohrfutter verkürzt die Länge des Geräts nochmals, wenn der Schrauberbit unmittelbar in die Spindel des Geräts gesteckt werden kann.

Die Bohrschrauber im Test haben durchweg eine Akkuspannung von 14,4 Volt. Diese Angabe sagt jedoch nichts über deren Ausdauer aus. Die zum Arbeiten verfügbare Energiemenge wird als Akkukapazität angegeben. Sie liegt zwischen 1,4 Amperestunden beim Metabo und 2 Amperestunden beim Makita, den beiden besten Akkuschraubern im Test.

Am Ende des Testfelds rangieren zwei Eingangmaschinen von Skil und Black & Decker, mit je 50 Euro die preiswertesten. Mit 550 beziehungsweise 750 Umdrehungen pro Minute sind sie zum Bohren eigentlich zu langsam. Sie haben auch beim Schrauben wenig Kraft. Das Gesamturteil für sie lautet am Ende: „ausreichend“.

Weiterer Kritikpunkt – allerdings auch für die anderen kabellosen Geräte im Test: Sie sind alle mit Nickel-Kadmium-Akkus ausgestattet. Das ist Stand der Technik von gestern. Wir haben sie deshalb in den Umwelteigenschaften abgewertet. Zeitgemäß wären Nickel-Metallhydrid- oder Lithiumionen-Akkus.

Tipp: Für lang andauernde Arbeiten mit Schlagbohrmaschine oder Bohrhammer empfiehlt sich ein Ohrenschutz. Und bei Arbeiten über Kopf sollte der Praktiker die Schutzbrille nicht vergessen.

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