Bohrhammer von Lidl Schnelltest

Einen Bohrhammer für 59,99 Euro bietet Lidl seit Donnerstag an. Markenware kostet viel mehr, andere Billiggeräte zuweilen noch weniger. test.de hat per Schnelltest überprüft, wie gut der Lidl-Bohrhammer funktioniert und wie lange er durchhält.

Reichlich Zubehör

Auf den ersten Blick sind die test-Ingenieure ganz angetan. Der Bohrhammer macht einen soliden Eindruck und kommt mit reichlich Zubehör daher. Allein die beiden Meißel und die drei SDS-Steinbohrer kosten bei manchem Markenhersteller mehr als das ganze Lidl-Set. Sehr angenehm: Das Netzkabel ist vier Meter lang. Da sind die meisten Bohrstellen auch ohne Verlängerungsschnur oder ständiges Steckdose-Wechseln erreichbar.

Viel Schlagkraft

Daseinsberechtigung eines Bohrhammers: Löcher in Beton oder Stein zu schlagen und alte Fliesen oder Kacheln zu entfernen. Beides meistert der Bohrhammer aus dem Lidl-Angebot ohne größere Anstrengung. Selbst teure Markengeräte aus dem Vergleichstest 2006 schafften das kaum besser. Beispiel: Für 16 Millimeter dicke und drei Zentimeter tiefe Bohrungen in Granit bracht der Discount-Bohrhammer nicht mal 15 Sekunden. Erster kleiner Mangel: Der Tiefenanschlag hält nicht richtig. Unter Belastung verrutscht er unversehens. Wers nicht merkt, bohrt seine Löcher tiefer als geplant.

Wenig Präzision

Wie alle anderen Bohrhämmer auch tut sich das Lidl-Gerät beim Bohren schwer. Das Aufsteckbohrfutter ist etwas schwach. Immer mal wieder bleibt der Bohrer stecken, während sich das Bohrfutter weiterdreht. Es läuft auch nicht ganz rund. Löcher werden immer etwas größer als der Durchmesser des Bohrers. Auch das ist ein Bauart-bedingter Mangel. Zum Bohren sind klassische Schlagbohrmaschinen besser geeignet.

Kaum Drehmoment

Auch zum Schrauben ist der Bohrhammer kaum geeignet. Acht Millimeter-Schrauben in Kiefernholz schafft er so gerade eben mit rutschender Kupplung. Dünnere Schrauben versenkt er problemlos, stoppt aber mit Verzögerung und will daher mit viel Gefühl gesteuert werden, wenn die Schrauben genau bündig ins Holz sollen.

Bescheidenes Durchhaltevermögen

Größte Hürde für Bohrhämmer im test-Labor: die Dauerprüfung. Auch die Lidl-Geräte schwächeln hier. Im Schlagwerks-Betrieb sind sie vorzeitig am Ende. Nach nicht ganz zwei Dritteln des Solls tut sich bei zwei der drei Maschinen gar nichts mehr. Bei der einen ist das Getriebe und bei der anderen der Motor hinüber. Das Soll entspricht ungefähr zehn Jahren Nutzung bei einem Durchschnittsheimwerker. Die Lidl-Bohrhämmer schaffen umgerechnet also ungefähr sechs Jahre. Besser schlagen sich die drei anderen Maschinen in der Motordauerprüfung. Nach einer knapp neun Jahren Heimwerker-Nutzung entsprechenden Belastung funktionieren sie noch einwandfrei.

Keinerlei Belastung

Gute Nachrichten kommen schließlich noch aus dem Chemie-Labor: In den verschiedenen Materialien der Bohrhammer-Gehäuse fanden die Wissenschaftler keine nennenswerten Mengen von Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Weichmachern, wie test vor Jahren gerade in preiswerten Werkzeugen in erschreckenden Mengen aufgefallen waren.

Test:  Schlagbohrmaschinen & Bohrhämmer im Vergleich

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