Der Börsen­index Dax ist in den letzten Tagen abge­stürzt.

Nach dem Crash an den Aktienmärkten fragen sich Anleger, wie es weitergeht. ETF auf den Aktien­index MSCI World haben massiv an Wert verloren. Anleger sollten sich nicht von der Panik anste­cken lassen. Sparer, die mit dem Finanztest Pantoffel-Portfolio anlegen, behalten ihre Mischung im Blick, um eventuell günstig umzu­schichten. Wir zeigen Ihnen, wie sich verschiedene Anlagen – ange­fangen von Anleihen über Gold und Immobilienfonds bis hin zu Riester – in der Corona-Krise entwickeln. Außerdem bieten wir Ihnen ein täglich aktualisiertes Berechnungs­tool, mit dem Sie die aktuelle mit früheren Krisen vergleichen können.

Corona reißt die Märkte nach unten

Corona – Informationen der Stiftung Warentest

Corona und die Wirt­schaft. Informationen zur Lage auf den Aktienmärkten finden Sie in diesem Special.

Corona – Verbreitung und Gesundheit. Laufend aktualisierte Einschät­zungen und Gesund­heits­hinweise der Gesund­heits­experten der Stiftung Warentest finden Sie im FAQ Corona – Ausbreitung, Gesundheit.

Rechts­fragen in der Corona-Krise. Im Special Corona – Job, Recht, Reisen, Verträge informieren die Rechts­experten der Stiftung Warentest unter anderem über Fragen des Arbeits­rechts und des Reise­rechts in Zeiten von Corona.

Seit sich das Coronavirus („2019-nCoV“) welt­weit ausbreitet, ist es an den Börsen zu größeren Kurs­verlusten gekommen. Der MSCI World, ein Aktien­index, der über 1 600 Aktien aus 23 Industrieländern abbildet, ist von seinem Hoch im Februar in Euro gerechnet bis Mitte März um über 30 Prozent gefallen, nachdem er im vergangenen Jahr ordentlich gestiegen war. Viele Finanztest-Leser haben in der Vergangenheit ETF (börsen­gehandelte Indexfonds) gekauft, die den MSCI World abbilden. In den letzten Monaten waren diese ETF extrem gestiegen. Mitte März lag ihr Wert jedoch wieder auf einem Niveau von 2016.

Virus hat reale Folgen für die Wirt­schaft

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirt­schaft sind mitt­lerweile für jeden spür­bar: Niemand reist mehr, Flug­linien halten ihre Flugzeuge am Boden, Auto­mobil­hersteller stoppen die Produktion, alle Veranstaltungen wurden abge­sagt, die Nach­frage in China ist einge­brochen und Handel und Dienst­leistungen sind nicht nur in Deutsch­land massiv einge­schränkt. Es gibt also neben einer allgemeinen Verunsicherung auch gute Gründe, warum Börsen­kurse jetzt fallen.

Europas Börsen mit massiven Verlusten

Auch der deutsche Aktien­index Dax hat seit seinem Allzeit­hoch vom 17. Februar mehr als 30 Prozent verloren. Ein ähnliches Bild geben die anderen europäischen Börsen ab. Ob Frank­reich, Groß­britannien, Spanien oder Italien – über­all gab es massive Verluste. Nur am Schweizer Markt sieht es besser aus.

Schwellenländer ebenfalls betroffen

Das Virus grassiert auch in den Schwellenländern. In China fallen die Verluste an den Aktienmärkten derzeit noch am geringsten aus. Am schwersten hat es Brasilien getroffen. Dort haben die Verluste knapp 50 Prozent erreicht. Insgesamt stehen die Schwellenländer aktuell ein wenig besser da als die Industrieländer. Der MSCI Emerging Markets liegt mit gut 24 Prozent im Minus, der MSCI World mit knapp 27 Prozent.

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Krisen im Vergleich (mit Berechnungs­tool)

Unser Tool zeigt die aktuelle Entwick­lung der Aktienmärkte im Vergleich zu anderen Krisen in der Vergangenheit. Wählen Sie entweder den deutschen Aktien­index Dax oder den welt­weiten Aktien­index MSCI World, einen Beob­achtungs­zeitraum und drücken Sie „Berechnen“:

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Nicht der erste Absturz an der Börse

Die aktuelle Börsen­phase ist extrem, aber auch nicht einzig­artig. Im Oktober 1987 stürzte der US-Index Dow Jones Industrial an einem einzigen Tag um mehr als 20 Prozent ab. Im Zuge der Finanz­krise ab 2007 summierte sich der maximale Verlust beim MSCI World für Euro-Anleger auf fast 48 Prozent. Zehn Jahre später waren betroffene Anleger aber wieder komfortabel im Plus. Der krasse Absturz der vergangenen Tage ereignete sich nach einer lang­jährigen, zeit­weise starken Aufwärts­bewegung. Allein im Jahr 2019 hatte der Welt­index aus Sicht von Euro-Anlegern um mehr als 30 Prozent zugelegt, Mitte Februar bewegte er sich noch im Bereich seines Allzeit­hochs.

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Wie verschiedene Anla­geklassen betroffen sind

Die meisten Aktienfonds sind in der Corona-Krise massiv gefallen. Selbst die „Krisenwährung“ Gold blieb nur kurz­fristig stabil. Als sich im März Panik an den Finanzmärkten breit machte, fiel auch der Gold­preis von seinem kurz zuvor erreichten Allzeit­hoch in Euro kräftig, erholte sich in den letzten Tagen allerdings. Auch Kryptowährungen wie Bitcoin gelten manchen Anlegern als Schutz in Krisen­zeiten. Keine gute Idee: Der Wert des Bitcoin in Euro hat sich im Lauf der Krise zwischen­zeitlich halbiert.

Auch Gold zeit­weise im Minus

Gold gilt als die Krisenwährung schlecht­hin. Zu Anfang der Corona-Krise wurde das Edel­metall seinem Ruf auch gerecht. Depot­besitzer mit hoher Aktienquote konnten durch eine Gold­beimischung ihren Gesamt­verlust etwas eindämmen. Doch dann geriet auch der Gold­preis unter Druck. Ein Grund dafür dürfte sein, dass viele Anleger dringend Bares brauchten. In solchen Markt­phasen wird alles verkauft, was vorher Gewinne erzielt hat. Auf längere Sicht bleibt Gold eine sinn­volle Depotbei­mischung mit einem Anteil von 5 bis 10 Prozent. Wer in Gold investieren will, findet Tipps in unserem Test Barren, Münzen, Gold-ETC und Sparpläne.

Nicht nur Edel­metalle, auch Basis­metalle wie Kupfer sind betroffen. Wie schon in der Finanz­krise 2008/ 2009 stürzten auch diesmal die Rohstoff­preise jäh in die Tiefe. Der Dow Jones Commodity Index büßte inner­halb von zwei Wochen mehr als 40 Prozent seines Wertes ein. Noch dramatischer ist der Preis­verfall im Energiesektor. Durch den extremen Rück­gang des Roh­ölpreises verlor der Index MSCI AC World Energy zeit­weise deutlich über 50 Prozent. Das betrifft viele Rohstoff­fonds: Rohöl ist in den meisten Fonds dominant, auch wenn die Produkt­namen manchmal etwas anderes erwarten lassen. Solange es sich nur um eine kleine Depotbei­mischung handelt, ist der Schaden über­schaubar. Anleger sollten nicht größere Teile ihres Vermögens in Rohstoffe stecken.

Anleihen als Stabilitäts­anker

Zu Beginn der Krise funk­tionierten Staats­anleihen als sicherer Hafen noch. Doch weil sich die Krise immer mehr zuspitzt, wachsen die Ausgaben der Regierungen – für Gesund­heits­ausgaben ebenso wie für die erwarteten Unterstüt­zungs­zahlungen für die Wirt­schaft. Das erhöht das Risiko von Staats­anleihen. Vor allem Italien, als das am stärksten betroffene Land, steht vor großen fiskalischen Heraus­forderungen. Aber auch andere europäische Staaten sind betroffen, natürlich auch Deutsch­land. Wegen der wirt­schaftlichen Unsicherheit stiegen auch die Risiko­prämien für Unter­nehmens­anleihen – das lässt die Kurse der Anleihen sinken. Die Europäische Zentral­bank (EZB) hat am 18. März ein Notkauf­programm für Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro angekündigt. Die Kurse der Staats­anleihen sind infolge der Ankündigung wieder gestiegen, liegen aber immer noch mit rund 2 Prozent im Minus. Unter­nehmens­anleihen stehen bei rund 7,5 Prozent Verlust.

Nach­haltige Aktien etwas stabiler

Ein Vergleich des herkömm­lichen Welt­aktien­index MSCI World mit seinem nach­haltigen Pendant MSCI World SRI zeigt: Die Krise hat beide Indizes in den Keller geschickt, den Nach­haltig­keits­index allerdings nicht ganz so stark. Er hat seit dem 19. Februar rund 24 Prozent verloren, rund 2 Prozent­punkte weniger als der normale MSCI World. Interes­sant: Obwohl der SRI-Index deutlich weniger Aktien enthält als der herkömm­liche Welt­index, ist er nicht riskanter als dieser. Die Schwankungs­breite ist sogar minimal geringer. Während im herkömm­lichen Index 1 600 Aktien liegen, sind es im Nach­haltig­keits­index knapp 400. Der Nach­haltig­keits­index enthält zum Beispiel keine Waffen­hersteller, er schließt Atom­kraft aus und Firmen mit kontroversen Geschäfts­praktiken wie Kinder­arbeit. Viele weitere Unternehmen scheiden aus, weil sie in Sachen Nach­haltig­keit ein vergleichs­weise schlechtes Bild abgeben. Nur die Besten schaffen es in den Index. Der ETF UBS MSCI World Socially Responsible bezieht sich auf eine Variante des Index, in der keine Aktie ein größeres Gewicht als 5 Prozent einnehmen darf. Diese Variante ist etwas schlechter als der normale SRI Index gelaufen, aber immer noch besser als der herkömm­liche MSCI World Index.

Offene Immobilienfonds: Halte­fristen sichern Liquidität

An der Börse geraten auch die Kurse von Immobiliengesell­schaften unter Druck. Da liegt der Gedanke an offene Immobilienfonds nicht fern. In Groß­britannien nehmen einige Immobilienfonds bereits keine Anteile mehr zurück. Grund sei, dass die Gutachter die Immobilien aufgrund der unsicheren Lage derzeit nicht bewerten könnten.

In Deutsch­land sei das aus derzeitiger Sicht nicht zu befürchten, heißt es seitens der Anbieter. „Bei uns kommt eine andere Bewertungs­praxis zur Anwendung“, sagt Esteban de Lope von Deka Immobilien. Hier­zulande werden die Immobilien nach dem Ertrags­wert­verfahren bewertet. Die Sach­verständigen ziehen dafür die lang­fristig erziel­baren Mieten heran. Auf diese Weise werden Schwankungen – sowohl nach oben als auch nach unten – geglättet. Die lang­fristige Ertrags­kraft sei aktuell nicht infrage gestellt, so de Lope. Auch Mario Schüttauf, Manager des Fonds Haus­invest, sieht die lang­fristige Ertrags­kraft nicht gefährdet: „Diese Krise ist ein temporäres Ereignis, keine Dauer­krise.“ Die Immobilien in den Fonds werden vier Mal pro Jahr bewertet. „Begehungen der Objekte können derzeit zwar aufgrund Reise­restriktionen und anderen behördlichen Auflagen nicht turnus­mäßig vorgenommen werden“, sagt Markus Temme von Union Investment, bewertet werden könne jedoch trotzdem.

Klaus Thoma von der DWS weist noch auf einen anderen Unterschied zwischen britischen und deutschen Immobilienfonds hin. In Groß­britannien habe es wegen des Brexit bereits seit Ende letzten Jahres starke Mittel­abflüsse gegeben. „Im Unterschied zu den britischen Fonds gibt es bei uns Halte­fristen für Anleger“, sagt Thoma. Eine Liquiditäts­krise wie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers sei daher nicht zu befürchten. Anleger, die seit 2013 in offene Immobilienfonds einge­stiegen sind – im Jahr 2019 gab es Rekord­zuflüsse – müssen ihre Anteile mindestens ein Jahr behalten und dazu eine einjährige Kündigungs­frist beachten. Anleger, die schon länger dabei sind, dürfen 30.000 Euro pro Kalender­halb­jahr abheben. Wer dringender Geld braucht, muss seine Anteile über die Börse verkaufen. Dort werden die Fonds allerdings mit einem Abschlag gehandelt.

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Was Anleger jetzt tun sollten

Lang­frist­anleger sollten Ruhe bewahren

Börsen­kurse gehen nie nur nach oben. Rück­setzer und auch größere Abstürze gehören dazu. Gerade in nervösen Zeiten, wie aktuell durch den Corona-Virus ausgelöst, können die Reaktionen heftig sein. Wirk­liche Verluste machen Anleger aber nur, wenn sie ihre Aktienfonds jetzt verkaufen. Deswegen rät Finanztest Anlegern immer dazu, Aktienfonds nur zu kaufen, wenn sie genug Zeit haben, solche Börsenrück­gänge auszusitzen. Das sollten Welt-ETF-Anleger mit ihrem breit gestreuten Depot jetzt auch tun: Abwarten, bis die Kurse wieder nach oben gehen – dann können einem die zwischen­zeitlichen Kurs­verluste egal sein.

Die Idee, bei fallenden Kursen zu verkaufen und zu einem güns­tigeren Punkt wieder einzusteigen, klingt nur in der Theorie gut. Dieses „Market-Timing“ gelingt selbst Profis häufig nicht. Steigen die Kurse wieder, verpassen zu viele Anleger den „richtigen“ Zeit­punkt und der Aufschwung läuft ohne sie. Aus dem Gefühl heraus, den „richtigen“ Zeit­punkt verpasst zu haben, steigen sie dann gar nicht mehr ein. Das sollten Anleger vermeiden, indem sie die Krise aussitzen, wenn sie können.

Gute Kurse für Sparplan-Anleger

Kauf im Sonder­angebot. Für ETF-Sparplan-Anleger gibt es erst recht keinen Grund zur Besorgnis. Für ihre monatliche Sparsumme erhalten sie mal mehr, mal weniger Fonds­anteile. In schlechten Börsen­phasen bekommen sie ihren ETF gewissermaßen im Sonder­angebot. Bei aktuellen Sparplan­ausführungen erhalten sie vermutlich deutlich mehr Fonds­anteile als in den vergangenen Monaten. Steigen die Kurse wieder, profitieren sie davon.

Sparplanende: Aufschub oft sinn­voll. Aufpassen heißt es allerdings zum geplanten Sparplanende. Ein Börsencrash kurz vor dem Ausstieg kann das Gesamt­ergebnis gründlich verhageln. ETF-Sparer haben mehrere Möglich­keiten, sich dagegen zu wappnen. Sie können sich schon ein oder zwei Jahre vor dem geplanten Ende auf die Lauer legen und einen güns­tigen Zeit­punkt abpassen. Damit verzichten sie aber möglicher­weise auf Rendite, falls die Märkte weiter steigen. Wer den Sparplan auf jeden Fall bis zum Ende durch­ziehen möchte, sollte so planen, dass der Verkauf notfalls mindestens ein Jahr aufgeschoben werden kann. Das verbessert die Rendite­chancen erheblich.

Verkauf am besten nur auf Raten

Wer jetzt Geld braucht, sollte jedenfalls nicht sein komplettes Depot auflösen. Vor allem Menschen, die ihr Depot zur Rentenergän­zung nutzen, verkaufen ihr Depot auf Raten – und hoffen, dass die Kurse bald wieder steigen.

Vorsicht bei dubiosen Aktien­angeboten

Eine solche Krise bringt leider auch Betrüger auf Ideen: Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) warnt vor dubiosen Vermitt­lern und Börsen­briefen. Sie versuchen Anlegern Aktien von Unternehmen anzu­drehen, die angeblich über Mittel wie Impf­stoffe oder Medikamente gegen das Corona-Virus verfügen. Zum Teil hielten die anbietenden Personen selbst einige der Aktien und profitierten davon, wenn viele Anleger einstiegen.

Die Bafin empfiehlt Anlegern, jedes Angebot genau zu prüfen und umfassende Auskünfte über die Wert­papiere und ihre Heraus­geber einzuholen. Falls dabei der Verdacht aufkäme, dass Angaben über­trieben oder irreführend seien, sollten sie der Bafin gemeldet werden.

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Mit dem Pantoffel-Portfolio durch die Krise

Sparer, die ihr Geld mit dem Pantoffel-Portfolio von Finanztest anlegen, können in den nächsten Tagen ihr Depot im Blick behalten. Ein Pantoffel-Portfolio besteht aus Zins­anlagen und einem Aktien-ETF – das Mischungs­verhältnis bestimmt jeder entsprechend seiner Risikoneigung. Nach­justieren muss man erst, wenn die Abweichungen mehr als zehn Prozent­punkte betragen. Beim ausgewogenen Pantoffel-Portfolio mit 50:50-Aufteilung ist das dann der Fall, wenn der Aktien-ETF-Anteil weniger als 40 Prozent ausmacht. Das kann dann eine gute Gelegenheit sein, den Aktien­anteil zu güns­tigen Kursen wieder aufzusto­cken. Steigen die Kurse irgend­wann wieder und der Aktien­anteil steigt über 60 Prozent, verkauft man die Fonds­anteile zu einem guten Kurs wieder. Sparer mit einem defensiven Pantoffel-Portfolio sollten handeln, wenn ihr Aktien-Anteil unter 15 Prozent sinkt und nach­kaufen, bis er wieder 25 Prozent erreicht hat. Dabei hilft unser Pantoffel-Rechner.

Pantoffel-Sparer müssen ihre Mischung jetzt allerdings nicht täglich checken, ein Blick alle paar Wochen reicht.

Rechner Pantoffel-Portfolio

Sie legen Geld an in einem Finanztest Pantoffel-Portfolio? Mit diesem Rechner können Sie Ihr Pantoffel-Portfolio über­prüfen.

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Riester: Massive Umschichtungen

Die Situation ist nicht neu, aber vielleicht noch extremer als in den zurück­liegenden Börsenkrisen: Riester-Fonds­sparpläne sind von massiven Umschichtungen betroffen. Wir uns zahlreiche Leser berichteten, wurden ihre Anteile an Aktienfonds voll­ständig verkauft. Allein beim größten Sparplan, der UniProfirente, wurden in der ersten Welle etwa 300 000 Depots von Aktien- in Rentenfonds umge­schichtet. Der Anbieter Union Investment verweist auf die gesetzlichen Vorgaben, nach denen der Erhalt aller Einzahlungen und Zulagen am Ende der Lauf­zeit gesichert sein müssen. „Mit der Maßnahme sichern wir nicht nur die Beiträge, sondern stoppen auch weitere Kurs­verluste, damit Kunden perspektivisch wieder Ertrags­chancen der Aktienmärkte nutzen können“, heißt es in der Antwort auf unsere Anfrage.

Rück­umschichtung möglich

Nach der aktuellen Umschichtung seien noch 48 Prozent des verwalteten Vermögens im Aktienfonds Uniglobal Vorsorge, 52 Prozent im Rentenfonds UniEurorenta investiert (Stand: 18. März 2020). Bei der UniProfiRente ist eine Rück­umschichtung in den Aktienfonds möglich, sie würde in mehreren Stufen geschehen, wenn sich die Aktienmärkte beruhigt haben. Anleger müssen dazu selbst nichts tun. Wer angesichts voll­zogener und künftig drohender Umschichtungen nicht mehr weitersparen möchte, kann seinen Vertrag beitrags­frei stellen und seine Einzahlungen stoppen. Anders als bei einer Kündigung werden in diesem Fall alle Beiträge und Zulagen zum Laufzeit­ende garan­tiert.

Vorsicht bei vorzeitiger Kündigung

Wer sich sein Guthaben auszahlen lässt, verliert dagegen nicht nur die bisher gewährten Zulagen, sondern könnte auch auf Kurs­verlusten sitzen bleiben. Allerdings sollten Sparer bedenken, dass ein Fonds­sparplan allein durch die staatlichen Zulagen stets eine gewisse Rendite abwirft, selbst wenn am Ende nur der Garan­tiebetrag übrig bleiben sollte. Der wird durch weitere Einzahlungen immer größer.

Fairriester hortet Cash

Auch Besitzer des Sparplans Fairriester sind von Umschichtungen betroffen. Sie erhielten kürzlich eine Nach­richt des Anbieters Sutor­bank, in dem es unter anderem hieß: „Im Sinne der Risi­kost­euerung wurde deshalb zunächst aus den Aktienmärkten in Cash umge­schichtet, bis besser kalkulier­bare Para­meter wieder eine trag­fähige Risikomodellierung ermöglichen. Die lang­fristige Investment­strategie des fairriesters bleibt davon unbe­rührt.“ Sobald sich der Markt beruhigt habe, werde schritt­weise wieder in Aktien investiert.

Außergewöhnliche Maßnahmen

Gemäß der Anla­gebedingungen sind bei Fairriester eigentlich nur Fonds­anlagen erlaubt. Ein hundert­prozentiger Barbestand fällt nicht darunter. Die Sutor­bank schrieb uns dazu folgendes: „Diese außergewöhnlichen Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Depots, die vorher nur Aktien enthielten, sind aktuell in Liquidität investiert. ( ... ) Dies steht im Einklang mit den Anla­gebedingungen – danach kann von der Anla­gestruktur abge­wichen werden, wenn es unter Berück­sichtigung von Rendite- und Sicher­heits­aspekten als zweck­mäßig erscheint.“

Garantie engt Hand­lungs­spielraum ein

So verständlich der Ärger betroffener Anleger auch ist, muss man den Anbietern eins zubil­ligen. Die Riester-Garantie engt ihren Hand­lungs­spielraum stark ein. Erst ein nach­haltiger Anstieg des Zins­niveaus könnte Abhilfe bringen. Bis dahin wird jede Börsenkrise zu weiteren Umschichtungen führen. Einen Über­blick über Riester-Fonds­sparpläne bietet unser großer Riester-Test.

Riester-Fonds­policen: Auf die Fonds­wahl achten

Vom Corona-Crash sind auch Riester-Fonds­policen betroffen. Die von den Anlegern frei wähl­baren Fonds können nun Verluste aufweisen – je nach Art des Fonds und des Einstiegs­zeit­punkts. Hier gilt wie bei Fonds­anlagen generell: Füße still­halten und auf bessere Zeiten warten. Einen Verlust zu Renten­beginn braucht niemand zu befürchten. Bei Riester-Fonds­policen sind wie bei allen Riester-Verträgen die Einzahlungen plus die Zulagen zu Renten­beginn garan­tiert. Wenn sich die Lage wieder beruhigt hat und die Aktienmärkte nicht mehr so stark schwanken, sollten Anleger die Gelegenheit für einen Fonds-Check nutzen. In unserem Test Riester-Fondspolicen optimieren zeigen wir, welche Fonds für welche Police die besten sind. Umschichten ist in der Regel kostenlos und kann sich durch­aus auszahlen.

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Diese Meldung ist am 28. Februar 2020 erschienen und wurde seitdem mehr­mals aktualisiert, zuletzt am 04. April.

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